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Obergericht bestätigt: Pädophiler muss in stationärer Behandlung bleiben

Das Solothurner Obergericht bestätigt, dass ein 38-jähriger Pädophiler weiterhin in stationärer Behandlung bleiben muss. Zudem ordnete es ein Tätigkeitsverbot an.

Ornella Miller
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Davon, dass er eine Viereinhalbjährige missbraucht hat, wollte der Täter nichts wissen.

Davon, dass er eine Viereinhalbjährige missbraucht hat, wollte der Täter nichts wissen.

Symbolbild mt

Ein 38-jähriger Schweizer Pädophiler muss auch gemäss Obergericht in eine stationäre Therapie. Luc B. (Name geändert), der am 16. Dezember 2020 vom Amtsgericht Solothurn-Lebern wegen vollzogener und versuchter sexueller Handlungen mit Kindern verurteilt worden war, hatte die Schuldsprüche zwar nicht angefochten, sehr wohl aber das Strafmass von 28 Monaten Gefängnis (unbedingt) sowie die stationäre Massnahme. Kurz vor der Obergerichtsverhandlung nahm er die Berufung gegen das Strafmass zurück. Somit blieb noch, über eine stationäre Massnahme und über ein Tätigkeitsverbot zu befinden.

Tochter einer Bekannten missbraucht

Was hatte der einschlägig Vorbestrafte getan? Luc hatte Ende Oktober 2016 die viereinhalbjährige Tochter einer Bekannten in deren Abwesenheit in seinem damaligen Domizil im Bezirk Lebern sexuell missbraucht. Während er mit ihr im Bett lag und ihr ein Fläschchen gab, zog er deren Hose herunter und fummelte an ihrer Vagina herum, bis sie über Schmerzen klagte, und er führte schliesslich seinen Finger darin ein.

Beim zweiten, dem versuchten Delikt wurde er von der Zürcher Polizei quasi auf frischer Tat ertappt. Ein Zürcher Kantonspolizist trat im Mai 2017 im Rahmen einer verdachtslosen Kontaktnahme auf einer Internetplattform in Verbindung zu ihm und gab sich dabei als 14-jährige Jugendliche aus. Luc forderte diese auf, sich mit ihm zu treffen und schrieb ihr, dass sie beim Treffen auch Geschlechtsverkehr haben würden. Am Zürcher Hauptbahnhof nahm die Polizei Luc fest. Seither ist er in Haft, seit Oktober 2017 im vorzeitigen Strafvollzug, seit drei Monaten in stationärer Therapie.

Bei Lucs langen Befragung im Gerichtssaal wurde deutlich, dass er sich als Opfer sieht. Er betrachtet die stationäre Massnahme als «weisse Folter», welche einen «richtig kaputt» mache. Er sei durch sie «psychisch geschädigt» worden. Auch aggressive Mitinsassen schädigten ihn. Besonders frustriert sei er, weil er nicht in seine von ihm gewünschte Institution eintreten konnte. Er finde eine ambulante Therapie angebracht. Teilweise nehme er gar angeordnete Medikamente, vor allem jene, welche seine Destruktivität hemmen. Obwohl er die Schuldsprüche nicht mehr angefochten hatte, äusserte Luc, dass diese Taten «nicht existieren», sie existierten «nur vor den Richtern». Er sagte: «Sie müssen die richtigen Täter suchen.»

Das machte es für seinen Anwalt Alexander Kunz noch schwieriger, ihn zu verteidigen. Luc äussere sich entgegen Vorabsprachen mit ihm, indem er wieder alle Taten bestreite. Kunz beschrieb Lucs Enttäuschungen, die zu «absoluter Verweigerungshaltung» führte. Etwa wie er ein psychiatrisches Gutachten optimistisch las, in dem es hiess, dass es «mindestens ein Jahr» bis zu einer bestimmten Lockerung daure. Luc habe dann gemeint, es daure bloss ein Jahr. Oder dass man Luc in die Auswahl einer Institution «so weit wie möglich» einbeziehen solle.

Mittelschwere Pädophilie und Persönlichkeitsstörung

Laut dem psychiatrischen Gutachter Michael Schlichting besteht bei Luc hauptsächlich eine behandelbare Persönlichkeitsstörung. Dabei gehe es um die Themen Macht/Ohnmacht. Unerträgliche Ohnmachtsgefühle versuche er nach aussen zu verlagern, so dass sie von ihm abgespalten und verdeckt seien. Die – mittelschwere - Pädophilie sei nur ein «Nebenstrang», aber mit der Persönlichkeitsstörung gekoppelt: Indem er andere in Ohnmacht versetze, lagere er seine eigene Ohnmacht aus.

Auch eine etwas verminderte Intelligenz komme hinzu. Schlichting sah keine Alternative zur stationären Massnahme. Luc brauche verlässliche Strukturen. Aggressionshemmende Medikamente seien wichtig, wenn möglich auch triebhemmende. Er sei in der derzeitigen ausserkantonalen psychiatrischen Klinik am richtigen Ort. Ohne Behandlung drohe Rückfall und auch Aggression durch Luc.

Das Gericht mit Daniel Kiefer, Hans-Peter Marti und Rolf von Felten ordnete nebst der nicht aussichtslosen stationären Massnahme auch ein Tätigkeitsverbot sowie bei Weiterzug des Urteils Sicherheitshaft an.

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