Der Kanton Solothurn sucht nach Möglichkeiten, um die Ausgaben zu senken. Im Rahmen eines Massnahmenpakets beschloss das Parlament deshalb vor eineinhalb Jahren, die Beiträge an ausserkantonale Schuleinrichtungen zu reduzieren.

Der Entscheid des Kantonsrats hat weitreichende Auswirkungen auf Jugendliche in den Bezirken Dorneck und Thierstein. Zu den vom Spardiktat betroffenen Institutionen gehört die Wirtschaftsmittelschule (WMS) in Reinach, die pro Jahrgang von rund 15 Lernenden aus dem Kanton Solothurn besucht wird.

Die meisten davon stammen aus Gemeinden des Schwarzbubenlands. Diejenigen Schülerinnen und Schüler, die vor wenigen Tagen ihre vierjährige Schulzeit begonnen haben, werden die letzten sein, die in den Genuss der bisherigen Subvention kommen.

Unverständnis über Entscheid

Ab nächstem Schuljahr erhält die Schule kein Geld mehr aus Solothurn, was bedeutet, dass die Schüler die jährlich fünfstelligen Kosten selbst berappen müssen. Dasselbe gilt für die Wirtschaftsmittelschulen in anderen Kantonen. In Solothurn selbst existiert keine Wirtschaftsmittelschule.

Dieser Umstand ist für Melanie Jeger von der Jungen CVP Kanton Solothurn, die vor zwei Jahren selbst die Wirtschaftsmittelschule Reinach abschloss, unhaltbar. Sie ist Erstunterzeichnerin eines Volksauftrags, der den Solothurner Regierungsrat beauftragt, die Beiträge weiterhin sicherzustellen.

«Denn die Wirtschaftsmittelschule ist eine wichtige und sinnvolle Bildungsinstitution in der Region. Dass der Besuch in Zukunft für Jugendliche aus dem Kanton Solothurn nicht mehr möglich sein soll, ist unverständlich und stellt einen massiven Einschnitt in die Bildungsmöglichkeiten dar», sagt die Meltingerin. Für sie bot die Schule damals gute Voraussetzungen für das Berufsleben.

Die Rektorin der Wirtschaftsmittelschule Reinach kritisiert, dass durch die Streichung der Beiträge in der Region neu die beruflichen Möglichkeiten vom Wohnsitz abhängen. Claudia Strehl weist darauf hin, dass die Jugendlichen wegen der bald fehlenden Subvention des Kantons in eine landesweit einzigartige Situation geraten: «Die Solothurner werden die einzigen Einwohner der Schweiz sein, welchen nicht das vollständige Angebot der schweizerischen Bildungslandschaft zur Verfügung steht.» Lernende, die sich für eine kaufmännische Ausbildung interessieren, würden mit einem kleineren Angebot nicht plötzlich einen handwerklichen Lehrberuf wählen, ist für sie klar.

Dass vermehrt Jugendliche aus dem Kanton Solothurn statt der Wirtschaftsmittelschule eine Lehre machen, erhofft sich der Solothurner Bildungsdirektor Remo Ankli (FDP). «Auch bei uns herrscht ein Mangel an Auszubildenden», stellt er klar.

Er gibt zwar zu, dass ihn als Schwarzbube die Massnahme schmerze. Das Bildungsangebot ist laut dem Regierungsrat aus Beinwil im Dorneck-Thierstein aber immer noch besser als in anderen Kantonsteilen.

Unterschriften bald komplett

Einer der Mitinitianten des Volksauftrags ist Glenn Steiger aus Bättwil. Als Gründer des Jugendparlaments Schwarzbubenland sollte der Maturand wissen, wo den Schülerinnen und Schülern in den beiden Bezirken der Schuh drückt.

Die Sparmassnahme im Bildungsbereich kann der Nationalratskandidat der Jungen CVP nicht verstehen. «Es macht keinen Sinn, da es dadurch nicht gelingt, die Kosten zu reduzieren», ist er überzeugt.

Die Anzahl Lehrlinge im Kanton Solothurn werde durch die Streichung der Subvention nicht ansteigen. «Viele weichen dann einfach auf einen anderen Bildungsweg aus und schreiben sich an einer anderen Einrichtung ein.» Dabei denkt er vor allem an die Fachmaturitätsschulen in beiden Basel, welche an Beliebtheit gewinnen würden. Das führe letztlich zu Folgekosten.

Um ihr Anliegen breiter abstützen zu können, stellen die Initianten derzeit ein Unterstützungskomitee zusammen. Darin sollen sich neben Solothurner Parlamentariern, die damals gegen die Reduktion der Beiträge an ausserkantonale Schulen votierten, auch Personen aus Politik und Gesellschaft sowie möglichst viele Schüler befinden, erklärt der Bättwiler. Die benötigten hundert Unterschriften habe man bald zusammen und werde den Volksauftrag im Anschluss der Staatskanzlei übergeben.