125-Jahr-Jubiläum
Sozialdemokraten feiern im Wahljahr 2015 ihre Geschichte

1890 ist die «Solothurnische Arbeiterpartei (SAP)» gegründet worden. Mit Plakaten, Videos und einem grossen Fest zelebriert die heutige SP ihre Politik von einst – und jetzt.

Elisabeth Seifert
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Das «Grütli»-Plakat erinnert an die Wurzeln der Sozialdemokraten.

Das «Grütli»-Plakat erinnert an die Wurzeln der Sozialdemokraten.

zvg

Dass die Jubiläumsfeierlichkeiten der Sozialdemokraten just auf ein Wahljahr fallen, sei reiner Zufall, hält Parteisekretär Niklaus Wepfer fest. Ein Zufall freilich, der nicht ganz ungelegen kommt. Sich im Rhythmus von 25 Jahren an die eigene Geschichte zu erinnern, hat bei der SP Kanton Solothurn Tradition.

Gefeiert haben die Genossen bereits ihren 75. Geburtstag, wie Historiker Peter Heim aus Quellen weiss. Und Kantonsrätin Susanne Schaffner erinnert sich aus persönlichen Erleben an die 100-Jahr-Feier mit Bundesrat Otto Stich.

Zum grossen öffentlichen Jubiläumsfest am 29. August 2015 in der Solothurner Reithalle werde ebenfalls ein Bundesrat erwartet, sagte Schaffner an einer Pressekonferenz. Ob Alain Berset oder Simonetta Sommaruga – das liess sie offen. Die Präsidentin des Organisationskomitees präsentierte gemeinsam mit Peter Heim sowie Parteipräsidentin Franziska Roth das Jubiläums-Programm.

Mit Plakaten Debatten anregen

Neben dem Festakt in der Hauptstadt, zu dem neben SP-Prominenz auch Vertreter anderer Parteien geladen sind, finden über das Jahr verteilt kleinere Veranstaltungen in allen Kantonsteilen statt. Für die breite Öffentlichkeit sichtbar zelebriert die SP ihr Jubiläum mit einer Plakat-Aktion. Alle drei Wochen werden verteilt im ganzen Kanton Plakate aufgehängt, die an wesentliche Stationen und Persönlichkeiten der Solothurner Sozialdemokratie erinnern.

Begleitet wird die Serie durch den Slogan «Wir stellen die Machtfrage und stellen die Macht in Frage». Damit wolle man einerseits zum Ausdruck bringen, dass die SP einen Teil der Macht einfordere, erläuterte Susanne Schaffner. «Andererseits weisen wir aber auch darauf hin, dass wir jene, welche die Macht innehaben, nicht mit Kritik verschonen, und nicht die eigenen Exekutivmitglieder.»

Das erste Plakat, das ab kommender Woche an 30 Standorten im Kanton zu sehen sein wird, ist den Grütlivereinen gewidmet, die als Vorläufer der sozialdemokratischen Parteien gelten können. Geplant ist bis zum Sommer eine Serie von insgesamt sieben Plakaten. «Wir wollen damit zu politischen Diskussionen anregen», meinte Wepfer. Vertieft werde die Botschaft der Plakate jeweils durch Videos, die über das Internet abrufbar sind. Erarbeitet worden sind die Video-Interviews mit Historikerinnen und Historikern – «und blenden auch kritische Fragen nicht aus», wie Susanne Schaffner betonte.

Gründung der Grütlivereine

Im ersten Video gibt Historiker Peter Heim Einblick in die Wurzeln der SP, die zum einen in den «liberalen Grütlivereinen» und zum anderen in der gewerkschaftlichen Bewegung zu suchen sind. 1850 wurden im Kanton Solothurn – als Teil des Freisinns – die ersten Grütlivereine gegründet, so Peter Heim. Die Grütli-Ideologie ist im Jahr 1838 in Genf entstanden – und beschwor unter Berufung auf das «Rütli» (im 19. Jahrhundert sprach man von «Grütli») die Einheit aller Schweizer; über die Kantonsgrenzen und auch die «Standes»-Grenzen hinweg. Die drei «Stände» bildeten die Bauern, die Handwerker und die Wissenschafter.

Mit der Industrialisierung im Kanton Solothurn schlossen sich immer mehr Industriearbeiter den Grütlivereinen an, die sich auch im sozialen Bereich engagierten. Die Spannungen zwischen dem gewerblichen und dem Arbeiterflügel leiteten dann einen Ablösungsprozess ein, der 1890 in die Gründung der «Solothurnischen Arbeiterpartei» mündete.

Die SP und die Arbeiterbewegung haben sich stets für «bessere Lebensbedingungen eingesetzt», sagte SP-Parteipräsidentin Franziska Roth. In der Vergangenheit zählten dazu etwa Generalstreikforderungen wie die AHV oder die 48-Stunden-Woche und später dann Ergänzungsleistungen für Familien - oder die Prämienverbilligung. Mit der vom Kantonsrat beschlossenen Senkung verkomme diese aber jetzt zur Farce, meinte Roth mit Blick auf die Abstimmung vom 8. März.