Start-up

Solothurner Start-up hilft mit Software Photovoltaik zu verplanen

Die Photovoltaikanlage auf der Migros in Neuendorf. (Archivbild)

Die Photovoltaikanlage auf der Migros in Neuendorf. (Archivbild)

Solothurner Start-Up «Cleantech-Tsunami» will in den nächsten Monaten und Jahren 100 Millionen Franken für Photovoltaik investieren.

Ein grünes Erdbeben erschütterte Ende Oktober die Polit-Schweiz. Darauf folgt nun eine Art Cleantech-Tsunami. Ausgelöst durch einen Fonds einer Schweizer Grossbank, der in den kommenden Monaten und Jahren 100 Millionen Franken investieren will. Ein grüner Segen, hinter dem institutionelle Anleger, Pensionskassen und Versicherungen stecken. Sie sind bereit, auf einen Teil der Rendite im Sinne der Nachhaltigkeit zu verzichten. Aber natürlich geht es darum, Geld zu machen. Sie müssen.

«100 Millionen Franken an einem Standort zu verplanen ist einfach. Es braucht nur Platz für eine entsprechend grosse Anlage. Aber 100 Millionen über den gesamten Gebäudepark der Schweiz zu verteilen, das ist hoch komplex», sagt Leo Sasso. Die Zukunft des Energiemarkts Schweiz, da sind sich die Experten einig, ist dezentral. In dieses Segment soll das Geld fliessen. Hier kommt das Solothurner Start-up, gegründet von Leo Sasso und Peter Robineau, ins Spiel. Zu fünft haben sie während rund zwei Jahren eine Online-Plattform entwickelt, das wie eine Art «Google Maps für Cleantech» funktioniert. Die Software von Geoimpact, so der Name des Start-ups, hilft Goldstroem, dem Projektentwicklerteam, die lukrativsten Investitionsstandorte zu finden. Dort, wo Rendite in Aussicht steht.

Wie das funktioniert? Willkommen in der Energiewelt der Zukunft. Nachhaltig, nah am Endkunden, dezentral. Mithilfe der Plattform swissenergyplanning.ch, die auf dem Programm von Sasso & Co. basiert, eruiert Goldstroem Gebäude, das heisst eigentlich Dachflächen. Denn Ziel der Investition ist es, Dächer zu mieten, auf denen Photovoltaikanlagen platziert werden können. Mindestanforderung: ein 30 Kilowattstundenpeak muss realisierbar sein. Dazu braucht es je nachdem mindestens eine Fläche, die der von zwei bis drei Einfamilienhäusern entspricht. Interessant sind also zum einen Geschäftsgebäude mit grossen Dächern, zum anderen grössere Mehrfamilienhäuser, Siedlungen oder ganze Quartiere.

Der Fonds bezahlt, der Hausbesitzer kassiert mit

Die Plattform liefert Goldstroem in einem ersten Schritt die Adressen interessanter Objekte. So kann man abklären, ob beim Besitzer Interesse besteht, auf dem Dach seiner Liegenschaft eine PV-Anlage zu installieren. Der Deal: Der Investor baut die Anlage, die er während 30 Jahren pachtet – und danach dem Gebäudebesitzer gehört. Dafür verkauft der Investor den auf dem Dach produzierten Strom. Der Gebäudebesitzer kassiert eine Dachmiete. «Man kann mit den Erträgen einer Anlage, die den Minimalanforderungen entspricht, pro Jahr eine Woche Ferien in einem Fünfstern-Hotel an der Adria machen», so Sasso. Auch den Strom kann der Besitzer vergünstigt beziehen.

Seit drei Monaten läuft das Projekt. Ein paar Millionen aus dem 100-Millionen-Pot sind schon verplant. Mit der Plattform von Geoimpact. Sie basiert auf mehr als 20 Millionen Einzeldaten aus über 20 Datenbanken. Von topographischen Angaben bis hin zu Informationen aus Baupublikationen ist da so ziemlich alles dabei, was relevant sein kann für die Planung einer Photovoltaik-Anlage. Es liefert Angaben zu mehr als zwei Millionen Gebäuden in der Schweiz. Und es lernt, wo erfolgreich etwas realisiert werden konnte. Aber, so Sasso: «Ein grosser Teil der 100 Millionen ist noch verfügbar.» Wer immer über ein Gebäude mit Potenzial verfüge, dürfe sich bei ihm melden (siehe unten).

Die Plattform von Geoimpact hilft übrigens nicht nur bei der Verplanung von Cleantech-Millionen. Auch wenn dieses Geschäft in den kommenden Jahren ordentlich wachsen dürfte. Sie hat dem Schweizer Salz-Batterienhersteller Innovenergy geholfen ein Distributionsnetzwerk aufzubauen oder unterstützt 50 kleinere Gemeinden im Jura bei der Energieplanung, um nur zwei von zahlreichen weiteren Projekten zu nennen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1