Bahnlinie
Solothurner Regierungsrat sieht keine Alternativen für Moutier-Bahn

Die Folgen einer Stilllegung wären gravierend, warnt die Solothurner Regierung. Mit dem Ende der Bahnlinie Solothurn-Moutier wären auch touristische Angebote gefährdet.

Sven Altermatt
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Noch mindestens bis 2016 fahren am Bahnhof Gänsbrunnen stündlich zwei Züge. Doch wie es dann weitergeht, ist derzeit noch völlig unklar.

Noch mindestens bis 2016 fahren am Bahnhof Gänsbrunnen stündlich zwei Züge. Doch wie es dann weitergeht, ist derzeit noch völlig unklar.

Tina Dauwalder

Bloss keine grossen Hoffnungen wecken, scheint man sich beim Bund gedacht zu haben. In Solothurn jedenfalls gibt sich der Regierungsrat nun ungewöhnlich besorgt. Seine Wortwahl ist scharf, die Botschaft lässt wenig Zweifel darüber: Vehement müsse die Schliessung des Weissensteintunnels bekämpft werden. Eine, so heisst es, Schlechterstellung sei zu verhindern. Das schreibt die Solothurner Regierung in ihrer Antwort zu einer Interpellation des Balsthaler SP-Kantonsrats Fabian Müller.

Beim Bund spielt man bekanntlich mit dem Gedanken, den Tunnel zu schliessen und die Bahnlinie zwischen Solothurn und Moutier stillzulegen. Kein Wunder, drückt der Regierungsrat jetzt ziemlich aufs Gas. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

1. Warum kämpft die Regierung gegen die Stilllegung der Bahn?

Weil sie einen Leistungsabbau nicht in Kauf nehmen will. Dabei denkt sie vor allem an das Thal: So wird davor gewarnt, den Bahnhof Gänsbrunnen und damit einen Teil der Region von der Kantonshauptstadt abzuschneiden. Überhaupt sei man bislang eher davon ausgegangen, dass ein Ausbau der Verbindung angestrebt werde. Auch die «Mobilitätsstrategie Thal» ziele ja in diese Richtung.

2. Und warum soll die Schliessung des Weissensteintunnels unbedingt verhindert werden?

Die Regierung befürchtet schlechtere Verbindungen zwischen Solothurn, dem Thal und auch dem Schwarzbubenland, falls der Weissensteintunnel nicht saniert wird. 170 Millionen Franken soll die Sanierung des Tunnels kosten. Ein Aufreger: Noch 2010 habe die BLS von «überschaubaren Kosten» gesprochen. Nun steht der Vorwurf im Raum, die Schätzung sei bewusst abschreckend hoch angesetzt worden. Wie bereits Ende September bekannt wurde, geben die Kantone Bern und Solothurn eine eigene Untersuchung in Auftrag. Damit soll geklärt werden, ob eine Sanierung nicht auch günstiger möglich wäre.

Zusätzliche Kosten: 25 Millionen Franken

170 Millionen Franken soll die Sanierung des Weissensteintunnels kosten. Im Oktober hat der Bundesrat da gleich noch einen draufgesetzt: Die Sanierungen der Bahnhöfe sollen ebenfalls in all seine Planspiele einfliessen, was die Kosten nochmals markant ansteigen lässt. Denn ausser Crémines müssten sämtliche Bahnhöfe an der Linie saniert und behindertengerecht umgebaut werden. 25 Millionen Franken werden die weiteren Kosten betragen, wie gestern bekannt wurde. (sva)

3. Doch was, wenn die Bahnlinie doch stillgelegt wird? Welche Alternativen sieht der Regierungsrat?

Der Tenor ist klar: Die einzige Alternative für das hintere Thal sei die bestehende Busverbindung via Balsthal nach Oensingen. Diese ist in den Augen der Regierung jedoch keine gute Lösung, wie ihre lange Liste der Nachteile zeigt: Mit einem Bus würde sich die Reisezeit nach Solothurn für viele verdreifachen. Die Kosten steigen, da für Fahrten über Oensingen ein Ticket über mehrere Zonen gekauft werden müsste. Weitere Schnellbus-Verbindungen würden natürlich auch ins Geld gehen. Und die Strasse in der Balsthaler Klus sei ja ohnehin stauanfällig, was die Zuverlässigkeit der Verbindung zusätzlich verschlechtere. Wenig überraschend also, glaubt man im Rathaus nicht, dass sich die Wirtschaftlichkeit des heutigen Angebots mit der Umstellung auf einen Busbetrieb verbessern würde. Ausgeschlossen sei eine Buslinie über den Weissenstein: Diese würde keinen Zeitvorteil gegenüber der Fahrt über Oensingen bieten, wäre aber sehr teuer. Die Passstrasse ist für grössere Fahrzeuge ungeeignet und in den Wintermonaten oft nicht befahrbar.

4. Welche Auswirkungen hätte eine Stilllegung auf den Tourismus?

Die Folgen für den Tourismus wären gravierend, glaubt die Regierung. Ihre Blicke richten sich dabei vor allem auf die Seilbahn Weissenstein, die am 20. Dezember wieder eröffnet wird. Ohne Moutier-Bahn wird die Talstation in Oberdorf nicht mehr vom öffentlichen Verkehr erschlossen. Bevor der alte Sessellift im Jahr 2008 stillgelegt worden ist, lag der Kostendeckungsgrad der Bahnlinie stets über 30 Prozent. Und die Regierung ist überzeugt, dass die Frequenzen wieder ansteigen werden. Der Zubringer aus Solothurn ist das eine, die nördliche Anbindung das andere: Ohne Tunnel würde das Einzugsgebiet der neuen Gondelbahn «wesentlich beschnitten», befürchtet man. Die Schlittelbahn? Später vielleicht eine Downhillstrecke? Auf der Nordrampe könne man solche Angebote schlicht vergessen, sollte der Zugang von Gänsbrunnen nach Oberdorf tatsächlich wegfallen. Noch ganz zu schweigen vom Verschmelzen der touristischen Gebiete Weissenstein und Naturpark Thal.

5. Wie geht es weiter? Und was will die Regierung jetzt tun?

Die BLS müsse alles dafür tun, dass der Tunnel noch ein paar Jahre genutzt werden könne. Nur so bleibe genug Zeit, um alle möglichen Lösungen zu untersuchen. «Ein Entscheid unter Zeitdruck ist nicht zielführend», schreibt der Regierungsrat. Zudem fordern die Kantone Solothurn und Bern ja Klarheit, ob die Sanierung des Weissensteintunnels wirklich 170 Millionen Franken kosten wird. Wann das Ergebnis der unabhängigen Untersuchung vorliegt, ist derzeit nicht bekannt.

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