Die Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern ist Teil der kantonalen Standortstrategie und des Legislaturplans er Regierung. Zu diesem Zweck ruft die Wirtschaftsförderung zusammen mit der Handelskammer, dem Gewerbeverband und dem Verein Kindertagesstätten die «Aktion familienfreundliche Arbeitgeber» ins Leben. Die Unternehmen sollen (noch stärker) für das Thema sensibilisiert und motiviert werden, ihren Angestellten etwa Unterstützung bei der familienexternen Kinderbetreuung und flexible Arbeitszeitmodelle anzubieten.

Ein familienfreundliches Arbeitsumfeld helfe den Fachkräftemangel abzufedern und die Wirtschaft profitiere von zufriedenen, motivierten Mitarbeitern, sagte Volkswirtschaftsdirektorin Brigit Wyss anlässlich der Präsentation der Aktion, die am Donnerstag mit der Unterzeichnung einer Absichtserklärung der involvierten Partner lanciert wurde. «Die breit abgestützte Trägerschaft mit einer Vertretung der Wirtschaftsverbände sorgt dafür, dass die Aktion familienfreundliche Arbeitgeber bedürfnisorientiert und unternehmensfreundlich ausgestaltet wird», heisst es darin.

Marlies Murbach, Regierungsrätin Brigit Wyss, Andreas Gasche und Daniel Probst (v.l.) unterzeichnen die Absichtserklärung zur gemeinsamen Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Marlies Murbach, Regierungsrätin Brigit Wyss, Andreas Gasche und Daniel Probst (v.l.) unterzeichnen die Absichtserklärung zur gemeinsamen Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Sie sei überzeugt, dass vom international tätigen Konzern bis zum kleinsten Gewerbebetrieb jedes Unternehmen Massnahmen für eine bessre Vereinbarkeit von Familie und Beruf umsetzen kann, meint Sarah Koch, Leiterin der Wirtschaftsförderung. Eine Meinung, die Andreas Gasche, Geschäftsführer des Gewerbeverbands teilt. Auch im Gewerbe herrsche akuter Fachkräftemangel. Es sei wichtig, den Betrieben keine Zwangslösungen zu verordnen, sie aber zu familienfreundlichen Modellen zu animieren, damit insbesondere auch Frauen dem Gewerbe als Fachkräfte erhalten bleiben, die erfreulicherweise zunehmend handwerkliche Berufe ergreifen.

Plattform für Unternehmen

Genau das ist das Ziel der Aktion. Ihr Herzstück ist die Online-Plattform ffag.so.ch. Dort finden Arbeitgeber einerseits Informationen, Tipps und «Good Practice»-Beispiele zu den Möglichkeiten, die Vereinbarkeit von Familien- und Berufsleben zu fördern. Anderseits können sich Unternehmen auf der Plattform präsentieren und darstellen, welche Massnahmen bei ihnen umgesetzt sind. So sollen sowohl der Austausch zum Thema gefördert wie den Unternehmen eine Plattform geboten werden, sich mit seinen familienfreundlichen Arbeitsmodellen dem Arbeitsmarkt zu präsentieren. «Die geeigneten Fackkräfte zu finden und zu halten gehört heute zu den grössten Herausforderungen für die Unternehmen. Wer sich als familienfreundlicher Arbeitgeber positionieren kann, hat einen Vorteil im Rekrutierungswettbewerb», sagt dazu Daniel Probst, der Direktor der Solothurner Handelskammer. Von einer «sehr wertvollen Aktion» spricht auch Marlies Murbach, die Präsidentin des Vereins Kindertagesstätten Kanton Solothurn.

Zu den Unternehmen, die bereits auf der Online-Plattform präsent sind, gehört Stahl Gerlafingen, in deren Räumlichkeiten die Aktion präsentiert wurde. Ein Stahlwerk stellt man sich vielleicht nicht gerade als typischen Ort für die Förderung familienverträglicher Arbeitsmodelle vor. Aber man gehöre ja zum Familienkonzern Beltrame und es sei schliesslich allgemein bekannt, dass die Familie bei den Italienern einen besonders hohen Stellenwert hat, sagt Country Manager René Bollier scherzhaft. Aber es ist ihm durchaus auch ernst. Stahl Gerlafingen bietet zum Beispiel eine Verlängerung des gesetzlich vorgeschriebenen Mutterschaftsurlaubs um 10 Tage und die Möglichkeit, den Mutterschaftsurlaub weiter unbezahlt zu verlängern sowie eine Verlängerung des gesetzlich vorgeschriebenen bezahlten Vaterschaftsurlaubs um 5 Tage. Naturgemäss nicht die Stahlarbeiter, aber Büropersonal kann auch im Home Office arbeiten. Was hingegen die Arbeiter an der Stahlfront durchaus schätzen würden, sei der Vierschichtbetrieb, so Bollier. Mitarbeitende in Schichtarbeit würden von einer hohen Work-Life-Balance sprechen, Freizeit tagsüber könne von jungen Vätern als Familienzeit genutzt werden, Doppelverdiener-Paare könnten dabei auch Kita-Kosten sparen.

Die Umsetzung der Online-Plattform obliegt der kantonalen Wirtschaftsförderung und der Handelskammer. Zu der Aktion gehört auch ein Beratungsangebot der Fachstelle UND für Solothurner Unternehmen zu günstigen Konditionen. Die in Zürich domizilierte Fachstelle UND gilt als führendes Kompetenzzentrum für die Umsetzung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Sie bietet im Rahmen der «Aktion familienfreundliche Arbeitgeber» unternehmensspezifische Beratungen von Geschäftsleitungen und Leitung Personalabteilungen allgemein zum Thema oder zu spezifischen Aspekten unter Berücksichtigung der Ausgangslage des jeweiligen Unternehmens an.