Sie arbeiten als Ärzte, Pflegende oder auch im Hausdienst und kommen aus aller Herren Ländern. Mit der Kultur und der Sprache ihrer Herkunftsländer sind sie genau so vertraut wie mit der hiesigen Sprache und Mentalität – und damit als Dolmetscherinnen und Dolmetscher für fremdsprachige Patientinnen Patienten gefragt.

Rund 60 Mitarbeitende sind in der Datenbank der Solothurner Spitäler AG (soH) als «interne Dolmetschende» verzeichnet. Sie übersetzen in insgesamt 18 Sprachen, von italienisch über arabisch bis hin zur indischen Sprache Malayalam. Die soH überlässt dabei nichts dem Zufall: Sie müssen über ein bestimmtes sprachliches Niveau verfügen und regelmässige Weiterbildungen besuchen. Klar geregelt sind auch ihre Einsätze. Die internen Dolmetschenden kommen nur dann zum Zug, wenn jemand rasch vor Ort sein muss, im Notfall zum Beispiel, und es darum geht, erste Abklärungen zu treffen.

Einsatz von Videodolmetschern

Sobald indes komplexere Gespräche anstehen, im Vorfeld von geplanten Eingriffen oder bei der Erläuterung von Therapien, greift die soH auf externe Dolmetschende zurück. Die Anfragen der Spital-Standorte werden dabei durch eine interne Vermittlungsstelle mit Sitz in Olten geprüft. Die Mitarbeitenden, die zur Hauptsache damit beschäftigt sind, Berichte für Ärzte zu schreiben, klären unter anderem ab, welche Sprache oder welcher Dialekt gefordert ist. Pro Woche bearbeitet die Vermittlungsstelle sechs bis acht solcher Anfragen – und leitet diese dann an eine spezialisierte Fachstelle des Hilfswerks der Evangelischen Kirchen Schweiz (Heks Linguadukt) weiter.

Pro Jahr stehen die aufgebotenen Dolmetscher an den soH-Standorten insgesamt rund 700 Stunden im Einsatz. Ergänzend zu diesem externen Dolmetscherdienst prüft die soH derzeit im Rahmen eines – schweizweit einmaligen – Pilotprojekts den Einsatz von Videodolmetschern. Längst etabliert hat sich in der Schweiz und auch an der soH der rund um die Uhr erreichbare telefonische Dolmetscherdienst, der sich allerdings nur für kurze Abklärungsgespräche eignet.

Eingebettet ist der soH-Dolmetscherdienst in ein umfassendes Integrationskonzept. Dazu gehört die Überprüfung der Deutschkenntnisse bei den Mitarbeitenden oder auch eine Palette an Deutschkursen. Weiter bemühen sich die Solothurner Spitäler darum, das Fachpersonal im Umgang mit den unterschiedlichen Kulturen zu fördern (siehe dazu Kasten unten).

Mit ihrer Integrationsarbeit für Migrantinnen und Migranten – egal, ob Patienten oder Mitarbeitende – hat sich die soH schweizweit einen Namen gemacht. Die Solothurner Spitäler AG gehört zu jenen wenigen Spitälern respektive Spitalgruppen in der Schweiz, die bereits vor rund zehn Jahren vom Bundesamt für Gesundheit dazu auserwählt worden sind, landesweit eine Vorreiterrolle einzunehmen. Seither hat sich die soH zu einem «migrationsspezifischen Kompetenzzentrum» entwickelt. Einen ähnlichen Status haben nur noch das Kantonsspital Aarau, die Unispitäler in Genf, Basel und Lausanne sowie – im Verbund – die Kinderspitäler in Zürich, St. Gallen, Winterthur und Basel.

Olten hatte Pionierrolle

Die Bemühungen der Spitäler AG um fremdsprachige Patienten und Mitarbeitende ist eng mit einem Namen verbunden: Nadia Di Bernardo, Beauftragte Integration bei der soH. «Die Solothurner Spitäler AG hat über viele Jahre eine besondere Sensibilität für das Thema entwickelt», sagt sie im Gespräch mit dieser Zeitung. Mittlerweile engagieren sich viele Spitäler für eine bessere Verständigung innerhalb des Biotops Spital. Solothurn betreibe, betont Nadia Di Bernardo, gerade beim Dolmetscherdienst, keinen überdurchschnittlich grossen Aufwand. Spitäler in anderen Regionen hätten aufgrund der Zusammensetzung ihrer Patienten einen bedeutend höheren Bedarf an Dolmetschenden.

«Um in der Integrationsarbeit wirklich etwas bewirken zu können, braucht es einen langen Atem und viele kleine Schritte», unterstreicht sie. Im Raum Aarau-Solothurn war es das Kantonsspital Olten, das hier Pionierarbeit geleistet hat. Angefangen hatte dabei alles Ende der 1990er-Jahre. Nadia Di Bernardo arbeitete als Pflegefachfrau am Kantonsspital Olten. Im Rahmen der höheren Fachausbildung analysierte sie Probleme, denen Pflegende in ihrem alltäglichen Umgang mit fremdsprachigen Patienten begegnen.

Aufgrund ihrer eigenen italienischen Herkunft hatte sie ein Gespür für solche Fragen. Eine Umfrage bei Mitarbeitenden förderte dann schnell einmal zutage, dass die fehlende sprachliche Verständigung ein Hindernis bei der professionellen medizinischen Betreuung darstellt. Gefordert war das Personal damals vor allem mit italienischsprachigen Patienten, die in Olten traditionell eine starke Gemeinschaft bilden.

Es gab zwar damals bereits eine Liste mit italienischsprachigen Mitarbeitenden, die für Dolmetscherdienste aufgeboten werden konnten. Diese beherrschten dann aber oft die deutsche Sprache zu wenig. Solche Probleme blieben auch der Klinikleitung nicht verborgen – und Nadia Di Bernardo erhielt den Auftrag, ein Dolmetscherkonzept zu erarbeiten und den Übersetzungsdienst gleich selbst zu organisieren. Dafür wurde ihr, nebst der Arbeit als Pflegefachperson, ein Kleinstpensum zugesprochen. Über die Jahre hinweg folgte ein Projekt auf das andere. Heute hat sie ein 60-Prozent-Pensum als Integrationsbeauftragte.

Integrationsarbeit ist nicht gratis

Das alles ist nicht gratis. Ins Geld geht vor allem der Dolmetscherdienst. Di Bernardo verwaltet ein Budget in der Höhe eines niedrigen sechsstelligen Betrags. Die Hälfte davon ist über Drittmittel finanziert, vom Bundesamt für Gesundheit, dem Integrationskredit des Kantons und dem kantonalen Lotteriefonds. Investitionen in die Integration rechnen sich aber auch, betont die Integrationsexpertin der soH. «Wenn sich Arzt und Patient verstehen, kommt es zu keinen Missverständnissen, die schliesslich viel Geld kosten.» Die Erfahrung zeige, dass die Dolmetscher zu effizienteren und damit günstigeren Abläufen beitragen.

Die Kosten bleiben aber ein Thema, gerade auch in der soH, die unter einem hohen Spardruck steht. Das Problem: «Die Dolmetscherleistungen können über keinen offiziellen Tarif abgerechnet werden», so Di Bernardo. Das kürzlich lancierte Pilotprojekt zur Einführung von Videodolmetschern soll gerade auch in finanzieller Hinsicht Entspannung bringen. «Wir haben als Spital einen Aufklärungsauftrag», stellt die Integrationsexpertin bestimmt fest. «Wir brauchen die Einwilligung der Patienten, und dafür muss man sich gegenseitig verstehen können.»