Lohnstreit
Solothurner Spitäler bremsen Lohnexzesse

2018 hat der bestverdienende Kaderarzt der Solothurner Spitäler 100'000 Franken weniger erhalten als 2017. Derzeit baut die Spitäler AG das Lohnsystem radikal um und schafft lukrative Einkommensquellen der Ärzte ab. Dies bleibt nicht ohne Widerstand.

Lucien Fluri
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Derzeit baut die Spitäler AG das Lohnsystem radikal um und schafft lukrative Einkommensquellen der Ärzte ab.

Derzeit baut die Spitäler AG das Lohnsystem radikal um und schafft lukrative Einkommensquellen der Ärzte ab.

Hanspeter Bärtschi

Es dauerte lange, bis sich die Solothurner Spitäler AG (soH) im vergangenen Jahr dazu durchringen konnte, den höchsten Kaderarztlohn zu nennen. Zuerst musste diese Zeitung per Öffentlichkeitsprinzip die Herausgabe verlangen. Dann folgte Druck aus dem Parlament.

Auf die Kritik hat die soH, die zu 100 Prozent dem Kanton gehört, nun reagiert: Im soeben erschienenen Geschäftsbericht weist sie erstmals die Entschädigungen der Kaderärzte sowie des Verwaltungsrates und der Geschäftsleitung aus.

Demnach verdienten von den 122 ganzjährig beschäftigten Kaderärzten nur gerade drei über 600 000 Franken. Insgesamt 39 Ärzte erhielten mehr als 400 000 Franken. Deutlich gesunken ist, im Vergleich zum Vorjahr, der höchste Lohn: 2018 erhielt der bestbezahlte Arzt eine Gesamtvergütung von 782 939 Franken, rund 100 000 Franken weniger als 2017 (887 000 Franken). Der Rückgang sei zurückzuführen auf die «tieferen Tarife, welche für die ambulante Behandlung von Privatpraxispatienten vergütet werden», sagt Andreas Woodtli, Personalchef der soH.

Der Grossteil der Chef- und Leitenden Ärzte befindet sich im Bereich von 300 000 bis 400 000 Franken. CEO Martin Häusermann wurde mit 352 000 Franken entschädigt. Die übrigen neun Mitglieder der Geschäftsleitung erhielten zusammen 2,06 Mio. Franken. Mit durchschnittlich 229 000 Franken befinden sich die Geschäftsleitungsmitglieder somit auf der Stufe der höchsten kantonalen Lohnklasse, nämlich des Staatsschreibers und der Oberrichter.

Privatpraxen nicht mehr erlaubt

Interessanter ist aber: Derzeit baut die soH das Lohnsystem der Ärzte radikal um. Dies zeigen Informationen, die die Solothurner Spitäler AG auf Anfrage dieser Zeitung zum neuen Lohnsystem veröffentlicht. Personaldirektor Andreas Woodtli erklärt, dass es künftig «keine Honorarzahlungen mehr gibt, weder für die Behandlung zusatzversicherter stationärer Patienten noch für Patienten der Privatpraxis». Auch die Führung einer eigenen Privatpraxis ist den Kaderärzten künftig nicht mehr erlaubt.

Heute erhielten die Ärzte neben ihrem eigentlichen Lohn Nebeneinkünfte, indem sie Zusatzversicherte behandelten und eine Privatpraxis betrieben. Das Lohnsystem war mehrfach kritisiert worden, auch von der Solothurner Regierung. Denn es setzt Fehlanreize: Je mehr ein Arzt operierte, umso mehr Geld erhielt er, vereinfacht gesagt.

Allerdings scheint der Systemwechsel nicht bei allen Ärzten auf Gegenliebe zu stossen: Derzeit hat die Hälfte der Kaderärzte die neuen Verträge unterzeichnet, darunter alle seit 2018 beförderten oder von aussen eingestellten. Bekannt ist aber, dass sich bisherige Ärzte juristisch wehren. «Wir sind mit einer Delegation der Ärzteschaft in intensivem Austausch, um die Voraussetzungen zu schaffen, dass schlussendlich alle die neuen Verträge unterzeichnen werden», sagt Andreas Woodtli.

Keine Wahl hat, wer neu eingestellt wird. Er muss das neue Lohnsystem akzeptieren. Und die Fluktuation war 2018 unter den Kaderärzten hoch: Laut Geschäftsbericht gab es unter den 147 Kaderärzten 25 Wechsel – 17 Prozent.

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