Umfrage
Solothurner Wirtschaft in den Grundfesten erschüttert – aber es gibt Hoffnung

Die Solothurner Wirtschaft brach unter Corona ein. Eine Umfrage der Handelskammer zeigt, wen es wie hart trifft. Und, dass es Hoffnung gibt.

Sébastian Lavoyer
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Zu den grössten Verlierern der Coronakrise zählt die Gastronomie. Aber auch in dieser Branche gab es nicht nur Verluste.

Zu den grössten Verlierern der Coronakrise zählt die Gastronomie. Aber auch in dieser Branche gab es nicht nur Verluste.

Keystone

Was für ein Jahr, dieses 2020. Erst das Coronavirus, dann der Lockdown und die langsame, schrittweise Wiederbelebung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens – bisher nie gesehene Verwerfungen prägen die ersten Monate des Jahres. Aber haben Sie sich jemals gefragt, was für eine Note Sie diesem Jahr geben würden? Haben Sie gelitten? Oder haben Sie die Auszeit gar genossen oder in irgendeiner Form profitieren können von der Krise?

Solche und ähnliche Fragen haben die Solothurner Handelskammer und der Solothurner Gewerbeverband ihren Mitgliedern Mitte August gestellt. Die Antworten waren vielerorts ernüchternd (siehe Grafik unten). Im Durchschnitt schätzen die Unternehmen den Geschäftsgang als ungenügend (Notenschnitt 3,8). Aber bei genauerer Betrachtung zeigen sich grosse Unterschiede. Insbesondere die Gastronomie (Durchschnitt von 2,2) und das Papier- und Druckgewerbe (2,8) scheren gegen unten aus. Am anderen Ende der Skala finden sich zum Beispiel Energieversorger (4,9), Banken und Versicherungen (4,6) oder die Chemie- und Pharmabranche (4,5).

Grafik: Ungenügender Geschäftsgang im ersten Halbjahr - grosse Unterschiede bei Branchen

Grafik: Ungenügender Geschäftsgang im ersten Halbjahr - grosse Unterschiede bei Branchen

Solothurner Handelskammer/Kantonal-Solothurnischer Handelsverband, Grafik: stb

Diese Einschätzungen korrelieren stark mit anderen Angaben wie zum Beispiel dem erwarteten Umsatzrückgang für das ganze Jahr. Gastrobetriebe etwa prognostizieren – wenig überraschend – die grössten Einbrüche. Durchschnittlich gehen sie von einem Rückgang des Umsatzes von einem Drittel aus. Ähnlich düster die Zukunftseinschätzungen der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie oder der Uhrenbranche. Auch hier rechnen die Unternehmen mit Einbussen von durchschnittlich zwischen rund 20 und 27 Prozent. Dagegen erwarten Banken und Versicherungen als einzige kleine Zuwächse (durchschnittlich ein Prozent).

Im Schnitt rechnen die mehr als 600 an der Umfrage beteiligten Unternehmen mit einem Umsatz-Minus von neun Prozent. «Das Coronavirus hat die Solothurner Wirtschaft in ihren Grundfesten erschüttert», fasst Daniel Probst, Direktor der Solothurner Handelskammer, zusammen.

Grafik: Beeinträchtigung der Unternehmen durch verschiedene Herausforderungen.

Grafik: Beeinträchtigung der Unternehmen durch verschiedene Herausforderungen.

Solothurner Handelskammer/Kantonal-Solothurnischer Handelsverband, Grafik: stb

Selbst bei den gebeutelten Gastronomen gibt es Gewinner

Wir haben bei den grossen Verlierern und den mutmasslichen Gewinnern nachgefragt.

«Es lief nicht überall schlecht», sagt Benvenuto Savoldelli von Gastro Solothurn, dem kantonalen Verband der Gastronomen. Er präzisiert: «Viele Restaurants mit Gartenwirtschaft und Betriebe in den Städten mit Aussenplätzen machten in den letzten Monaten sehr gute Umsätze.» Betriebe wie das Restaurant Alp in Oberbuchsiten oder der Löwen in Messen, so hört man, schrieben schon fast wieder Zahlen wie vor Corona. Selbst in der am härtesten gebeutelten Branche gibt es also Betriebe, die nach dem Lockdown schnell wieder in Schwung kamen.

