Weissenstein-Tunnel
Solothurnisch/bernischer Schulterschluss gegen die Arroganz

Die Kantone Bern und Solothurn zweifeln an den 170 Millionen Franken, die die Sanierung des Weissenstein-Tunnels kosten soll, und geben eine Untersuchung in Auftrag. Ein Kommentar

Urs Mathys
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Drei Minuten dauert die Durchfahrt des Weissensteintunnels. Dann streckt der Zug seinen Schnabel aus dem Südportal in Oberdorf.

Drei Minuten dauert die Durchfahrt des Weissensteintunnels. Dann streckt der Zug seinen Schnabel aus dem Südportal in Oberdorf.

Hanspeter Bärtschi

Was haben der Bund und das Bahnunternehmen BLS mit der Bahnlinie Solothurn–Moutier vor? Diese Frage beschäftigt nicht nur die Bevölkerung im Einzugsgebiet, sondern auch Entscheidungsträger auf allen Ebenen. In den eidgenössischen Räten haben Solothurner Parlamentarier entsprechende Vorstösse eingereicht, und im Raum Moutier solidarisieren sich die Gemeinden mit ihrer direkten öV-Verbindung ins Mittelland.

Höchste Zeit, dass sich mit Baudirektor Roland Fürst und seiner bernischen Amtskollegin Barbara Egger nun auch die direkt betroffenen Kantone Solothurn und Bern kurzschliessen. Dieser Schulterschluss macht Sinn gegenüber von Bundesbehörden und einer BLS, die sich gegenüber der Region bislang zugeknöpft – um nicht zu sagen arrogant – gezeigt haben. Davon zeugt etwa, dass ein mit den Kantonsbehörden angesetzter Ortstermin – samt Augenschein im sanierungsbedürftigen Weissenstein-Tunnel – von den BLS-Verantwortlichen ohne Angabe triftiger Gründe wieder abgesagt worden ist.

Ein solches Verhalten wirft Fragen auf. Erst recht die, ob die von der BLS genannten Kosten für die Tunnelsanierung tatsächlich 170 Mio. Franken betragen würden. Angesichts früherer (viel tieferer) Summen und verglichen mit dem Aufwand für andere Tunnelsanierungen erscheint der Betrag astronomisch hoch. Kein Wunder, dass die zwei Kantone dieser Schätzung nicht trauen und deshalb ein eigenes Gutachten in Auftrag geben wollen. Aber auch das Argument des zu tiefen Kostendeckungsgrades der Linie (aktuell laut Bund 22 Prozent) lässt Fürst nicht gelten: Er ruft in Erinnerung, dass dieser zu Zeiten des alten Weissenstein-Sessellifts noch über 30 Prozent betragen hatte. Mit dem Regierungsrat wagen wir die Wette, dass es nach der Inbetriebnahme der neuen Gondelbahn auch mit der Moutier-Linie als Zubringer wieder aufwärtsgehen wird.