Kanton

Solothurner Start-up Neeo für «zweistelligen Millionenbetrag» an US-Firma verkauft

Raphael Oberholzer  Co-Gründer und CEO von Neeo

«Ich will mich endlich wieder auf das fokussieren können, was mich wirklich interessiert: Die Entwicklung neuer Produkte.»

Raphael Oberholzer Co-Gründer und CEO von Neeo

Das Solothurner Start-up «Neeo» ist «Opfer» des eigenen Erfolges. Die Jungunternehmer entschieden sich, an die US-Firma Control4 zu verkaufen. Raphael Oberholzer (37) Co-Gründer und CEO von Neeo lässt sich auf Anfrage immerhin entlocken, dass die Käufer «einen zweistelligen Millionenbetrag» hingeblättert haben. Wie die Reaktionen im Blog der Neeo-Community zeigen, fühlen sich etliche Kunden und Unterstützer verschaukelt.

«Ein Verkauf ist derzeit kein Thema.» Dies sagte Raphael Oberholzer noch im Oktober. Jetzt ist alles anders: Die Gründer und Besitzer des Solothurner Start-up Neeo haben sich zum Verkauf entschieden. Ihre Entwicklung: Eine smarte Fernbedienung, mit der bis zu 60 000 Geräte – vom TV-Gerät über Storen bis zum Garagentor – bedient werden können.

Den neuen Besitzern, der Firma Control4 aus Utah, ist der Deal eine stolze Summe wert. Bezüglich deren konkreten Höhe ist Stillschweigen vereinbart worden. Oberholzer (37) lässt sich auf Anfrage immerhin entlocken, dass die Käufer «einen zweistelligen Millionenbetrag» hingeblättert haben.

«Lieber schnell und gut wachsen ...»

«Nein, wegen des schnellen Geldes haben wir nicht verkauft», beteuert Neeo-CEO Oberholzer. Dafür hätte früher schon mehrfach Gelegenheit bestanden. Vielmehr sei es so, dass man bei der Zusammenarbeit bei einem konkreten Projekt mit Control4 immer mehr Gemeinsamkeiten erkannt habe. «Wir stellten fest: Dies ergibt ein perfektes Match», schildert der Solothurner, der 2015 mit Co-Gründer Oliver Studer einen Vigier-Preis für Jungunternehmer (100 000 Franken) erhalten hatte.

Ihr «Kind» erfährt derzeit das gleiche Schicksal, wie so manch anderes Start-up: Die Auf- und Ausbauphase braucht Zeit und – vor allem – viel Geld. Oberholzer: «In den nächsten Monaten müssen viele Hunderttausende bis mehrere Millionen Franken ins Wachstum investiert werden. Wir haben uns entschlossen, lieber schnell und gut zu wachsen als langsam und schmerzhaft.» Das Zusammengehen mit Control4 biete dafür die Möglichkeiten. «Ich habe das ganze letzte Jahr mit Crowdfunding und auf der Jagd nach Investoren verbracht», schildert er. «Das konnte es auf die Dauer nicht sein. Ich will mich endlich wieder auf das fokussieren können, was mich wirklich interessiert: Auf die Entwicklung neuer Produkte.»

Mehr Jobs in Aussicht gestellt

Dafür hofft er künftig, in seiner neuen Funktion – als Senior Director of Products – mehr Freiraum zu haben. Nicht nur er werde von der neuen Besitzerin weiterbeschäftigt, sondern alle bisherigen Neeo-Mitarbeiter, versichert Oberholzer. In der Schweiz seien 15 Personen in Solothurn und 25 in Bern (Entwicklungsabteilung) beschäftigt. Und: «Als Teil von Control4 ist ein deutliches Wachstum zu erwarten. In den nächsten Monaten dürften in Bern einige zusätzliche Jobs geschaffen werden.»

Enttäuschte Kunden und Spender

Die Integration in das US-Unternehmen bleibt allerdings nicht ohne Konsequenzen: Der Marktführer für professionell installierte Smart-Home-Lösungen verkauft seine Produkte ausschliesslich an zertifizierte Händler und nicht (wie Neeo bisher) an Endkunden. «Ab sofort werden keine Neeo-Produkte mehr ausgeliefert», hat die Firma gestern ihren Kunden eröffnet. Bestehenden Kunden wird versichert, dass ihr Gerät «für mindestens 24 Monate aktiv bleibt und verwendet werden kann». In dieser Zeit sei auch der Support gewährleistet. Dennoch fühlen sich etliche Kunden und Unterstützer verschaukelt, wie Reaktionen im Blog der Neeo-Community zeigen. Dies sei die «bittere» Seite der Medaille, gesteht Oberholzer ein: «Wir bieten der Community an, dass sie die Plattform weiter nutzen und weiterentwickeln kann.»

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