Kommentar

Spenden ist eine schwierige Disziplin

Ohne Blut- und Organspenden geht es nicht.

Darüber wenigstens besteht Einigkeit: Ohne Blut- und Organspenden geht es nicht. Andernfalls wären die notorischen Spendeaufrufe des Schweizerischen Roten Kreuzes vor den Sommerferien und die Kampagnen der Nationalen Stiftung für Organspende und Transplantation rein werbliche Massnahmen. Doch das sind sie nicht. Es geht häufiger, als uns bewusst ist, um Sein oder Nichtsein. Und dies in einem hoch entwickelten Land, das sich rühmt, eines der besten Gesundheitswesen der Welt – allerdings zum entsprechenden Preis – zu unterhalten.

Das Widersprechende, das sich im Anspruch an die bestmögliche Versorgung und im Un- bis Widerwillen zum Spenden manifestiert, ist kein Zufall. Oder, umgekehrt formuliert: Die Patientenlogik funktioniert in der Regel nicht derart, dass aus den persönlichen Vorstellungen über die optimale Behandlung die selbstredende Verpflichtung zur eigenen Blut- oder Organspende abgeleitet wird.

Der erhobene Zeigefinger ist das falsche Mittel, um uns aktuelle oder prospektive Patienten auf die gleichsam moralische Pflicht aufmerksam zu machen, aus freien Stücken für genügend Spendematerial zu sorgen. Vielmehr muss ein Bewusstsein geschaffen werden dafür, dass medizinische Versorgung immer Menschensache ist. Sei es am Operationstisch, sei es am Pflegebett, sei es, wenn es um die ausreichende Verfügbarkeit von Blut und Organen geht. Spenderegister sind vor diesem Hintergrund gute Einrichtungen, um aus dem Vorsatz den Tatbeweis werden zu lassen.

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Autor

Balz Bruder

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