Natürlich sind das eher Einzelfälle. Wer vor allem drinnen bewirtschaftet, bekundet weit mehr Mühe. Auch Gas­tronomiebetriebe mit angeschlossenem Hotel, gerade jene in den Städten, hätten weit mehr Mühe, so Savoldelli. Die Krone in Solothurn zum Beispiel. Oder das Astoria in Olten. «Seminare, Schulungen, zweitägige Kongresse – das fällt derzeit alles weg. Dann läuft automatisch auch im Restaurant weniger», sagt der Mann vom Gastro-Verband. Bei gewissen Betrieben sei der Umsatz um 75 Prozent eingebrochen. Und dann sind da natürlich noch die Clubs. «Für sie ist es richtig schlimm», sagt Savoldelli. Wer geöffnet hat, riskiert schlechte Presse. Zudem würden viele Arbeitgeber ihre Angestellten anhalten, Clubbesuche zu unterlassen.

Alles in allem hat Savoldelli jedoch den Eindruck, dass viele Betriebe in der Krise relativ gut gearbeitet hätten. Aber er warnt: «Der Hammer wird kommen, wenn man nicht mehr draussen sitzen darf. Wenn dann noch die Fallzahlen hochgehen sollten, wird es unangenehm.»

Coronakredite? «Ohne grossen Einfluss auf das Geschäft»

Am anderen Ende der Skala präsentieren sich Banken und Versicherungen. «Wir sind von der Krise bisher verschont geblieben, aber wir sind sicher keine Profiteure», sagt Thomas Vogt, Präsident der Vereinigung Solothurner Banken. Corona habe sich bei den Geldinstituten noch nicht auf die Bücher ausgewirkt. Aber das könnte noch kommen. «Wenn Banken von einer solchen Krise betroffen sind, dann fast immer im Nachhinein», sagt Vogt. Wenn es zu Wertberichtigungen kommt, weil Firmenkunden nicht mehr zahlungsfähig sind. Sollte sich also die Industrie nicht erholen, dann leiden auch die Banken.

Zudem hält er fest, dass die Umfrage nicht wirklich auf das Bankengeschäft ausgelegt sei, sondern auf die Industrie. Der Umsatz beispielsweise sei bei einer Bank wenig aussagekräftig.

Aber haben all die Coronakredite, die in den letzten Monaten vergeben wurden, das Geschäft nicht angekurbelt? Vogt: «Die Kredite haben keinen grossen Einfluss. Bei uns, der Spar- und Leihkasse Bucheggberg, machen sie bloss 0,7 Prozent der Bilanzsumme aus.» Diese Zahl könne bei anderen Instituten höher sein, aber auch dort hielte sich der Einfluss auf das Geschäft in Grenzen.

Wichtig sei dagegen die Entwicklung der Börse. «Wir sind wieder auf dem Niveau von vor der Krise», sagt Vogt. Die rasche Erholung der Wertpapiermärkte hat das Kommissions- und Handelsgeschäft gestützt und ist ein wichtiges Geschäftsfeld für viele Banken.

Kurzarbeit: Die Brücke über ein tiefes konjunkturelles Tal

Die Einschätzungen der Unterneh- mer fallen düster aus. Aber Handelskammerdirektor Probst sagt auch: «Das Schlimmste scheint überstanden, die Talsohle durchschritten.» Diese Aussage wird von den Umfrageergebnissen gestützt. Die Zeichen stehen also auf Besserung. Auch dank dem raschen und entschlossenen Intervenieren der Politik. Christian Hunziker, der die Umfrage ausgewertet hat, sagt: «Die Kurzarbeit ist das mit Abstand wichtigste Instrument. Sie war wie eine Brücke über ein tiefes konjunkturelles Tal.»

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