Der Kestenholzer Nationalrat Roland F. Borer ist ein Urgestein in Bern. 1991 wurde er in den Nationalrat gewählt, als in Moskau noch Gorbatschow regierte. Und Borers Partei hiess damals noch nicht SVP – er trat für die inzwischen Geschichte gewordene Freiheitspartei an. Nun sitzt Borer seit 23 Jahren auf seinem Sitz. Und plötzlich will er nochmals antreten. – Das erstaunt, denn bei den letzten Wahlen 2011 kündete der 63-Jährige schriftlich an, zum letzten Mal anzutreten. Er wolle schliesslich keine «Sesselkleberei» betreiben. Offenbar hat Roland F. Borer auch auf Drängen seiner Partei das Versprechen gebrochen. Denn mit den Bisherigen Walter Wobmann und Roland F. Borer als Stimmengaranten kann die SVP das Risiko senken, einen der beiden Sitze zu verlieren. Borer war nicht erreichbar, offen ist, ob er allenfalls in der Legislatur zurücktreten könnte.

Bea Heim sitzt zwar erst halb so lange in Bern wie Roland Borer. Doch in Sachen Alter muss auch sie sich Fragen stellen lassen. Sie gehört mit 68 schon heute zu den ältesten Parlamentariern: – Nur der Waadtländer CVP-Doyen Jacques Neirynck (83), der Aargauer Maximilian Reimann (72) und der Waadtländer SP-ler Eric Voruz (69) zählen mehr Lenze. Von keiner einfachen Situation spricht SP-Kantonalpräsidentin Franziska Roth. Die SP suche zwar Kandidaten unabhängig von Alter und Geschlecht und wolle ein breites Altersspektrum abbilden. «Aber es gibt Stimmen, die finden, eine erneute Kandidatur von Bea Heim passe nicht zu unserem Kampf für das AHV-Alter», gibt Roth zu. Und andere Stimmen würden offenbar gerne Jüngeren eine Chance geben. Andererseits, so Roth, betreibe Heim eine erfolgreiche Politik und habe bei den letzten Wahlen erfreulich viele Stimmen auch aus anderen Lagern geholt.

Und Heim selbst? Sie will antreten, und sehr wahrscheinlich wird sich diesem Wunsch – wie bei der SVP – niemand öffentlich entgegenstellen – offener Streit wäre im Wahlkampf ein Nachteil. «Viel wichtiger als das Alter ist die Leistung im Parlament», sagt Bea Heim und verweist auf Erreichtes in Bern. Dort müssten alle Generationen vertreten sein, jung wie alt. «Immerhin leben im Kanton Solothurn rund 18% über 65-Jährige», so die SP-Politikerin. Kritische Stimmen habe es schon vor vier Jahren gegeben – «doch die Solothurner wählten mich mit doppelt so vielen Stimmen als den Nächsten auf der Liste. Das hat der SP den 2. Sitz beschert.»

Auffallend ist: Besonders Zürcher SVP-Vertreter der Anti-EWR-Ära können kaum von der Politik lassen: Max Binder, Hans Fehr und Toni Bortoluzzi sitzen wie Borer seit 1991 im Rat, ebenso der Aargauer Ulrich Giezendanner. Und Maximilian Reimann sitzt, inklusive seiner Ständeratsjahre, sogar seit 1987 ununterbrochen in Bern. Reimann will 2015 wieder antreten, anders als der Sozialdemokrat Andreas Gross, der nach 23 Jahren den Rückzug angekündigt hat. Und auch die Zürcher SVP-Urgesteine stehen unter Druck. Es könnte also sein, dass Roland F. Borer tatsächlich bald mit den Aargauern zu den wirklich amtsältesten Nationalräten gehört. Eine Amtszeitbeschränkung wie sie die Walliser CVP (Parteipräsident Darbellay darf nicht mehr antreten) hat, gibt es im Kanton Solothurn bei keiner Partei.