Nach einer kurzen Verschnaufpause im Voluntari-Zelt der Ski-WM in St. Moritz soll es am Freitagmittag nach dem ersten Lauf des Riesenslaloms der Herren auch gleich mit dem Sessellift wieder zurück an die Arbeit gehen. Doch dieser steht still. Weshalb, weiss man zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Nicht ganz optimal für Fabian Hugi und Markus Dietschi, die eigentlich bereits schon wieder am Pistenrand auf ihren Posten stehen sollten. Die beiden Selzacher gehören zu den rund 1300 freiwilligen Helfern an der Ski-WM, ebenso wie Viktor Stüdeli Junior und der Lommiswiler Rainer Gisiger.

Für rund zwei Wochen ist das Quartett in St. Moritz zu Hause, damit es täglich um halb fünf – oder sogar früher – aufstehen darf und die Pisten für die Rennen instand setzen kann. Da können die Einsatztage schon manchmal bis zu zwölf Stunden dauern. «Wer hier mithilft, muss vom Schneesport angefressen sein», sagt Dietschi.

Denn die Helfer opfern ihre Ferien oder nehmen sogar unbezahlten Urlaub, um an der WM teilnehmen zu können. Als Lohn gibt es das offizielle Ski-Outfit der WM. Aber nur, wer auch sieben volle Tage Einsatz geleistet hat. «Die Erlebnisse und Bekanntschaften, die wir hier machen können, nehmen wir fürs Leben mit», sagt Dietschi, und das sei auch Teil des Lohns.

Zu Besuch bei den Selzacher Voluntari an der WM in St.Moritz

Zu Besuch bei den Selzacher Voluntari an der WM in St.Moritz

Mit Umweg auf die Piste

Der Sessellift steht noch immer still, und vor dem Eingang drängen sich die Leute, als plötzlich eine Durchsage ertönt. Das Rennen werde um eine halbe Stunde verschoben. Da die Seilbahnkamera von einem zu tief fliegenden Flugzeug der PC-7-Staffel durchtrennt wurde. Das Kameraseil ist auf das Kabel des Sesselliftes gefallen, was den Notstopp des Sessellifts auslöste. Als diese Informationen durch die Lautsprecher dringen, sind Hugi und Dietschi aber bereits auf und davon, um via Talabfahrt und Gondelbahn zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen: der Pistenabschnitt 3 bei den Herrenrennen.

Insgesamt gibt es sechs solcher Abschnitte, für die jeweils rund zehn Leute zuständig sind, was sehr knapp bemessen sei, so Stüdeli.

Je nach Renndisziplin unterscheiden sich die Tätigkeiten. So müssen die Pisten-Voluntari bei technischen Disziplinen wie Slalom dafür sorgen – auch während des Rennens –, dass die Pfosten und Fähnchen an exakter Stelle und in richtiger Position stehen. Oder auch für die Sicherheit der Fahrer sorgen.

Eine ihrer Hauptaufgaben ist: Die Ideallinie – die Piste innerhalb der blauen Markierungen – blitzblank zu halten. Dazu wird Schnee geschaufelt, gerutscht und gefräst. Oder mit dem sogenannten Wasserbalken werden mittels kleiner Wasserstrahlen Löcher in die Piste gebohrt und mit Wasser gefüllt, sodass die Strecke vereist. Rund zwölf Stunden dauerte es, die Herrenpiste in St. Moritz für den Riesenslalom zu präparieren, während sieben war der Herrenabschnitt 3 beteiligt. «Nach solchen Arbeiten ist es einem nicht immer zu Mute, am Abend noch viel zu unternehmen», sagt Stüdeli, «da geht manchmal gar nichts mehr.» Aber die gewonnenen Goldmedaillen der Schweizer hätten sie dennoch gebührend zelebriert, sowie ein paar Fotos mit den Weltmeistern geschossen.

Ein bisschen Spass muss sein

Nachdem der zweite Lauf zu Ende geht, die Österreicher einen Doppelsieg holen und es immer mehr zu schneien beginnt, geht es auch für die Pisten-Voluntaris ans Materialabbauen. Erst danach, um halb vier Uhr nachmittags, gibt es das wohlverdiente Mittagessen. Trotz der harten Arbeitstage und nun fast zwei Wochen Einsatz ist beim Herrenabschnitt-3-Team kein Verlust der Motivation zu spüren. Während andere Pisten-Teams bereits das Feld räumen, sitzt die Solothurner Equipe mit ihren restlichen Kameraden beisammen und witzelt.

«Von den Voluntaris sind wir meistens die ersten auf der Piste – und die letzten, die nach Hause gehen», sagt Hugi. Spass auf der Piste zu haben sei wichtig, weswegen das Grüppchen auch hin und wieder frisch-fröhlich zu tanzen beginnt. «Wäre das nicht so, wäre ich wohl der Erste, der nicht mehr teilnehmen würde», fügt Dietschi hinzu. Und trotzdem werde gearbeitet, bis man auf dem Zahnfleisch läuft.

Die Teams auf den Rennstrecken tragen viel Verantwortung. So dürfen an der WM in St. Moritz nur Voluntaris auf der Piste arbeiten, die bereits am FIS-Ski-Weltcup-Final im letzten Jahr Pistenhelfer waren.