Die Grippe von 1918 wird als eine der schlimmsten weltweiten Pandemien der Geschichte bezeichnet. Sie forderte 20 Millionen Opfer. In der Schweiz fielen der Grippe von 1918 fast 25'000 Menschen zum Opfer. Es waren etwa 10'000 Männer und fast 15'000 Frauen vor allem im Alter von 20 bis 40 Jahren. Nach den ersten Grippefällen im Mai 1918 verschlimmerte sich die Situation im Sommer dramatisch.

Den Ursprung nahm diese Grippe vermutlich zuerst in China. Später verbreitete sich diese in den Vereinigten Staaten. So kam es Ende 1917 in Amerika zu ersten Berichten über eine heftige Grippe, die teils tödlich verlief. Betroffen waren zuerst fast ausschliesslich Soldaten. Diese brachten den Erreger schlussendlich auf das europäische Festland, von wo er seinen tödlichen Weg fortsetzte.

«Knock-me-out»

Die Amerikaner nannten die Infektion zuerst «Knock-me-out»-Fieber. Der Name war Programm. Binnen weniger Stunden riss die Grippe einen von den Beinen und fesselte die Menschen ans Bett. Das «Hau-mich-um»-Fieber schwappte später nach Spanien über, wo es knapp acht Millionen Menschen erwischte. Erst danach wurde den anderen Ländern in Europa bewusst, wie gefährlich die Grippe ist. Da viele davon ausgingen, dass Spanien der Ursprung dieser Infektion war, nannte man die Influenza-Infektion «Spanische Grippe».

Sie löste in der Schweiz auf politischer Ebene einige Turbulenzen aus. Der Bundesrat rang sich zu einem dringlichen Beschluss durch und ermächtigte die Kantone und Gemeinden, öffentliche Veranstaltungen wie Konzerte und Feste abzusagen und zu verbieten.

Nach dem 6. Juli wurden in Solothurn Schulen, Theater und Kinos geschlossen. Die Vereine wurden angewiesen, die Anlässe abzusagen. So wurden in Lohn und Ammannsegg Konzert- und Theaterabende im Bad Ammannsegg abgesagt. Es wurde zudem verboten, das Totengeläut der Kapelle in Lohn zu läuten, um nicht noch mehr Angst und Schrecken zu verbreiten. Der Bischof von Basel hob für das Bistum Mitte 1918 die Verpflichtung zum Messebesuch auf.

Zeit des Umbruchs

Der Seuchenausbruch fiel in die Schlussphase des 1. Weltkriegs und in eine Zeit heftiger sozialer Auseinandersetzungen, die sich im November 1918 im Landesstreik kulminierten. Die erste Grippewelle im Juli 1918, die unter den Diensttuenden der Armee bis zu 35 Opfer pro Tag forderte, zwang die Armeeleitung zum Abbruch oder zur Verschiebung aller militärischen Schulen.

Die Monate Oktober und November 1918 waren geprägt von einer aufgeheizten, fast bürgerkriegsähnlichen Stimmung. Ohne Rücksicht auf die ausbrechende Epidemie wurden Streiks durchgeführt und Truppen zur Sicherung der Ordnung in Zürich einberufen. Arbeiterschaft und Bürgerblock schoben sich gegenseitig die Schuld an den Hunderten von grippetoten Soldaten zu.

Viele Todesfälle in der Industrie

Viele Grippe-Erkrankte gab es auch in der Industrie, etwa bei den von Roll’schen Eisenwerken in Gerlafingen, was insbesondere auf die damalige Unterernährung und die ungenügende Fabrikhygiene zurückzuführen war.

Es war die Mischung der Umstände, die die Spanische Grippe damals so gefährlich machte. Einerseits war der Erreger vom Typ A/H1N1 äusserst aggressiv, andererseits traf er auf geschwächte Menschen, die lange Entbehrungen und Belastungen ertragen mussten. Und es war ein Rennen gegen die Zeit. Schon zwei Tage nach Ausbruch der Krankheit starben die Menschen, nicht friedlich, sondern keuchend und hustend, wie Millionen andere auf der Welt, die ebenfalls an der Grippe litten.

Die Grippe fiel teils so heftig aus, dass manche Infizierte selbst nach der Genesung noch Jahre und teils ein Leben lang an den Folgen leiden mussten. Schwache, geschädigte Lungen – alles grausame Andenken an die Pandemie, die in ihrer Heftigkeit wohl am ehesten mit der Pest vergleichbar ist.