Zanetti liess sie zappeln. Erst am Freitag hat der 64-jährige Gerlafinger die Katze aus dem Sack gelassen und mitgeteilt, dass er vier weitere Jahre lang Ständerat bleiben möchte.

Damit haben sich die Chancen von FDP und SVP verschlechtert, im Herbst 2019 den Solothurner Ständeratssitz (zurück)zuerobern. Denn gegen zwei Bisherige (neben Zanetti CVP-Mann Pirmin Bischof) anzutreten, ist in der Regel schwieriger, als bei Vakanzen einen Sitz zu holen.

«Es ist anspruchsvoll», sagt FDP-Kantonalpräsident Stefan Nünlist. Und auch SVP-Kantonalpräsident Christian Imark sieht es als schwieriger an, gegen zwei Bisherige anzutreten, wobei Imark annimmt, dass ein Kandidat, der bald im AHV-Alter ist, auch als Bisheriger nicht bei allen Wählern punkten kann.

Wenn kein Sitz frei ist, greift bei Parteien meist Plan B: Idealerweise setzt man dann auf ein Zugpferd, das zumindest der eigenen Nationalratsliste Schub verleihen kann. Oder man holt Plan C aus der Schublade und setzt auf jemanden, der sich für spätere Kandidaturen bekannt machen könnte.

Roberto Zanetti gibt an seinem Geburtstag seine Kandidatur für den Ständerat bekannt: «Ich fand den 14.12 noch ein lustiges Datum»

Roberto Zanetti gibt an seinem Geburtstag seine Kandidatur für den Ständerat bekannt: «Ich fand den 14.12 noch ein lustiges Datum»

Einfach ist die Ausgangslage hier bei der SVP: Mit dem Bellacher Andreas Burgener, dem Direktor von Auto Schweiz, hat schon mal jemand Interesse für eine Kandidatur angemeldet. Doch Burgener ist im Kanton wenig bekannt. Viel eher dürfte einer der beiden SVP-Nationalräte die Kandidatur auf sich nehmen (müssen). Hier fällt sofort der Name von Imark. Der SVP-Nationalrat aus dem Schwarzbubenland ist kantonsweit bekannt. Als Präsident steht er zudem in der Pflicht. Und auch wenn in den letzten Tagen sein Ruf aufgrund einiger scharfer Äusserungen bei den anderen Parteien gelitten hat, gilt er vielen nach wie vor als «umgänglicher SVPler». Wenig wahrscheinlich ist, dass es Walter Wobmann nochmals versucht. Der Gretzenbacher hat sich schon bei den letzten Ständeratswahlen «geopfert» – und erwies sich, obwohl bestgewählter Nationalrat im Kanton, als wenig majorztauglich.

Roberto Zanetti gibt an seinem Geburtstag seine Kandidatur für den Ständerat bekannt: «Ich fand den 14.12 noch ein lustiges Datum»

Roberto Zanetti gibt an seinem Geburtstag seine Kandidatur für den Ständerat bekannt: «Ich fand den 14.12 noch ein lustiges Datum»

FDP: Kein Kronfavorit ersichtlich

Imark hat bereits durchscheinen lassen, dass er als Kantonalpräsident vielleicht antreten müsse. Auf Anfrage erklärt er: Die Partei habe noch nichts entschieden, es gebe nichts Neues zu sagen.

Weniger eindeutig ist die Ausgangslage bei der FDP. Dort hat die Langzeit-Nachwuchshoffnung Anita Panzer vor wenigen Wochen ihr Kantonsratsmandat abgegeben. Weitere Frauen sind nicht in Sicht: Auch Gewerbeverbandspräsidentin Marianne Meister, die vor vier Jahren scheiterte, will sich aus der Politik zurückziehen. Möchte die FDP eine Frau, blieben weniger naheliegende Namen wie die Egerkinger Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi (67), die sich als unerschrockene Politikerin erwiesen hat – oder als Aussenseiterin Christine Davatz, Vize-Präsidentin des Schweizerischen Gewerbeverbandes.

Höchstwahrscheinlich wird also ein Mann für die FDP antreten. Im Fokus dürfte Parteipräsident Stefan Nünlist selbst stehen. «Mich interessiert die eidgenössische Politik sehr», sagt der gut vernetzte Oltner auf Anfrage. Letztlich werde aber entscheidend sein, was für die Partei am besten ist. Im April will die FDP nominieren. Ein möglicher weiterer FDP-Kandidat wäre François Scheidegger, der als Grenchner Stadtpräsident kantonsweit einigermassen bekannt ist. Fraglich ist, ob Scheidegger die Ambition hat. Zu den Kantonsratswahlen 2017 ist er etwa gar nicht angetreten.

Ankli dürfte abwarten

Weitere Kandidaten fallen wohl ebenso weg: FDP-Regierungsrat Remo Ankli wird, obwohl der Kandidat mit dem grössten Potenzial, kaum interessiert sein, eine Niederlage gegen Zanetti und Bischof zu riskieren.

Der 45-Jährige kann auch gut abwarten, ob es in vier Jahren eine Vakanz gibt. Ypsomed-CEO Simon Michel wiederum dürfte neben dem Familienunternehmen wenig Zeit für dieses Mandat haben. Und Handelskammer-Direktor Daniel Probst hat die Wahl in den Kantonsrat 2017 verpasst – wie übrigens auch Nünlist.