Ambulantes Angebot
Solothurner Tagesklinik wird eröffnet: Kinder und Jugendliche erhalten wieder Unterstützung im Kanton

Als bekannt wurde, dass die stationäre Abteilung der Kinder- und Jugendpsychiatrie geschlossen wird, waren die Sorgen gross. Am 1. Februar wird nun die Tagesklinik für Kinder und Jugendliche im Kanton eröffnet.

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Am 1. Februar wird im Kanton Solothurn die Tagesklinik für Kinder und Jugendliche eröffnet. (Symbolbild)

Am 1. Februar wird im Kanton Solothurn die Tagesklinik für Kinder und Jugendliche eröffnet. (Symbolbild)

Sandra Ardizzone

Vor rund einem Jahr wurde bekannt, dass die stationäre Abteilung der Kinder- und Jugendpsychiatrie geschlossen wird. Viele Fachkräfte, die im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie tätig sind, reagierten auf diese Nachricht mit grosser Sorge. Dass Kinder und Jugendliche, die einen stationären Aufenthalt benötigen, künftig in Bern, Basel oder Liestal einen Platz finden sollen, beruhigte viele Insider nur bedingt.

Die Versorgung von Kinder und Jugendlichen, die aus verschiedenen Gründen Unterstützung benötigen, könnte unter der Schliessung leiden, befürchtete etwa Daniel Barth, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, mit einer eigenen Praxis in Solothurn.

«Der Entscheid ist bedauerlich, ein grosser Verlust», sagte er damals. Und er forderte, dass das ambulante Angebot im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie ausgebaut werden müsse, um eine gute Versorgung von jungen Patientinnen und Patienten im Kanton gewährleisten zu können.

Vorsichtiger Optimismus bei Kritiker

Am 1. Februar wird nun ein Teil des ambulanten Angebots, das von Politikern und Fachleuten gefordert und von der soH auch in Aussicht gestellt wurde, eröffnet: Im Gebäude der ehemaligen stationären Klinik wird eine Tagesklinik mit acht Plätzen in Betrieb genommen, wie die soH jüngst bekannt gab. Damit die Klinik kostendecken geführt werden kann, erhält die soH auch finanzielle Unterstützung vom Kanton: Im Budget 2021-2023 wurde Geld für den Betrieb der Tagesklinik bewilligt.

Das stimmt zuversichtlich.

(Quelle: Daniel Barth, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie)

Tageskliniken sind für Kinder und Jugendliche und ihre Familien vor allem deshalb ein wichtiges Angebot, weil Patientinnen und Patienten eng begleitet werden können, ohne aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen zu werden. Entsprechend erleichtert zeigt sich Barth, dass das Angebot nun tatsächlich in Betrieb genommen wird. «Das stimmt zuversichtlich», schreibt er dazu. Mit acht Plätzen zu starten sei sinnvoll, um so zu beobachten, wie das Angebot anlaufe. «Wenn sich das Modell bewährt ist zu hoffen, dass später im unteren Kantonsteil ebenfalls eine Tagesklinikgruppe eröffnet wird», so Barth.

Zweites Angebot wird in den nächsten Jahren aufgebaut

Noch nicht gestartet ist das zweite ambulante Angebot, das die soH angekündigt hat, um die Versorgung von Kindern und Jugendlichen im Kanton in Zukunft zu gewährleisten. Diese aufsuchenden Behandlungen, in deren Rahmen Familien von Fachleuten besucht werden, werde in den nächsten Monaten Fahrt aufnehmen, kündigt die soH an.

Das Angebot werde in den nächsten drei Jahren schrittweise aufgebaut, die entsprechenden Fachkräfte würden in den nächsten Monaten rekrutiert. Wie viele Kinder und Jugendliche im Rahmen des aufsuchenden Angebots betreut werden sollen, ist laut der soH noch unklar.

Gute Zusammenarbeit mit Nachbarkantonen

Gut angelaufen ist laut der soH die Zusammenarbeit mit den stationären Kliniken in den Nachbarkantonen. «Notfallmässige Zuweisungen konnten jeweils sofort eintreten, weitere planbare Eintritte konnten innerhalb von ein paar Wochen aufgenommen werden und wurden bis Eintritt ambulant betreut», so die soH.

Dass die Zusammenarbeit funktioniert bestätigt auch Barth. So gebe es auch keine Hinweise darauf, dass die hiesigen Patienten länger auf einen Platz in einer stationären Klinik warten müssen als die Patienten aus den Nachbarkantonen. (rba)