Altes Spital

SP60+ fordert Schutz vor Altersdiskriminierung und Entlassungen

SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger-Oberholzer und SP-Ständerat Paul Rechtsteiner

SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger-Oberholzer und SP-Ständerat Paul Rechtsteiner

Die sozialdemokratische Bewegung SP60+ fordert ein Recht auf Arbeit ab dem 50. Altersjahr und Schutz vor Entlassungen. Das soll durch die Unternehmen finanziert werden, welche im Vergleich wenig ältere Arbeitnehmer beschäftigen.

Einstimmig genehmigt wurde eine entsprechende Resolution, welche die Altersdiskriminierung stoppt und eine erweiterte Arbeitslosenversicherung zum Ziel hat.

Finanziert werden sollen diese Massnahmen nach Meinung der sozialdemokratischen Bewegung SP60+ durch jene Unternehmen, welche unterdurchschnittliche Quoten an älteren Arbeitnehmenden aufweisen.

Konkret heisst das, dass die verursachenden Unternehmen zur Rechenschaft gezogen werden und jene Arbeitnehmer, welche gegen ihren Willen aus dem Arbeitsmarkt gedrängt werden, während fünf Jahren Anrecht auf eine erweiterte Arbeitslosen-Entschädigung haben. Gleichzeitig sollen sie bei der Stellensuche unterstützt werden.

«Das ist ein Skandal»

Dies ist auch das Anliegen von Paul Rechsteiner. Der SP-Ständerat und Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes betonte im Alten Spital in Solothurn, dass gute Qualifikationen und der unverschuldete Verlust des Arbeitsplatzes die Arbeitnehmenden ab fünfzig nicht mehr zu schützen vermögen.

«Noch vor wenigen Jahren gab es in der Schweiz ein ungeschriebenes Entlassungstabu, heute sind ältere Berufstätige ein potenzielles Risiko und müssen weg. Das ist ein Skandal.»

Um dem entgegenzuwirken, brauche es dringend eine soziale Abfederung und Massnahmen, um den unterschiedlichen Bedürfnissen der älteren Generation gerecht zu werden.

«Es kann nicht sein, dass langjährige verdiente Angestellte entlassen werden und Generationen gegeneinander ausgespielt werden», so Rechsteiner.

Mit den Aussagen von Rechsteiner einig ging auch Heinz Gilomen. Als Vorstandsmitglied von SP60+ forderte er ebenfalls das Recht auf Arbeit ab 50 und zitierte eine Aussage des Staatssekretariates für Wirtschaft (Seco), wonach die Partizipation von älteren Erwerbstätigen für die Schweiz immer wichtiger werde.

Trotzdem komme es immer mehr zu frühzeitigen Pensionierungen und Arbeitslosigkeit bei älteren Arbeitnehmern. «Nur 6 von 32 Prozent der über 60-Jährigen haben sich aus freiwilligen Motiven frühzeitig pensionieren lassen, was aber ist mit den anderen 26 Prozent?», fragte Gilomen.

Diese Zahlen stünden im Gegensatz zur Tatsache, dass ältere Arbeitnehmende weiterarbeiten möchten und dazu auch fähig seien. «Sie sind vielfach Opfer von Vorurteilen und Diskriminierungen und werden zudem noch mit Einkommensbussen bestraft.»

«Bei der älteren Generation ist viel Potenzial und Lebenserfahrung vorhanden», ergänzte SP-Nationalrätin Bea Heim und leitete über zu einem kurzen Podiumsgespräch mit drei Nationalratskandidaten von SP60+. «Solothurn ist der einzige Kanton, in dem sich Kandidatinnen und Kandidaten mit einer eigenen SP60+-Nationalratsliste zur Wahl stellen.»

Nicht alle leben im Schlaraffenland

«Ich kandidiere, weil für mich Eigenbestimmung und ein flexibler Altersrücktritt wichtig sind», liess Ursula Ulrich-Vögtlin die Anwesenden wissen. Für ein menschenwürdiges Alter plädierte Hermann Fenzel, während Max Schmid darauf aufmerksam machte, dass bei den Pensionskassen angesichts der riesigen Gewinne der Versicherungen viel Sparpotenzial liege.

Alle drei Kandidaten waren sich einig, dass in der Schweiz nicht alle älteren Menschen im Schlaraffenland leben und Recht auf einen angemessenen Wohnraum, Gesundheit und Pflege hätten.

Miteinander statt gegeneinander lautete die Devise, die Bea Heim mit dem Satz ergänzte: «Wir wissen, wie es ist, jung zu sein, aber die Jungen wissen nicht, wie es ist, alt zu sein.»

In einem politischen Fazit erinnerte schliesslich auch SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer daran, dass es mehr Schutz vor Entlassungen brauche und «nicht alle Rentner reich sind. Zwölf Prozent benötigen Ergänzungsleistungen».

Und sie liess keinen Zweifel darüber offen, dass das Antidiskriminierungsgesetz in die Verfassung gehöre. Leutenegger rügte zudem die eigene Partei wegen ungenügender Mobilisierung und appellierte an einen grösseren Einsatz im Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen.

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