Sozialpreis
Die Regierung zeichnet die Hospizgruppe Solothurn aus, das Publikum lobt den Einsatz für die Rechte von Sexarbeitenden

Seit 15 Jahren wird besonderes Engagement im Kanton Solothurn mit dem Sozialpreis gewürdigt, seit 10 Jahren gibt es zudem den Sozialstern für Firmen, die sich für die Integration von Menschen mit psychischer Beeinträchtigung engagieren. Dieses Jahr konnte die Preisverleihung trotz Corona wieder vor Publikum stattfinden.

Urs Moser
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Die Delegation der Hospizgruppe Solothurn freut sich über die Anerkennung ihres Engagements.

Die Delegation der Hospizgruppe Solothurn freut sich über die Anerkennung ihres Engagements.

Michel Lüthi

Die aktuelle Entwicklung der Pandemie gebietet es, die Kontakte wieder möglichst einzuschränken. Aber dass dieser Anlass in diesem Jahr wieder physisch und vor Publikum stattfinden konnte – mit Zertifikat- und Maskenpflicht versteht sich, – war Frau Landammann Susanne Schaffner ein besonderes Anliegen: Der Solothurner Sozialpreis wurde am vergangenen Freitag im Rahmen einer öffentlichen Feier vergeben.

Seit 15 Jahren würdigt der Regierungsrat im Namen des ganzen Kantons neben dem kulturellem Schaffen und erfolgversprechendem Unternehmertum auch besonderes soziales Engagement von Institutionen, Vereinen oder auch Einzelpersonen. Seit zehn Jahren wird der Sozialpreis begleitet vom Sozialstern, der an Unternehmen vergeben wird, die sich spezifisch für die (Wieder-)Eingliederung von Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung in den Arbeitsmarkt integrieren. Was die Preisvergabe gerade jetzt, wo eine neue Pandemiewelle uns überrollt, noch etwas spezieller machte als in anderen Jahren: «Der gesellschaftliche Zusammenhalt ist eine zentrale Grundlage, um die Krisensituation bewältigen zu können», so Susanne Schaffner.

Mehr als man hätte erwarten dürfen

Für gemeinnützige Organisationen sei es in der aktuellen Lage schwierig, ihre Dienstleistungen aufrechterhalten zu können und Freiwillige zu motivieren. Und für die Unternehmungen erfordere bereits das Aufrechterhalten des ordentlichen Betriebs eine ausserordentliche Anstrengung. In dieser Situation hätten viele ein weit höheres gesellschaftliches Engagement gezeigt, als man das in dieser Krise hätte erwarten dürfen, zeigte sich die Regierungsrätin in ihrer Ansprache beeindruckt. Umso mehr sei dieses Engagement zu anerkennen und wertzuschätzen, so Susanne Schaffner.

Wer unter den Nominierten nun am Schluss das Preisgeld abholte, war denn auch fast etwas zweitrangig, Im Zentrum stand der Dank an alle Firmen, Institutionen und Vereinigungen, die auch in der aktuellen Lage die Energie aufbringen, sich über das übliche Mass hinaus für das Gemeinwohl einzusetzen. Dieses Engagement sei in dieser Zeit der Pandemie wichtiger denn je, so Schaffner.

Zu entscheiden hatte die Regierung letztlich unter fünf Nominationen, die ihr von einer Fachjury aus insgesamt 14 Eingaben unterbreitet worden waren. Der mit 20'000 Franken dotierte Sozialpreis 2021 geht an die Hospizgruppe Solothurn. Der Verein setzt sich seit 2009 für die Begleitung von sterbenden Menschen und trauernden Angehörigen ein. Rund 20 Ehrenamtliche stehen für diese Arbeit heute im Einsatz. Ein spezielles Angebot ist das sonntägliche Trauercafé, wo aus zunächst wohl oft zurückhaltenden Begegnungen schon neue Freundschaften und sogar auch eine neue Liebesbeziehung hervorgingen, wie aus der Laudatio der Jury zu erfahren war.

Zwei Sozialsterne

Das Preisgeld für den Sozialstern, ebenfalls mit 20000 Franken dotiert, wird dieses Jahr auf zwei Unternehmen verteilt: Das Grenchner IT-Unternehmen Adaris GmbH und die Decolletagefirma Brotschi AG in Selzach integrieren seit vielen Jahren erfolgreich Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung in den Arbeitsmarkt. Adaris-Chef Marco Kummer wollte ursprünglich Linienpilot werden. Seine Prüfung legte er just am Tag des Swissair-Groundings ab, sattelte dann um und gründete seine eigene Firma.

Aus ihm sei letztlich doch ein Pilot geworden, der sein Team sicher durch Turbulenzen führt, so Jury-Mitglied Stefan Keller in der Laudatio. Zum Beispiel holte er eine Mitarbeiterin zurück an Bord, als er erfuhr, dass der Grund für deren langzeitige Absenzen und letztlich Kündigung eine soziale Phobie war. In dem in den 1930er-Jahren gegründeten Familienunternehmen Brotschi hat es jahrzehntelange Tradition, auch Mitarbeitende mit einer Beeinträchtigung zu beschäftigen. Es brauche Geduld und Engagement, die Förderung dieser Mitarbeiter mache aber das ganze Team stärker, sagt Patron Norbert Brotschi.

An der diesjährigen öffentlichen Feier zur Verleihung des Sozialpreises wurde auch wieder ein Publikumspreis (dotiert mit 5000 Franken) vergeben. Die Anwesenden gewichteten etwas anders als die Regierung, die meisten Stimmen erhielt der Verein Lysistrada, der sich für die Anliegen von Sexarbeitenden einsetzt.

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