Kandidatur auf Seniorenliste
«SP60+»-Kandidatin will «Urenkel-taugliche Politik» umsetzen

Im Kanton Solothurn führen CVP und SP für die Nationalratswahlen 2015 nicht nur reguläre Kandidatenlisten, sondern auch Seniorenlisten. Die 67-jährige Ex-Nationalrätin Ursula Ulrich kandidiert auf einer solchen Liste.

Nora Wernli
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Die Ex-Nationalrätin Ursula Ulrich wurde Ende Oktober 2014 als Kandidaten für den Nationalrat nominiert. (Archiv)

Die Ex-Nationalrätin Ursula Ulrich wurde Ende Oktober 2014 als Kandidaten für den Nationalrat nominiert. (Archiv)

zvg

Bald stehen die Nationalratswahlen 2015 an. Die SP Solothurn wird diese mit einer zusätzlichen «Liste 60+» antreten, oder gar mit deren zwei. Nämlich haben sich laut Parteipräsidentin Franziska Roth viel mehr ältere Leute als bereit erklärt, für den Nationalrat zu kandidieren, als man erwartet hätte. Neben der SP führt auch die CVP eine Seniorenliste, auf welcher bereits Kandidaten eingetragen sind (siehe Kasten).

SP und CVP mit Seniorenlisten

Die CVP tritt im Kanton Solothurn nicht zum ersten Mal mit einer Seniorenliste zu den eidgenössischen Wahlen an. Bei den Nationalratswahlen 2011 hat die «CVP 60+»-Liste 5511 Stimmen erzielt. Um die «aktive Seniorenpolitik» weiter zu verstärken, wurde vor knapp zwei Jahren auch eine kantonale Seniorenvereinigung namens «CVP 60+» gegründet. Die Solothurner SP dagegen setzt in diesem Jahr zum ersten Mal auf eine Seniorenliste. Das Beispiel der bisherigen Nationalrätin Bea Heim (68) aus Olten zeigt allerdings: Nicht alle «ü60»-Anwärter kandidieren zwingend auf einer Seniorenliste. Heim hofft nämlich auf einer der beiden regulären SP-Listen auf ihre Wiederwahl. Ob auch andere Solothurner Parteien mit Seniorenlisten antreten werden, ist derzeit noch offen. (nw/sva)

Die Oltnerin Ursula Ulrich (67) sass bereits von 1987 bis 1991 im Nationalrat. 1991 verlor sie ihren Sitz an die Grünen. Heute engagiert sich die frühere Vizedirektorin des Bundesamts für Gesundheit im Vorstand der «SP60+». Mit ihrer Kandidatur auf der Seniorenliste will sie dazu beitragen, dass die SP des Kantons Solothurn weiterhin drei Vertreter nach Bundesbern entsenden kann.

Im Gespräch legt Ursula Ulrich ihre Beweggründe offen, nach 24 Jahren erneut für den Nationalrat zu kandidieren. Und sie berichtet über Erlebnisse und Erfahrungen aus ihrer Zeit im Nationalrat.

Was ist Ihre Motivation, wieder für den Nationalrat zu kandidieren?

Als Vorstandsmitglied von «SP60+» war ich an der Lancierung der Idee der «SP60+»-Listen beteiligt. Als die Anfrage der Kantonalpartei für eine Kandidatur kam, habe ich – für mich folgerichtig – zugesagt.

Haben Sie ein bestimmtes Vorhaben, z.B. bei der Umsetzung des Atomausstiegs und der Energiewende ein Wörtchen mitzureden?

Mein grosses Anliegen ist die Umsetzung einer UrenkelInnen-tauglichen Politik. In meinem Alter muss man sich bereits auf die Urenkel ausrichten (lacht). Das heisst, eine wirklich nachhaltige Politik zu gestalten, bei der allen drei Sektoren Ökonomie, Ökologie und Soziales jeweils Rechnung getragen wird. Ein spezielles Anliegen ist mir zudem die Entlastung pflegender Angehöriger. Es geht nicht nur um die Entlastung bei der Kinderbetreuung, sondern auch bei der Pflege und Unterstützung Erwachsener und vor allem älterer Angehöriger.

Sollte man nicht den jüngeren Leuten im Nationalrat Platz machen? Was zeichnet Sie aus? Und was können Sie besser als die jüngeren Leute?

Es braucht die Vertretung aller Generationen im Nationalrat. Durch mein früheres Nationalratsmandat weiss ich wie das „Spiel“ dort gespielt werden muss. Durch meine langjährige Arbeit in leitender Funktion im Bundesamt für Gesundheit weiss ich, wie die Verwaltung funktioniert. Um erfolgreich im Nationalrat politisieren zu können, ist die Kombination dieser Erfahrungen von grossem Vorteil.

Was hat Ihnen besonders gefallen im Nationalrat?

Es hat mir sehr gefallen, etwas mitgestalten zu können. So konnte ich zum Beispiel bewirken, dass Aussagen zur Gentechnik in der Verfassung verankert wurden. Weiter habe ich es in positiver Erinnerung, mit Menschen aus allen Landesteilen zusammen zu arbeiten und gemeinsam Lösungen für die anstehenden Probleme zu finden.