Rechtsstreit

«Sorry, Mercedes!»: Das Solothurner Start-up «Asfalt» entschuldigt sich für den E-Bike-Kopie-Vorwurf

So sieht das E-Bike von Asfalt aus. (Archivbild)

So sieht das E-Bike von Asfalt aus. (Archivbild)

Im Oktober moniert das Solothurner Start-up Asfalt in einer Medienmitteilung, dass ihr E-Bike «dreist kopiert» wurden. Nun entschuldigt sich das Unternehmen bei Mercedes für den E-Bike-Kopie-Vorwurf. Was dahinter steckt.

Ein Aufschrei ging durch die Veloszene, als Mercedes Anfang Oktober seine neuen E-Bikes präsentierte. Was Mercedes als Produkt einer Kooperation mit dem australischen Unternehmen N+ Bikes verkaufte, kannten Szene-Kenner von Asfalt. Das Solothurner Start-up gewann mit seinem E-Bike vor rund einem Jahr an der Euro­bike, der weltweit wichtigsten Bike-Ausstellung, mehrere Awards.

«Das ist doch das Asfalt LR, das die Schweizer 2019 vorgestellt haben, nur mit anderen Logos», schreibt ein User auf dem offiziellen Mercedes-Blog. Ein anderer meint: «Das scheint mir fast ein Skandal zu werden.»

Die Asfalt-Gründer reagierten, schrieben in einer Medienmitteilung, dass sie «dreist kopiert» worden seien. Man habe sich gar bei den offiziellen Produktbildern von Asfalt bedient und nachträglich den berühmten Stern des deutschen Autoherstellers reingeflickt.

Ein lohnender Streit – trotz geringer Entschädigung

«Schmückt sich Mercedes mit fremden Rädern?», fragte ein Mercedes-Fan-Blog. Gegenüber der «Solothurner Zeitung» sagte Roger Welti, Kommunikationschef von Mercedes Schweiz, damals, dass man die Sache sehr ernst nehme und überdies erwarte, dass Lizenznehmer, wie in diesem Fall N+, die Rechte Dritter, hier Asfalt, respektierten.

Links sieht man das «neue» E-Bike von Mercedes-Benz EQ, rechts das Asfalt, des gleichnamigen Solothurner Start-ups.

Links sieht man das «neue» E-Bike von Mercedes-Benz EQ, rechts das Asfalt, des gleichnamigen Solothurner Start-ups.

Am Freitagmorgen erreichte uns nun eine Stellungnahme von N+ und Asfalt, unterzeichnet von Asfalt-Mitgründer Michel von Burg. Man habe die Streitigkeiten beigelegt, zu den Details habe man Stillschweigen vereinbart. Zudem entschuldigt sich Asfalt in diesem Schreiben bei Mercedes-Benz: Der deutsche Konzern hätte sich stets korrekt verhalten und sei nicht involviert in diese Geschichte. Man sei sich bewusst, dass ihre vormaligen Statements diesbezüglich «missverständlich» gewesen seien.

Nun ist es kaum so, dass die Asfalt-Gründer durch die aussergerichtliche Einigung mit N+ reich geworden sind. Das Design eines Velos kann man nicht patentieren, das wäre zu aufwendig. Obwohl das Design der Mercedes-E-Bikes von N+ offensichtlich stark an das Asfalt angelehnt ist, hätten die Solothurner auch nach einem jahrelangen Rechtsstreit kaum viel Geld herausholen können. Zudem hätte ein solcher Streit Ressourcen gebunden, die sie derzeit kaum haben.

Anfang 2021 soll das neue Asfalt-E-Bike auf den Markt kommen. In zwei Varianten: Einmal als leichtere Version (um die 14 Kilogramm) mit Nabenmotor, einmal mit Mittelmotor und entsprechend schwerer (rund 19 Kilogramm). Nachdem das Asfalt LR trotz riesiger Nachfrage zu Test- und Entwicklungszwecken nur rund 250 Mal in der Schweiz verkauft wurde, soll der Nachfolger europaweit vertrieben werden. Dank Mercedes- «Skandal» ist Asfalt nun auch ausserhalb der Szene vielen ein Begriff.

Der Autohersteller dagegen hat zwar eine Entschuldigung bekommen, der Imageschaden aber bleibt. Zum einen ist es offensichtlich, dass das australische Unternehmen N+ beim Design in der Schweiz abgekupfert hat, zum andern wird Asfalt nur wenige Monate nach der Lancierung des Mercedes-E-Bikes die zweite Generation auf den Markt bringen. Sie soll besser, stärker und schöner sein.

Gerne hätten wir Mercedes erneut befragt, doch der Konzern will sich nicht zu den jüngsten Entwicklungen äussern.

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