Zivilstand
Solothurner sind nicht heiratsmüde – und sie mögen es traditionell

Im Kanton Solothurn haben 2017 1169 Trauungen stattgefunden. Solothurner sind also alles andere als heiratsmüde, wie die Heiratszahlen zeigen. Althergebrachte Rollenmodelle halten sich dabei hartnäckiger als man denkt.

Severin Bommer
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Zuckersüss: So begann diese Ehe.

Zuckersüss: So begann diese Ehe.

/KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

Der Aufwand zu gross, die Kosten zu hoch, der Nutzen zu klein: Heiratsmüdigkeit wird der heutigen Gesellschaft oft vorgeworfen. Von diesem Phänomen ist im Kanton Solothurn aber nichts zu spüren. Mit 1'169 Trauungen kommt der letztjährige Wert beinahe an den seit Jahren höchsten Wert von 2016 heran.

Herr und Frau Solothurner mögen es traditionell: Rund 80 Prozent der Ehegattinnen nehmen den Familiennamen des Mannes an und folgen so der alten Sitte. Das seit 2013 eigentlich als Standard vorgesehene Namensmodell, bei dem jeder Ehepartner seinen Ledignamen behält, findet trotz der dadurch vollzogenen Gleichstellung von Mann und Frau nur selten Anwendung. «Den Paaren scheint es wichtig zu sein, den gleichen Namen zu tragen und so gegen aussen Zusammengehörigkeit zu signalisieren», sagt Peter Naef, Leiter der Zivilstandsaufsicht.

Geheiratet wird zwischen 25 und 35

Die meisten Paare heiraten kurz bevor oder während sie eine Familie gründen. Der meistgewählte Zeitpunkt der Hochzeit liegt zwischen dem 25. und 35. Altersjahr. Das durchschnittliche Alter der Frau, wenn sie ihr erstes Kind zur Welt bringt, liegt bei 30.6 Jahren.
Ob Ehepaare die Hochzeit auch kirchlich feiern, hängt vom Alter der Beteiligten ab.

Junge Paare, die zum ersten Mal heiraten, tun dies öfter auch in einem Gotteshaus als bereits einmal geschiedene Ehepaare. Wie die Zahlen verraten, ist das Heiraten in der warmen Jahreszeit beliebter als im Winter. Monate mit spürbar mehr Arbeit für die Zivilstandesämter sind von Mai bis August. In den Sommermonaten ist die Chance auf gutes Wetter und warme Temperaturen viel höher als im Winter, was für viele Paare bei der Hochzeitsplanung eine wichtige Rolle spielt.

Für Paare des gleichen Geschlechts ist die Ehe laut Gesetz nicht zulässig. Zwar läuft der politische Prozess. Ob und wann eine Gesetzesänderung kommen wird, steht aber noch offen. Als Ersatz dürfen gleichgeschlechtliche Paare seit 2007 in einer eingetragenen Partnerschaft leben. Im Jahr 2017 waren es 16 Neueintragungen.

Geschieden wird nach 15 Jahren

«Bis dass der Tod euch scheidet» heisst es zwar bei jeder Hochzeit, doch viele Ehen finden ein vorzeitiges Ende. Oft ist es nicht der Tod, der die Ehe scheidet, sondern der Richter. Gerichtsverwalter Heinrich Tännler: «Im Jahr 2017 gab es verteilt auf die fünf Richterämter 495 Scheidungen im Kanton Solothurn».

Das Gerücht, dass es das verflixte siebte Ehejahr sein soll, das den meisten Ehen den Todesstoss versetzt, hält sich immer noch hartnäckig. Laut Bundesamt für Statistik bewahrheitet sich der Mythos aber nicht. Die meisten Ehen werden nach gut 15 Ehejahren geschieden. In den letzten 12 Jahren kamen auf zehn geschlossene Ehen vier geschiedene. Auflösungen von Eingetragenen Partnerschaften gab es seit 2011 acht, also rund jedes Jahr eine.