Letzte Planungsschritte
Sonntagsfahrverbot auf dem Weissenstein gilt nicht mehr immer

Bevor die Investoren das Baugesuch für den Kurhaus-Umbau einreichen können, muss der Kanton die Raumplanungsvorschriften am Weissenstein anpassen. Verkehrsfragen müssen noch geklärt werden. Widerstand ist nicht ausgeschlossen.

Lucien Fluri
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Vorstellung des Gestaltungs- und Nutzungsplan Weissenstein
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Urs Luedi, Bernard Staub, Patrick Schatter und Stephan Schrader stellen den Gestaltungs- und Nutzungsplan Weissenstein an einem Infoanlass in Oberdorf vor.
«Die Grundsätze aus dem Jahr 2010 bleiben unverändert bestehen», sagte Bernard Staub.
Es gehe nur um «Feinjustierungen», betonte Patrick Schatter.
Stephan Schrader, Leiter Nutzungsplanung beim Kanton, hat die Änderungen im Wesentlichen erarbeitet.
Tom Umiker, einer der Kurhaus-Besitzer, bekräftigte, dass viele Waren mit der Seilbahn angeliefert werden. All zu viele Lastwagenfahrten sollte es nicht geben.

Vorstellung des Gestaltungs- und Nutzungsplan Weissenstein

Fotomtina

Es tut sich wieder etwas am Solothurner Hausberg. Sechs Monate sind vergangen, seit die neuen Kurhaus-Besitzer ihre Pläne für das Traditionshaus vorgestellt haben (vgl. Text unten). Seither blieb es ruhig – vordergründig. Hinter den Kulissen wurden die Pläne aber vorangetrieben. Nicht nur bei den Investoren.

Auch das kantonale Amt für Raumplanung hat auf die Absichten der Investoren reagiert. Es will nun den kantonalen Nutzungsplan für den Weissenstein anpassen. Denn die dort aktuell geltenden raumplanerischen Vorschriften und die Umbaupläne der Investoren passen nicht in allen Details zusammen.

Sonntagsfahrverbot wird gelockert

Eine Frage drängt sich besonders auf, seit die Investoren bekannt gegeben haben, dass sie einen grossen Glaspavillon für mehrere Hundert Gäste bauen wollen: Wie können 500 Gäste vom Berg runtergebracht werden, wenn die Seilbahn wegen eines technischen Defekts oder bei starkem Wind nicht fährt? Heikel ist dies an Sonn- und Feiertagen, wenn ein Fahrverbot für Autos besteht. «Relativ rasch haben wir gesehen, dass es ein Notfallkonzept braucht», sagt Bernard Staub, Chef des Amtes für Raumplanung.

Dieses haben die Kurhaus-Besitzer ausarbeiten lassen. Auf dessen Basis will nun der Kanton den Nutzungsplan Weissenstein anpassen. Dieser besteht seit 2010. In ihm sind vor der Inbetriebnahme der Seilbahn die wichtigsten Leitplanken zur Nutzung des Berges geregelt worden. – Etwa, wo parkiert werden darf oder wer wann auf den Berg fahren darf.

«Die Grundsätze aus dem Jahr 2010 bleiben unverändert bestehen», sagte Amtschef Staub am Dienstag in Oberdorf an einer Informationsveranstaltung für die Bevölkerung. So gibt es keine zusätzlichen Parkplätze und das Sonntagsfahrverbot gilt weiterhin. Es gehe nur um «Feinjustierungen», betonten Stephan Schrader, Leiter Nutzungsplanung im Raumplanungsamt, und Patrick Schlatter, Gemeindepräsident von Oberdorf.

