Kinder fördern, damit alle die gleichen Chancen haben, egal, aus welcher sozialen Schicht sie stammen: Das ist einer der Gründe, warum das Kinder- und Jugendzentrum Zuchwil, kurz Kijuzu, am Donerstag den Sozialpreis 2015 des Kantons Solothurn erhalten hat.

Eine Zahl hat die sechs Jury-Mitglieder besonders beeindruckt: 7 Prozent der Kinder mit Migrationshintergrund können kein Deutsch, wenn sie in den Kindergarten in Zuchwil eintreten. Vor fünf Jahren war es noch die Hälfte der Kinder gewesen.

Das Kijuzu leiste eine wertvolle Vorarbeit für die Schule, sagte Laudator und Jury-Mitglied Marc Friedli. Man habe in Zuchwil ein Zentrum, das «weit über die Kantonsgrenze hinweg als Vorzeigeprojekt bekannt» sei. Kinder aller Altersstufen und aus allen sozialen Schichten würden gefördert.

Seit fünf Jahren gibt es das Zentrum. Kinderkrippe, Tageshort, Spielplatz, Mittagstisch, Jugendarbeit , Spielgruppe sowie Gemeindebibliothek und Mütterberatung befinden sich an der Hauptstrasse in Zuchwil unter einem Dach. Dadurch könnten Synergien genutzt «und die Kinder bereits früh auf den Schuleintritt vorbereitet werden», so die Jury. 

«Durch das Zusammenführen all dieser Angebote ist ein wertvolles Kompetenzzentrum entstanden, welches viel mehr zu leisten vermag, als dies die einzelnen Angebote im Alleingang tun könnten.» Für die Anerkennung bedankte sich Kijuzu-Stiftungsratspräsident Stephan Hug. «Das Kijuzu ist zu einem Zentrum für ganz Zuchwil geworden», blickte er erfreut zurück.

«Tradition der Schweiz wahren»

Zum neunten Mal war der Sozialpreis ausgeschrieben worden. 25 Projekte haben sich um die 20 000 Franken Preisgeld bemüht. Letztlich kamen fünf Nominierte in die engere Auswahl. «Die Breite des Wirkens wird in diesem Jahr bei den Nominierten besonders sichtbar», sagte Regierungsrat Peter Gomm, der in der Folge vor allem auf die Flüchtlingsdebatte einging. «Wir sind gut organisiert, aber die Situation ist sehr anspruchsvoll», sagte der Sozialdirektor. «Ich bin überzeugt, dass die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung bereit ist, Flüchtlinge aufzunehmen und die humanitäre Tradition der Schweiz zu bewahren.»

Es kämen Menschen, «die bereits einer Gefährdung an Leib und Leben ausgesetzt waren.» Noch fänden aber zu wenige Flüchtlinge eine Arbeit. «Das kann Anlass zu Neiddiskussionen geben, die unbedingt zu vermeiden sind.» Kantone und Gemeinden müssen deshalb ihre Anstrengungen intensivieren, gerade auch aufgrund des wirtschaftlich schwierigen Umfeldes. Gomm zeigte sich trotzdem zuversichtlich. Dank dem Engagement der Zivilgesellschaft habe man solch schwierige Situationen immer wieder gemeistert. «Warum sollten wir daran zweifeln, dass es nicht auch in der Zukunft gelingt?»