Statistik
Solothurner studieren am liebsten in der Nähe

Welche Unis sind bei den Solothurner Studentinnen und Studenten beliebt – welche weniger? Und wieso hat sich die Studentenzahl in 20 Jahren verdoppelt? Der Blick in die Statistik.

Noëlle Karpf
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Solothurner studieren auch gerne an der Universität Basel.

Solothurner studieren auch gerne an der Universität Basel.

Juri Junkov

Am Montag geht es wieder los: Studenten kehren nach ihren Semesterferien zurück an Universitäten und Fachhochschulen. Oder besuchen ihre ersten Vorlesungen. Darunter auch etwa 5000 aus dem Kanton Solothurn. Im vergangenen Jahr studierten laut Bundesamt für Statistik (BFS) 5156 Solothurnerinnen und Solothurner. Daten aus den letzten 20 Jahren zeigen: Solothurner erwerben ihre Bachelor- und Maserabschlüsse am liebsten in Bern, beiden Basel, im Aargau und im eigenen Kanton.

Über die letzten 20 Jahre hinweg ist nämlich die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) mit Standorten im Aargau und im Solothurnischen, sowie in den beiden Basler Halbkantonen, Spitzenreiter der Statistik. Seit 1997 ist sie die beliebteste Fachhochschule der Solothurner Studierenden und schlägt auch alle Universitäten. Letztes Jahr besuchten 823 Solothurner die FHNW. Fast gleichviele waren an der Universität Bern angemeldet: 810. Somit liegt Bern bei den Universitäten auf Platz 1: Seit 20 Jahren ist sie ungeschlagene Lieblings-Uni der Solothurner.

Je näher – desto beliebter?

«Unsere Daten erlauben uns nicht, zu wissen, was genau die Motivation der Solothurner Studierenden für ihre Studienwahl ist», so Katharina Gallizzi vom BFS. Sie verweist aber auf eine Befragung aus dem Jahre 2013. In dieser wurde die «soziale und wirtschaftliche Lage» der Schweizer Studierenden untersucht.

Unter anderem gaben Studenten dort an, nach welchen Kriterien sie ihre Universität oder Fachhochschule aussuchen. Als drittwichtigstes Kriterium wird die Nähe zum Wohnort aufgeführt. Bei Studenten Pädagogischer Hochschulen ist dies sogar das Hauptkriterium.
Nach Zürich zieht es zwar nicht überdurchschnittlich viele Solothurner – dafür konnte die Fachhochschule Zürich in den letzten 20 Jahren verhältnismässig am meisten hiesige Studierende gewinnen: Dort studieren heute nämlich rund 37 mal mehr Solothurner als 1997.

Boom an den Fachhochschulen

Heute machen fast doppelt so viele Solothurner einen Bachelor- oder Masterabschluss wie noch vor 20 Jahren. Damals studierten 2389 Solothurner – davon waren es nur gerade 177 an einer Fachhochschule. Heute sind es rund 2500. – Und so viele Solothurner besuchen auch eine Universität. Dass es hier heute so viel mehr Akademiker gibt, liegt aber nicht an den Solothurner, erklärt Gallizzi. Sondern an der Entwicklung der Schweizer Fachhochschulen.

1995 wurde nämlich das Fachhochschulgesetz eingeführt. In diesem wurde unter anderem festgelegt, was eine Fachhochschule überhaupt ist und welche Aufgaben sie hat. Somit sei die Basis für den Aufbau der Ausbildungsstätten gelegt worden, so Gallizzi. «Nach der Gründung der ersten Fachhochschule wurden je länger je mehr Hochschulen und Studiengänge in die Fachhochschule integriert». Und nebst anderen Schweizer absolvierten von da an auch mehr Solothurnerinnen und Solothurner ihr Studium an einer Fachhochschule.

Abnahme nur in der Romandie

Im Gegensatz zu den deutschschweizer Hochschulen, haben Ausbildungsstätten in der Romandie über die letzten 20 Jahre keine zusätzlichen Solothurner Studenten angelockt. In Freiburg, Genf, Lausanne, Neuenburg und an der École polytechnique fédérale, ebenfalls in Lausanne, studieren heute gar weniger Solothurner als früher. Genaue Gründe für diese Abnahme kann das BFS nicht nennen. Aber: Sind Hochschulen in der Nähe von Solothurn am beliebtesten, gibt es weniger Solothurner Studenten an Ausbildungsstätten, die weiter entfernt liegen. Zum Beispiel in Bulle im Kanton Freiburg oder in Bluche im Kanton Wallis, den Standorten der privaten Universität Les Roches-Gruyère (LRG). Sie ist die bei Solothurner am wenigsten beliebte Fachhochschule. Seit 1997 besuchten sie insgesamt nur sechs Solothurner. LRG zieht aber allgemein wenig Schweizer an – rund 80 Prozent der Studierenden sind aus dem Ausland.

Auffällig scheint auf den ersten Blick, dass im ebenfalls eher weit entfernten Tessin heute dreimal mehr Solothurner studieren als 1997. Auf den zweiten Blick wird klar wieso: Vor 20 Jahren studierte nur ein Solothurner in Lugano – 2016 waren es deren drei. Und somit bleibt die Università della Svizzera italiana die von Solothurnern am wenigsten oft besuchte Universität.