Tempo 30
Solothurner und Grenchner Busbetreiber haben Mühe mit Tempo 30

Grenchner und Solothurner Busbetriebe stehen den Tempo 30-Zonen kritisch gegenüber. Ganz im Gegensatz zu Olten: Dort geht Tempo 20 problemlos.

Sven Altermatt
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Tempo 30 wird vermehrt zum Standard. Können die Busbetriebedeshalb ihre Fahrpläne nicht mehr einhalten?

Tempo 30 wird vermehrt zum Standard. Können die Busbetriebedeshalb ihre Fahrpläne nicht mehr einhalten?

Hanspeter Bärtschi

Tempo 30 ist in aller Munde. Die Städte Bern, Basel und Zürich haben fast zeitgleich beschlossen, ihre Tempo-30-Zonen auszudehnen. Erklärtes Ziel: Mehr Sicherheit und weniger Lärm. Auch Solothurner Städte bremsen die Autofahrer, manche 30er-Zonen sind erst kürzlich geschaffen worden.

Davon betroffen sind nicht zuletzt die lokalen Busbetriebe. Wenig überraschend: Der neue Trend zur Langsamkeit stösst bei diesen nicht nur auf Gegenliebe.

Solothurn: Mit Abstrichen leben?

Der Solothurner Gemeinderat hat Anfang Dezember entschieden, dass Tempo 30 fortan auch im Hubelmattquartier gelten soll – selbst auf der verkehrsorientierten St. Niklausstrasse. Für den BSU (Busbetrieb Solothurn und Umgebung) ist die Strasse besonders wichtig, verkehrt auf dieser doch dessen Buslinie 4. BSU-Direktor Fabian Schmid warnte den Gemeinderat denn auch eindringlich vor einer Temporeduktion. Bereits heute könnten die Anschlüsse am Hauptbahnhof nur mit Mühe gewährleistet werden.

Nun erklärt BSU-Sprecherin Christine Schulz: «Momentan prüfen wir verschiedene Lösungsansätze.» Allein mit Fahrplankorrekturen lasse sich das Problem nicht lösen. Schulz skizziert zwei mögliche Varianten: die Anpassung der Linienführung oder die Verknüpfung mit anderen Linien.

Erstere verkürze zwar die Fahrzeit, führe aber zu einer schlechteren Erschliessung. Die zweite Variante hätte, so die BSU-Sprecherin, gar Auswirkungen auf das gesamte Busnetz. Abstriche müssten also ohnehin gemacht werden. Warum werden nicht einfach zusätzliche Busse eingesetzt? «Das ist angesichts der knappen Kantonsfinanzen kaum umsetzbar», winkt Schulz ab.

Grenchen: «Das reicht»

Auch in Grenchen lassen 30er-Zonen regelmässig die Wogen hochgehen. 2012 haben die bürgerlichen Parteien durchgesetzt, dass einzelne Tempo-30-Zonen rückgebaut werden müssen. Trotzdem gibt es in Grenchen weiterhin solche Zonen, etwa in den nördlichen Quartieren. «Und das reicht auch», findet Hans-Rudolf Zumstein.

Der Geschäftsführer des BGU (Busbetrieb Grenchen und Umgebung) betont jedoch: «Oft sind Tempo-30-Zonen gerechtfertigt.» Mit der bestehenden Situation könne man gut leben. Weniger gut leben kann Zumstein derweil mit Bodenschwellen – im Fachjargon «Berliner Kissen» – oder künstlichen Verengungen. «Wenn schneebedeckte Strassen bereits für Verspätungen sorgen», sagt er, «erschweren solche Hindernisse den Betrieb zusätzlich.»

Olten: Entspannung in Innenstadt

Seit letztem Sommer gilt in der Oltner Innenstadt ein neues Verkehrsregime. Die Altstadt wurde komplett vom motorisierten Verkehr befreit, die restliche Innenstadt zur Begegnungszone mit Tempo 20 erklärt. Der Busbetrieb Olten Gösgen Gäu (BOGG) – fünf seiner Linien führen durch die Begegnungszone – hat damit keine Probleme. Im Gegenteil: «Vor der Einführung war die Innenstadt oft verstopft», erzählt Kurt Thommen, Fahrdienstleiter beim BOGG.

Dank der Temporeduktion und der Eröffnung der Umfahrung Olten sei die Innenstadt für Durchfahrer nun nicht mehr attraktiv. «Wir müssen zwar langsam fahren, kommen aber besser vorwärts.» Das rechte Aareufer ist in Olten bereits seit drei Jahren flächendeckend eine Tempo-30-Zone. «Diese behindert uns kaum», meint Thommen dazu. Nur hie und da werde es «etwas eng mit dem Fahrplan».