Rostov-on-Don
Solothurner WM-Helfer darf Spiele aus der 1.Reihe schauen: «Bei Brasilien-Schweiz war es schlicht Gänsehaut»

Leonardo Baschung ist als Volunteer an der WM in Rostov-on-Don tätig. Hier berichtet der 22-jährige Derendinger von seiner Ankunft und den ersten Einsätzen. Das Spiel Schweiz-Brasilien verfolgte er aus der 1. Reihe.

Leonardo Baschung
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Leonardo Baschung vor dem Stadion in Rostov-On-Don
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Der Solothurner ist einer der FIFA Volunteers.
Seine Aufgabe ist es als einer von vielen, die Sponsoren zu schützen.
Leonardo Baschung in Rostov-on-Don: Teil 1

Leonardo Baschung vor dem Stadion in Rostov-On-Don

zvg

Ich habe die ersten ereignisreichen Tage in der südrussischen Metropole Rostov-On-Don hinter mir. Bereits bei der Landung (weit ausserhalb vom Stadtzentrum) habe ich gemerkt, dass die Temperaturen regelmässig über 25 Grad sein werden. So versuchte ich nun einen Stadttransfer zu organisieren, dies war nicht mal so einfach. Denn es gibt viele ‚inoffizielle Taxis’, welche bei der Ankunft an der Destination mehr Geld als abgemacht verlangen.

Das Glück wollte nun, dass mich ein Einheimischer, sehr freundlicher junger Mann mit russischem Akzent, ansprach. Er lud mich ein, in den kostenlosen Airport-City Transfer zu steigen (Minibus), um zur Jugendherberge zu gelangen. Kopfnickend stieg ich ein. Die Fahrt dauerte eine Stunde – wir kamen am Bahnhof von Rostov an.

Die Unterkunft der FIFA Volunteers befindet sich leicht ausserhalb des Stadtzentrums, nämlich am Campus der ‚Southern Federal University’. Ich teile mein Zimmer mit drei Jungs: zwei Mexikaner, ein Ägypter. Am Introduction Day (Samstag) trafen wir uns das erste Mal im ‚brand protection Volunteers Team’. Unsere Aufgabe besteht darin, die Sponsoren der FIFA letztendlich zu schützen. Wir müssen ‚Ambush Marketing’ verhindern. Ambush Marketing sieht die Werbung vor, ohne die Lizenzrechte zu bezahlen. Am Spieltag der Schweizer Nati lag der Fokus also auf dem Ausmachen von möglichen verbotenen Werbeabsichten.

Wir positionieren uns dafür jeweils 4h vor Kick-off (Anpfiff) rund 300m von den Stadiongates entfernt. Zu jeder vollen Stunde nähern wir uns 100m dem Gate, sodass wir in der letzten Stunde bei den Gates die letzten Massnahmen treffen können. Dabei werden zB grosse Schriftzüge auf Fahnen abgetaped oder auch inoffizielle Stände vor dem Stadion ‚abgebrotzt’. Eine Schwierigkeit liegt darin, dass es Menschengruppen gibt, welche durch Nebeneinandersitzen einen Schriftzug ausmachen, weil jeder einzelne einen grossen Buchstaben auf dem T Shirt trägt. Für uns ist dies am Gate schwer zu erkennen. Aus diesem Grund würde unsere Chefin der Media Abteilung anrufen und ihr sagen, dass die TV-Kameras diese Gruppen nicht filmen sollten.

Zehn Minuten vor Spielbeginn treffen wir uns dann in den Katakomben, um dem Arbeitseinsatz rasch zu kommentieren, bevor wir dann die Tickets ‚for free’ in der ersten Reihe bekommen. Bei Brasilien-Schweiz war es schlicht Gänsehaut.