Susanne Schaffner soll den Sitz der Sozialdemokraten im Solothurner Regierungsrat verteidigen und im kommenden März als erste SP-Frau in die fünfköpfige Solothurner Exekutive einziehen. Das haben die SP-Delegierten gestern Abend in Zuchwil beschlossen. Sie haben die 53-jährige Oltner Kantonsrätin als Regierungsratskandidatin nominiert.

In einer Kampfwahl siegte die Juristin und frühere Kantonsratspräsidentin über SP-Nationalrat Philipp Hadorn. Dieser musste eine überaus deutliche Niederlage einstecken. Von den 122 Delegierten stimmten lediglich 19 für den Gerlafinger Gewerkschafter. Schaffner erhielt 103 Stimmen.

Die Ausmarchung fand per geheimer Urnenwahl statt. Schaffner erreichte das absolute Mehr bereits im ersten Wahlgang. Die Regierungsratswahlen finden am 12. März 2017 statt. Der bisherige SP-Vertreter in der Solothurner Exekutive, Sozialdirektor Peter Gomm, tritt nach 12 Jahren nicht mehr zur Wahl an.

Er habe erwartet, dass sich die Delegierten für Susanne Schaffner entscheiden, sagte Philipp Hadorn im Anschluss an die Versammlung. «Die Region und das Geschlecht sind bei dieser Wahl wichtig gewesen. Und das finde ich eigentlich gar nicht falsch», sagte er. Hadorn sprach von einer Kampagne, die die «bürgerliche Presse» im Kanton gegen ihn geführt habe.

Allerdings gab es gestern Abend kein einziges Votum für Hadorn: Vor der Urnenwahl waren lediglich zwei Voten für Schaffner zu hören. Dabei wurden ihr als Vertreterin des unteren Kantonsteils bessere Chancen zugestanden, da dort die abtretenden Regierungsräte Peter Gomm (SP, Olten) und Esther Gassler (FDP, Schönenwerd) zwei Vakanzen hinterliessen.

«Susanne Schaffner hat gesamtkantonal so sicher die besseren Chancen.» Zudem wurde explizit eine SP-Frauenkandidatur gefordert. «Für mich ist die Wahl ganz klar: Susanne. Weil sie eine Frau ist», hielt eine Delegierte fest.

«Nicht vorgehabt, Beruf aufzugeben»

Zuvor hatten sich Schaffner und Hadorn in einem «Kreuzverhör» den Fragen von alt Parteipräsidentin Evelyn Borer gestellt. Dabei zeigten sich inhaltlich kaum Unterschiede zwischen den beiden, die klar links positioniert sind.

Einzig in ihren Bewerbungsreden zeigten die beiden Kandidierenden unterschiedliche Seiten. «Ich kann Erfahrungen einbringen, die ich in den letzten Jahren gemacht habe, beruflich, politisch und privat», sagte Schaffner und stellte den Kampf für Schwächere ins Zentrum. «Was nützen uns Steuergeschenke an die Unternehmen, wenn kleinere und mittlere Einkommen immer mehr Lasten tragen müssen.»

Als Anwältin entwickle sie Strategien und vertrete in den Verhandlungen die Interessen der Klienten, warb Schaffner für sich. Als Mitglied der Finanzkommission im Kantonsrat setze sie sich seit Jahren hartnäckig für sozialdemokratische Ziele ein. «Ich bin seit 20 Jahren Anwältin mit Leib und Seele. Ich habe nicht vorgehabt, den Beruf aufzugeben.» Das Amt als Regierungsrätin reize sie jedoch, da es dem Anwaltsberuf teils ähnlich sei. «Dafür nehme ich in Kauf, nach vier Jahren im Amt acht Jahre älter auszusehen.»

Philipp Hadorn schilderte sich in einer engagierten Rede als Kämpfer, der mit 18 zu Hause auszog und seither sein Geld selbst verdient, der wegen seiner Militärdienstverweigerung Monate ins Gefängnis ging und der aus der Kanti flog und später die Matur nachholte. In der kurzen Rede legte er ein detaillierteres Programm vor als dies Schaffner zuvor getan hatte.

Hadorn liess indirekt durchblicken, dass er eine Zweierkandidatur der SP nach wie vor für den besseren Weg gehalten hätte. «Wenn jemand das Anrecht auf zwei Sitze hat, dann die SP. Die FDP tritt mit einer rechtspopulistischen Frau an, die SVP mit einem Querulanten.» Bereits Ende August hatten sich die SP-Delegierten jedoch entschieden, den Sitz des abtretenden Sozialdirektors Peter Gomm mit einer Einerkandidatur zu verteidigen.

Der Antrag auf eine Zweierkandidatur – damals eingereicht von Hadorns Gerlafinger Ortspartei – scheiterte klar. Zwar gab es gestern Abend nochmals ein Wortbegehren, das den Beschluss und den fehlenden Wahlkampfwillen kritisierte. Schliesslich habe die SP gerade im Aargau gewonnen. Zu einem Antrag auf eine Zweierkandidatur kam es aber nicht mehr.

Mit Schaffners Wahl stehen nun die wesentlichen Kandidaturen für die kommenden Regierungsratswahlen fest: Die FDP tritt mit dem bisherigen Bildungsdirektor Remo Ankli und neu mit Gewerbeverbandspräsidentin Marianne Meister an. Die SVP hat den Kriegstetter Kantonsrat Manfred Küng auf den Schild gehoben. Und für die CVP wollen die beiden amtierenden Regierungsräte Roland Heim und Roland Fürst ihre Sitze verteidigen.

Noch offen ist, mit wem die Grünen antreten. Sowohl Parteipräsident Felix Wettstein als auch alt Nationalrätin Brigit Wyss und der Junge Grüne Christof Schauwecker wollen an der parteiinternen Ausmarchung um die Kandidatur teilnehmen. Damit erhält SP-Kandidatin Schaffner Konkurrenz von links.