Auf einen Kaffee mit...
Solothurnerin setzt sich für den kulturellen Austausch zwischen den Sprachregionen ein

Auf einen Kaffee mit... der gebürtigen Subingerin Eliane Troxler, die sich für den interkulturellen Zusammenhalt in der Schweiz engagiert.

Jacqueline Schreier
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Zur Verfügung gestellt

Nach anfänglichen technischen Schwierigkeiten winkt Eliane Troxler per Videochat aus ihrem charmanten holzvertäfelten Studentenzimmer in St. Gallen. Hier lebt, studiert und arbeitet die gebürtige Subingerin − zumindest die meiste Zeit. Letztes Semester, das letzte ihres Bachelorstudiums in Betriebswirtschaftslehre, absolvierte Troxler im Tessin. Als Botschafterin des «Univers Suisse» Bildungsprogramms setzte sie sich dabei für den kulturellen Austausch zwischen den verschiedenen Sprachregionen der Schweiz ein. Jedes Jahr vergibt die Schweizerische Studienstiftung von der Sophie und Karl Binding-Stiftung finanzierte Stipendien an junge Studierende, die ein Semester in einer anderen Sprachregion der Schweiz absolvieren. Troxler gehörte letztes Jahr zu den neun ausgewählten Studierenden.

Die Vorliebe für andere Sprachen und Kulturen entdeckte Troxler während ihrer Zeit an der Kantonsschule Solothurn. Als sie sich auf das französische Sprachdiplom vorbereitet hat, merkte sie, wie sehr ihr das Sprache lernen Freude macht. Aus diesem Grund und mit dem Blick auf das kommende Studium gerichtet, entschied sich Troxler nach ihrem Abschluss ein Zwischenjahr einzulegen und die Zeit zu nutzen, um ihr Französisch zu verbessern und Italienisch zu lernen. In diesem Jahr arbeitete sie auf verschiedenen Bauernhöfen in der Westschweiz und in Frankreich sowie als Au-pair und Küchenhilfe in Italien. Mit diesen ersten Sprachkenntnissen des Italienischen gewappnet nahm Troxler ihr Austauschsemester in Lugano in Angriff. «Ich dachte eigentlich, ich kann Italienisch. In der Zwischenzeit habe ich aber Spanisch gelernt und aufgrund der Ähnlichkeit der beiden Sprachen habe ich dann im Tessin zuerst nur Spanisch gesprochen», erzählt Troxler lachend von ihren Anfangsschwierigkeiten.

Eine erste Hürde stellte die Anmeldung am neuen Wohnort dar. Die Verwaltungsangestellte konnte weder Deutsch noch Englisch, mit ihrem gebrochenen Französisch konnte sie sich knapp verständigen. Im Tessin nichts Seltenes, erklärt Troxler. «Doch mit der Zeit fiel das Italienisch immer leichter.» Dabei seien es vor allem die kleinen Erfolgserlebnisse, die sie motivierten: als sie imstande war alleine Besorgungen zu machen, ein Gespräch zu führen oder dem Uniunterricht zu folgen. «Diese Erfolgsmomente sind so wichtig, denn sie machen Freude am Sprache lernen», ist Troxler überzeugt.

Troxler liegt neben dem sprachlichen auch der kulturelle Austausch am Herzen. Deswegen hat sie sich bis vor Kurzem als Guide bei «Guides en Route» engagiert und sich so für den interkulturellen und interreligiösen Dialog in der Schweiz eingesetzt. Sie bot interessierten Schulklassen die Möglichkeit, in St. Gallen einen Treffpunkt für Flüchtlinge und eine Moschee zu besuchen. «Das Ziel war dabei, dass die Schüler die verschiedenen Kulturen und Religionen, die wir in der Schweiz haben, kennen lernen», erklärt Troxler. Mit der Gelegenheit sich mit den Flüchtlingen und Andersgläubigen auszutauschen und ihnen Fragen zu stellen, sollten den Jugendlichen die jeweiligen Kulturen nähergebracht werden.

Die Frage nach der Identität der Schweizer

Als Stipendiatin und Botschafterin des «Univers Suisse» Programms engagierte sich Troxler für die sprachliche und kulturelle Vielfalt der Schweiz. Es ist Teil des Bildungsprogramms, dass sich die Teilnehmenden für die Kohäsion zwischen den Sprachregionen einsetzten. Während andere Studierende beispielsweise ein Sprachtandem organisierten oder Führungen an der Uni anboten, schrieb Troxler während ihrem Austauschsemester einen Blog. Darin geht sie der Frage nach: Was bedeutet es, Schweizer zu sein? «Auf meinen Reisen vor dem Studium habe ich auf die Frage, woher ich komme immer ganz klar gesagt ich sei Schweizerin. Irgendwann habe ich mich aber gefragt, was das eigentlich genau bedeutet», sagt Troxler über die Beweggründen ihres Projektes.

Dafür hat sie zahlreiche, unterschiedliche Personen interviewt und ihnen unter anderem genau diese Frage gestellt. Professoren, Historiker, Philosophen, Politiker, Flüchtlinge. Alle hätten eine andere Antwort gegeben. Für die einen bedeutet Schweizer zu sein ein Gefühl, für andere den Schweizer Pass zu haben. «Ein Uniprofessor hat auf die Frage geantwortet: Nichts. Ich habe mir aber gedacht, das kann es nicht sein», so Troxler. Die diversen Antworten und Gespräche hat sie in ihrem Blog #esseresvizzero veröffentlicht. Doch nach diesem Semester, der intensiven Auseinandersetzung mit dieser Frage und der «Reise durch die Kultur der Schweiz», wie es im Blog heisst, ist Troxler nicht viel schlauer als vorher. «Ich habe gemerkt, dass es keine eindeutige Antwort darauf gibt.»

Im Herbst wird Troxler ihren Master in Management, Organisation und Kultur an der Hochschule St. Gallen (HSG) beginnen. In der Zwischenzeit arbeitet sie und vertreibt sich die Zeit mit Russisch lernen. Die Freude daran, verschiedene Sprachen zu lernen und neue Kulturen kennen zu lernen, bleibt also.