Folgende Änderungen sind konkret geplant:

  • Wie bisher bleibt die Weissensteinstrasse an Sonn- und Feiertagen von 9 bis 16 Uhr gesperrt. Künftig kann der technische Leiter der Seilbahn das Fahrverbot aber aufheben, wenn die Bahn bei Schlechtwetter oder bei einer technischen Störung bereits seit 30 Minuten still steht und nicht absehbar ist, dass sie in der kommenden Stunde wieder los fahren kann.
  • Hotelgäste, die am Samstag auf den Berg kommen und übernachten, dürfen neu sonntags talwärts fahren.
  • Der Parkplatz unterhalb des Kurhauses erhält eine Barriere und Plätze für Kleinbusse. Dafür muss die Fläche leicht vergrössert werden. Die maximale Anzahl Parkplätze bleibt aber gleich.
  • Bei der Wintersperre kann die Kantonspolizei künftig Ausnahmebewilligungen für Angestellte der Gastwirtschaftsbetriebe oder für deren Güter- und Personentransporte erteilen. Während der Schlittelzeiten ist dies nicht erlaubt. «In einem guten Winter kommt kein Lastwagen den Berg rauf», beruhigte Tourismusdirektor Jürgen Hofer die Befürchtung aus dem Publikum, zu viele Lastwagenfahrten könnten die Schlittelpiste kaputt machen.
  • Es wird eine Begleitgruppe geben.
  • Heute parkieren während Grossanlässen wie dem Schwingfest Autos auf Landwirtschaftsland. Das entspricht nicht den Vorgaben des Nutzungsplanes, kann rechtlich aber kaum verhindert werden. Künftig soll nun Rechtssicherheit für die Organisatoren solcher Anlässe bestehen. So soll die Gemeinde bei Grossanlässen die Bewilligung erteilen können, dass Autos auf dem Berg parkiert werden dürfen.

Knackpunkt Ausnahmebewilligungen

Bereits jetzt ist ein potentieller Konfliktherd bekannt: Dem VCS sind die Ausnahmebewilligungen ein Dorn im Auge, die das Parkieren auf dem Berg bei Grossanlässen erlauben. Gemeindepräsident Patrick Schlatter versicherte zwar, dass man Grossanlässen im Kurhaus diese Bewilligung nicht geben wolle. Es gehe rein um Anlässe wie das Schwingfest oder das Uhuru-Festival. Doch auf die Beteuerungen allein will sich der VCS nicht verlassen.

«Die Gemeinde erhält einen Blankocheck», sagt auf Anfrage Heinz Flück, Co-Präsident des VCS Solothurn. Flück fordert, dass die Zahl der Grossanlässe, für die eine Ausnahmebewilligung vergeben wird, im Nutzungsplan verbindlich beschränkt wird. Vorerst wird der VCS sein Anliegen in der Vernehmlassung geltend machen. «Auch wir sind froh, wenn wir keine Einsprache machen müssen», sagt Flück vieldeutig.

Bis zum 10. Oktober können nun Einwände zu den vorgestellten Änderungen an das Amt für Raumplanung gerichtet werden. Dieses wertet die Eingaben aus. Vom 24. Oktober bis zum 23. November liegen der angepasste Nutzungsplan Weissenstein und der Gestaltungsplan Kurhaus öffentlich auf. Gibt es keine Einsprachen, könnte dann im Frühling 2017 das Baugesuch für das Kurhaus folgen.

Das sind die Pläne der Kurhausbesitzer

Als die neuen Kurhausbesitzer im März an die Öffentlichkeit traten, war schnell klar: Sie haben grosse Pläne für das Kurhaus.

- Augenfälligster Punkt in den Bauplänen ist ein moderner, gläserner Kubus, der im Osten des Hauses gebaut werden soll. In ihm wird nicht nur ein neues Selbstbedienungsrestaurant sein, sondern auch Platz für 500 bis 800 Personen. Damit der neue Kubus gebaut werden kann, muss der heutige Anbau am Osttrakt abgerissen werden.

- Vor dem Kurhaus ist ein 1500 Quadratmeter grosser Spielplatz auf drei Geländeebenen vorgesehen. Der Juragarten bleibt bestehen.

- Künftig wird das Haus 51 Hotelzimmer – derzeit sind es gut 20 – anbieten. Möglich wird der Ausbau durch die Sanierung des maroden, heute brachliegenden Ostflügels.

Hinter den Plänen steckt eine vierköpfige Investorengruppe. Zu ihr gehören das Davoser Hotelierpaar Tom und Arabelle Umiker, der Bauunternehmer Urs Hoffmann und der Berner Oberländer Touristiker Hansueli Schläppi. Umikers werden das Haus führen.

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