Lunik oder Patent Ochsner. So genau weiss Chrigu Stuber nicht mehr, welches sein erstes Konzert in der Mühle Hunziken war. Das musste 2004 oder 2005 gewesen sein. Danach folgten weitere Besuche. «Das war immer schon ein besonderer Ort für mich», so der 34-Jährige, der das Lokal als halb Museum, halb Konzertsaal beschreibt. «Das verschmilzt, wenn die Band auf der Bühne steht.»

Die Freude und auch Bewunderung schwingen mit, wenn Stuber von seinem neuen Arbeitsplatz erzählt und den Gästen das Lokal zeigt. Seit Anfang April ist er im «Haus mit viel Charme» tätig. Gerade misst er die Wassertemperatur im neuen Teich nochmals: «13 Grad, die Fische können kommen und sich einleben.»

Stuber ist schon einige Wochen hier, konnte den Betrieb schon von innen kennen lernen. Bis im Sommer ist der ehemalige Booker der «Kulturfabrik Kofmehl» – von 2009 bis 2015 verantwortete er dort das Programm – noch Stellvertretender Geschäftsführer, dann übernimmt er die Leitung von Christoph Fankhauser, welcher der Mühle noch ein Jahr erhalten bleibt und dann in Pension geht.

Die Anfrage für den Job kam für ihn sehr überraschend. Er war auf 16-monatiger Weltreise mit seiner Freundin. Stuber erinnert sich: «Wir waren gerade irgendwo in den Anden zwischen Argentinien und Chile und hatten sehr schlechten Handyempfang. Es hat geschneit. Das erste Gespräch mit Thomas Bähler, dem Verwaltungsratspräsidenten der Mühle Hunziken, wurde etwa sechs Mal unterbrochen. Wir haben uns fast nicht verstanden.» Er habe ein paar Nächte darüber schlafen müssen. «Ich kam zum Schluss, dass ich diese Chance packen will.»

Chrigu Stuber war von 2009 bis 2015 Programmleiter der Kulturfabrik Kofmehl.

    

500 Jahre altes Gemäuer

Chrigu Stuber kennt die bewegte Geschichte der Mühle. «Die Grundmauern gehören zu den ältesten in der Region. Sie wurden 1480 zum ersten Mal erwähnt», erzählt er. Peter Burkhart produzierte hier Futter-Mehl und hatte im anliegenden Stall auch Schweine – zu Spitzenzeiten bis zu 650 Stück. Er wurde zu seinem besten Kunden. Doch dann liefen ihm die Grossproduzenten den Rang ab. «Bevor Pesche Konkurs anmelden musste, veranstaltete er ein Fest», so Stuber. Dadurch sei er erst auf die Idee gekommen, ein Lokal aus der Mühle zu machen und regelmässig einen Anlass zu organisieren. Burkhart gründete 1976 die Mühle Hunziken und schuf mit der Zeit ein Kult-Lokal. Heute sind überall Kunststoff-Figuren, alte Flipperkästen, ausgestopfte Tiere, Grammophon-Trichter und unzählige Fotos und Bilder aus seiner Zeit zu betrachten. «Fast jeden Tag entdeckte ich etwas Neues», sagt Chrigu Stuber.

«Mühli-Pesche» ist weitherum gereist, um ein Sammelsurium an Objekten zu ersteigern und sich einen riesigen Fundus anzulegen. Was nicht im oder rund ums Lokal Platz fand, landete im Keller. An der Ausstattung wird nur wenig verändert. Der Geist des «Mühli-Pesche» soll bewahrt werden – auch wenn er seit 2011 nicht mehr im Haus wirkte, es 2014 verkaufte und kurz darauf verstarb. Im Gegensatz zu früher werden keine Heimfahrt-Gelegenheiten mehr organisiert. Oder es werden auch keine Ticket-Reservationen via Telefon mehr angenommen. «Wir sagen aber immer noch jedes Konzert an, genau wie ‹Mühli-Pesche›», so der Solothurner.

«Viel persönlicher»

Gastgeber zu sein gefällt Chrigu Stuber. Das fehlte ihm in seinem letzten Job bei der Konzertagentur Good News teilweise etwas. «Dort war es oft so, dass wir bei grossen Shows nur mit dem Buchhalter zu tun hatten und nicht mit der Band. Auf Clubebene ist man viel mehr Gastgeber. Von der Begrüssung über die Abrechnung bis zum Verabschieden hat man immer direkt mit der Band zu tun. Das ist viel persönlicher.» Überhaupt werde die Gastfreundschaft im ganzen Team grossgeschrieben. Die bis zu 500 Gäste können sich an mehreren Bars mit Getränken und auch Essen versorgen. Sitzgelegenheiten gibt es auf allen Stöcken genug. Einige werden gleich zu Beginn besetzt. «Viele stehen schon eine Stunde vorher an, damit sie ihren Lieblingsplatz schnappen können», so Stuber.

In der Mühle Hunziken gibt es für den 34-Jährigen keinen Grund «alles auf den Kopf zu stellen». «Es läuft sehr gut. Rund jedes vierte Konzert ist ausverkauft. Über 300 Besucher zählt die Mühle im Schnitt bei über 100 Konzerten pro Jahr.» Im grossen und ganzen brauche es keine Änderungen, was das Programm anbelangt. Viele internationale Künstler würden Jahr für Jahr mit Freude in die Mühle zurückkehren. «Sie wollen hier spielen, wenn sie in der Schweiz auf Tour sind. Sie haben sich ins Haus verliebt», meint Stuber. Die Atmosphäre stimme einfach.

Der Betrieb läuft rund, die Bands und Gäste kommen gerne. Am Programm wird es dennoch leichte Änderungen geben. Zwei bis drei neue Sachen pro Monat möchte der neue Verantwortliche ausprobieren. «Und damit meine ich keine Party für 16-Jährige», lacht Chrigu Stuber. Schon im Segment der 30-Jährigen könne sich die «Mühli» öffnen. Mehr Indie-Rock, mehr Comedy, eine Filmvorführung: Ideen hat er viele.

Missen möchte der Vielseitige die vier Jahre bei Good News, in denen er rund 450 Konzerte in allen Ecken der Schweiz buchte, nicht. «Es war schön, das einmal zu erleben.» Er habe viele Leute und Lokalitäten kennen gelernt. «Das war total spannend.» Die Zusammenarbeit wird in einer anderen Form weiter gehen: Stuber bucht ausserhalb der Mühle Hunziken Bands für die Agentur. Auch das Programm fürs Openair Etziken wird er weiterhin zusammenstellen. Und dem Organisationskomitee des Streetfood Solothurn bleibt er als Präsident erhalten.