Lehrermangel
Solothurner Regierungsrat: «Gespart wird nicht mit Absicht»

Davon, dass bewusst nicht adäquatausgebildete und damit billigere Lehrpersonen angestellt würden, weiss der Regierungsrat nichts. Das schreibt er in der Antwort auf eine Interpellation von Franziska Roth (SP).

Ueli Wild
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Interpellantin Franziska Roth.

Interpellantin Franziska Roth.

Zur Verfügung gestellt

«Welche Massnahmen», fragt Franziska Roth (SP, Solothurn») in ihrer Interpellation, «wurden seit 2009 zur Behebung des Mangels an ausgebildeten Lehrpersonen insbesondere an Schulischen Heilpädagoginnen und Heilpädagogen unternommen – und welche Auswirkungen haben sie?»

In der nun vorliegenden Stellungnahme verweist der Regierungsrat auf die Beantwortung einer früheren Interpellation im Februar 2010. Damals wie heute sei «der Mangel an ausgebildeten Lehrpersonen eine Tatsache, auch in den kommenden Jahren.»

Dann muss der Regierungsrat jedoch erst mal passen: Wie viele Lehrkräfte ohne stufengerechte Lehrberechtigung (verteilt auf die einzelnen Schultypen) unterrichten, kann er nicht feststellen. Die im Einsatz stehende Software stamme aus den Neunzigerjahren und ermögliche keine verlässliche statistische Auswertung.

Das Erfassungssystem des Volksschulamtes müsse in den nächsten Jahren ersetzt werden. Heute könnten zahlreiche Detailantworten nur mit einem unverhältnismässigen, enormen zeitlichen Aufwand von mehr als einer Arbeitswoche herausgezählt werden.

Zahlen für Bereich Heilpädagogik

Fest steht: Im Schuljahr 2012/2013 unterrichten 343 Lehrpersonen ohne den Berufsabschluss Schulischer Heilpädagoge/Schulische Heilpädagogin einen Anteil von 48,5 Prozent der Gesamtlektionenzahl im Bereich Spezielle Förderung bzw. Kleinklassen.

Als nicht angemessen ausgebildet sind darin allerdings, wie die Regierung anmerkt, auch Lehrpersonen erfasst, die sich in integrativer Schulung weitergebildet haben oder die als Förderlehrpersonen für den Unterricht in temporären mathematischen und sprachlichen Bereichen qualifiziert sind.

Im Bereich Heilpädagogik wurden im Zeitraum 2009–2012 277 Personen erfasst. Bei einer durchschnittlichen Studiendauer von vier bis sechs Semestern könne man somit von jährlich rund 20 bis 25 Abschlüssen ausgehen, schreibt der Regierungsrat. Für die Heilpädagogikstudierenden wurden in den letzten vier Jahren 3,9 Mio. Franken bezahlt. Mit den zusätzlichen subventionierten Entlastungslektionen von 1,44 Mio. Franken ergibt dies einen Gesamtbetrag von 5,34 Mio. Franken.

«Im Bereich Heilpädagogik», bestätigt die Regierung, «sind keine weitergehenden Massnahmen hinsichtlich der Ausbildung ergriffen worden.» Weiterhin gültig bleibe das Angebot, die Ausbildung zur Schulischen Heilpädagogin berufsbegleitend mit vier bezahlten Entlastungslektionen zu absolvieren.

Mit der flächendeckenden Umsetzung der Speziellen Förderung ab dem Schuljahr 2014/2015 werde das Berufsbild der Schulischen Heilpädagogin auf eine sichere, verlässliche Basis gestellt.» Das werde dazu beitragen, dass der Beruf wieder vermehrt studiert werde.

Eigentlich befristet

In Paragraf 50 des Volksschulgesetzes (VSG) wird die Lehrberechtigung für die Stufe geregelt und festgelegt, dass Lehrpersonen ohne anerkannte Lehrdiplome nur befristet angestellt werden können, und zwar während längstens vier Jahren.

Laut Paragraf 38 Absatz 2 des Gesamtarbeitsvertrages von 2004 geht ein befristetes Arbeitsverhältnis, das länger als vier Jahre dauert, in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis über. Dies Umwandlung ist in den Augen des Regierungsrates jedoch problematisch. Die Verhandlungen der Sozialpartner zu einer Anpassung im GAV hätten «bisher allerdings zu keinen Ergebnissen geführt», fügt der Regierungsrat mit Bedauern bei.

Würden die 48,5 Prozent der Lektionen, die heute durch nicht adäquat ausgebildete Personen erteilt werden, durch Schulische Heilpädagogen ersetzt, hätte dies laut der Regierung rund 1,5 Mio. Franken zusätzliche Lohnkosten zur Folge. Diese Grösse bleibe aber hypothetisch, denn einen Vollbestand habe es noch nie – und werde es auch nicht geben.

Die Ausschreibung von Stellen mit nicht genügend qualifizierten Lehrpersonen befürwortet der Regierungsrat «auf jeden Fall». Eine Ausschreibung sei allerdings kein Mittel gegen den Mangel an ausgebildeten Lehrpersonen, da keine auf Arbeitssuche seien. Die explizite Anstellung von – billigeren – nicht angemessen ausgebildeten Lehrpersonen als Sparmassnahme sei ihm nicht bekannt, schreibt der Regierungsrat.

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