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Solothurner sind steinreich: Das traditionelle Grün weicht immer öfter einem Steingarten

Immer häufiger muss im Kanton Solothurn der Blumengarten einem pflegeleichten Steingarten weichen.

Hans Peter Schläfli
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Steingärten statt Blumenrabatten: Für die einen ein Traum von einem Garten – für andere eine «Steinöde». Symbolbild: Walter Schwager

Steingärten statt Blumenrabatten: Für die einen ein Traum von einem Garten – für andere eine «Steinöde». Symbolbild: Walter Schwager

Walter Schwager

Der Schweizer macht am liebsten das, was der Nachbar macht – und der ist steinreich. Oder zumindest liebt er den Schotter im wahrsten Sinne: An der Stelle des traditionellen Grüns erblickt man rund um die Häuser immer öfter einen Steingarten. Die Gartenbauer in der Region sprechen von einem regelrechten Trend hin zu den Trockenbeeten und -anlagen. Aber auch auf den Verkehrsinseln solothurnischer Kantonsstrassen müssen immer öfter die Blumenbeete dem Schotter weichen.

Mehr oder weniger pflegeleicht

Ein Spezialist für Steingärten ist die Grenchner SOL AG. Geschäftsführer Martin Spielmann bestätigt den Trend: «Viele Kunden wünschen sich einen möglichst pflegeleichten Garten. Dann ist der Steingarten immer ein Thema.» Aber in diesem Punkt sind sich die Experten nicht wirklich einig. «Ein Steingarten gibt nicht wirklich weniger zu tun», meint zum Beispiel Marc Wirth, der in Luterbach während 27 Jahren einen Gartenbaubetrieb geführt und sich vor kurzem zur Ruhe gesetzt hat.

Schon bald solls hier wieder blühen.

Schon bald solls hier wieder blühen.

Hans Peter Schläfli

Der Wind weht alles Mögliche zwischen die Steine. Wer keinen Industriestaubsauger hat, der muss das in Handarbeit aus dem Trockenbeet entfernen. Und auch das Unkraut darf man nicht wuchern lassen, sonst sieht so ein Garten rasch ungepflegt aus.»

Nur weil man nicht gerne den Rasen mäht, sollte man also nicht einfach ein sogenanntes Geotextil verlegen und mit Schotter bedecken. «So ein Trockenbeet muss gestalterisch inszeniert werden», meint Marc Wirth. «Wir bauen keine Kieswüsten», stimmt Martin Spielmann bei. «Wege, Plätze, Solitärsteine, Terrassen und die Trockenbeete sollten zusammen höchstens 40 Prozent der Gartenfläche ausmachen. Wir empfehlen 60 Prozent Sträucher und kleine Gehölze. So können wir die Fläche kreativ gestalten. Unser Ziel ist es, dass der Garten zu jeder Jahreszeit schön aussieht und eine Art Ferienstimmung vermittelt.»

«Steinöden» kein Lebensraum

Es gibt aber Hausbesitzer, die am liebsten den ganzen Garten mit Kies zuschütten möchten. Solche unästhetischen und toten «Steinöden» sind der Stiftung Landschaftsschutz ein Dorn im Auge. Sie hat eine Studie in Auftrag gegeben, die untersucht, wie die Politik das Phänomen eindämmen könnte.

Zuständig wären die Einwohnergemeinden, die mit ihren Bau- und Nutzungsordnungen den Gartenbesitzern einen gewissen Anteil an natürlich bepflanztem Boden vorschreiben könnten – aber dies bisher noch kaum tun.

Juramergel für seltene Blumen

Nun scheint auch der Kanton Solothurn in das steinige Konzert einzustimmen. Auf immer mehr Verkehrsinseln verschwinden die Blumenbeete. Sie werden durch Schotter ersetzt. Von West nach Ost gestaltet derzeit das Amt für Strassenbau Böschungen, Rabatten und Verkehrsinseln neu. Auf dem schmalen Landstreifen neben dem grossen Viadukt in Zuchwil zum Beispiel, wo bisher zwischen einzelnen Büschen das Gras wucherte und der Löwenzahn blühte, ist jetzt gestampfter Juramergel zu sehen. «Der Eindruck ist korrekt, seit diesem Jahr setzen wir in Zusammenarbeit mit Pro Natura ein neues Konzept um», erklärt dazu Daniel Wassmer, Abteilungsleiter Strassenbau des Kantons Solothurn.

«Der Boden wird dabei aber nicht versiegelt. Der Mergel stellt einen Magerstandort für seltene einheimische Pflanzen dar. Das Ziel ist es, dass sich entlang der Kantonsstrassen viele kleine Inseln mit Magerwiesen ausbilden, die sich vernetzen können.» Der Mergel aus dem Jura sei ganz bewusst gewählt worden, sagt Wassmer. «Auf diesem nährstoffarmen Boden gedeihen gefährdete, einheimische Pflanzen, die auf den bewirtschafteten und gedüngten Böden nicht überleben können. Es braucht nun ein paar Jahre Geduld. Im nächsten Frühling werden dort bereits die ersten seltenen Blumen blühen.»