Einbruchsprävention
Solothurner Polizeiautos als Vogelscheuchen gegen Einbrecher?

Streifenwagen in Quartieren wirken abschreckend – im Kanton Solothurn ist das jedoch nur ein netter Nebeneffekt.

Sven Altermatt
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Im Kanton Solothurn sind parkierte Dienstfahrzeuge keine Strategie zur Abschreckung von Einbrechern. (Symbolbild)

Im Kanton Solothurn sind parkierte Dienstfahrzeuge keine Strategie zur Abschreckung von Einbrechern. (Symbolbild)

Keystone/PETER SCHNEIDER

Alarmanlagen, Überwachungskameras oder Sicherheitsschlösser – es gibt zahlreiche Mittel, seine Wohnung vor Einbrechern zu schützen. Doch etwas dürfte bei ungebetenen Gästen erst recht Fluchtinstinkte auslösen: ein Polizeiauto am Strassenrand. Davon jedenfalls ist eine Leserin aus dem Thal überzeugt. «Seit bei uns im Quartier ein Polizist wohnt und regelmässig einen Streifenwagen bei sich vor dem Haus parkiert», berichtet sie, «kann ich beruhigt schlafen.» Schliesslich sei in der Region immer mal wieder eingebrochen worden.

Wer nachts durch Solothurner Gemeinden fährt, stösst mancherorts auf Streifenwagen der Kantonspolizei. «Das hat eine abschreckende Wirkung und ist so natürlich höchst erwünscht», sagt ein Polizist zu dieser Zeitung.

Werden die Autos also bewusst in Sinne der Einbruchsprävention in Wohnquartieren abgestellt? Kapo-Sprecher Bruno Gribi verneint dies auf Anfrage. «Im Rahmen des Pikettdienstes kommt es vor, dass Angehörige der Polizei Dienstfahrzeuge mit nach Hause nehmen.» Es handle sich aber nicht um eine gezielte präventive Massnahme, so Gribi. Doch auch er bestätigt: «Das Parkieren solcher Fahrzeuge in Wohnquartieren kann zweifellos eine präventive Wirkung haben.»

Aargau hat bewusste Strategie

«Rent a Cop», auch eine Geschäftsidee

Auf die Idee, ein unbemanntes Polizeiauto zur Einbruchsprävention einzusetzen, kamen auch schon findige Geschäftsleute: Eine Garage in Sursee vermietet ihren Kunden ein selbst gestaltetes Polizeiauto. Was zuerst vor allem Spott auslöste, wurde von den Kunden nachgefragt und stiess laut Medienberichten auf Anklang. (szr)

Tatsächlich setzten die Polizeikorps mehrerer Länder bewusst auf einen solchen Präventionseffekt. Polizisten sprechen in diesem Zusammenhang von einem Vogelscheuchen-Trick, und auch in der Schweiz wird dieser angewendet. So wurde bereits vor drei Jahren erstmals publik, dass die Aargauer Kantonspolizei bewusst auf Vogelscheuchen-Autos setzt. Das Prinzip ist simpel: Ältere Dienstwagen werden in Wohnquartieren mit potenziell hoher Einbruchsgefahr abgestellt.

Das Aargauer Korps bestätigte entsprechende Recherchen von Radio SRF. Es sei Teil der Strategie, dass man ältere Dienstfahrzeuge ab und zu für einige Tage in Wohnquartieren abstelle, so Präsenz markiere und hoffentlich Straftaten verhindern könne. Ob und wie sich die Geisterfahrzeuge auf die Zahl der Einbrüche in den betroffenen Quartieren ausgewirkt haben, ist statistisch nicht erfasst.

Die Strategie der Kollegen aus dem Nachbarkanton ist auch bei der Solothurner Kantonspolizei bekannt. Kopiert wird sie allerdings nicht, wie Sprecher Bruno Gribi erklärt. «Alte oder ausgemusterte Patrouillenfahrzeuge kommen bei uns in diesem Kontext nicht zum Einsatz.»