Die Klostermauern sind seit dem zweiten Vatikanischen Konzil und der Synode 72 durchlässiger geworden. Die Ordensleute freuen sich über mehr Privatsphäre, Freitage, Ferien und Weiterbildungsmöglichkeiten. Parallel dazu beklagen alle den fehlenden Nachwuchs und die daraus resultierenden wirtschaftlichen Herausforderungen.

Daran scheiterten auch die von 1588 bis 2003 in Solothurn heimischen Kapuziner, die wegen Mitgliedermangel ihre Gemeinschaft aufgaben. Da die Klosterliegenschaft getreu der Ordensregel, keinen Besitz zu hegen, dem Kanton gehört, ist noch offen, wie das Gebäude dereinst definitiv genutzt werden soll.

Am meisten Nachwuchs verzeichnet im Bistum Basel das 1961 in Solothurn von Migrantinnen gegründete Säkularinstitut der Scalabrini-Missionarinnen. Sie bewohnen das Kloster
St. Josef in Solothurn. Seit die letzten Ordensschwestern das Josefskloster verlassen haben - eine Schwester lebt im Elisabethenheim auf dem Bleichenberg und eine Schwester im Kapuzinerinnenkloster Namen Jesu -, gehört die Liegenschaft dem bischöflichen Verein Basilea.

Die Scalabrini-Gemeinschaft hatte 1997 einen Teil des 1962 bis 1964 neu errichteten Klosters bezogen, da dieses für die wenigen verbliebenen Klosterfrauen zu gross geworden war.

Als sich 1956 die Klosterpforte hinter Schwester Luzia Willi schloss, trat die Novizin einer Gemeinschaft von 36 Schwestern bei, deren Durchschnittsalter 50 Jahre betrug. Heute leben 16 Ordensfrauen im Namen Jesu, und ihr Durchschnittsalter ist auf 75 Jahre angewachsen. «Neueintritte sind spärlich geworden. Trotzdem glaube ich an die Zukunft der Klöster, die in jeder Hochreligion eine wichtige Stellung einnehmen - jedoch mit neuen Formen des Zusammenlebens», resümiert Schwester Luzia Willi, Frau Mutter vom Namen Jesu. «In den letzten fünf Jahrzehnten hat sich im Klosteralltag mehr verändert als in den dreihundertfünfzig Jahren davor», konstatiert sie.

Besorgten die Schwestern früher alle Arbeiten alleine, helfen nun Angestellte in Haus und Garten mit. Die einschneidendsten Neuerungen brachte das Konzil mit gelockerter Klausur und dem Öffnen nach aussen. Auch von ökonomischen Umbrüchen blieb das Kloster nicht verschont. Schwester Luzia Willi: «Wir mussten viel Liebgewordenes wie die Landwirtschaft, die Mädchenschule und die Klosterapotheke aufgeben.»

Heute lebt die Schwesterngemeinschaft von der Hostienbäckerei und von der AHV. «Dies deckt unseren Lebensunterhalt. Wir werden von keiner offiziellen Seite subventioniert», bemerkt sie stolz. «Selbstverständlich freuen wir uns über Spenden. Doch kalkulieren wir diese nicht ein.»

Prekär präsentiert sich die Situation im Kloster Visitation. Die Salesianerinnen leben weitgehend von der AHV und Zuwendungen. Seit sie die Klosteranlage dem Verein Basilea überschrieben haben, fallen Mieteinnahmen weg. Innert Jahresfrist sind drei Nonnen gestorben. Kürzlich hatte die Gemeinschaft zudem den Wegzug von Schwester Jeanne-Noëmi zu verkraften. Mit 74 Jahren war sie die Jüngste und ist nun nach 32 Jahren Zugehörigkeit aus dem Orden ausgetreten.

Frau Mutter Schwester Marie-Dominique: «Wir müssen diesen Schritt akzeptieren. Die indischen Schwestern, die bei uns leben, und die beiden Schwestern Affilié, die extern wohnen, haben gemeinsam mit dem Förderverein zusätzliche Aufgaben übernommen. Ohne diese Hilfe könnten wir verbleibenden vier Visitantinnen den Klosteralltag nicht mehr bewältigen. Doch wir schauen mit Gottvertrauen in die Zukunft.»

Eine der aktivsten Gemeinschaften ist das von Oberin Marie-Theres Rotzetter geführte Seraphische Liebeswerk, welches mit dem Antoniushaus, der Haushaltungsschule Theresiahaus, dem Tagesheim für Kinder Ziegelmatte und den Beratungsstellen Sozialberatung SLS und Scala ein grosses Sozialwerk betreut. Neunundfünfzig Schwestern verschiedener Generationen leben zusammen, darunter sind elf Schwestern aus der 1979 auf den Philippinen gegründeten Gemeinschaft. Zusammen mit ihren Mitarbeitenden erfüllen sie die vielfältigen sozialen und administrativen Aufgaben.

In Solothurn nicht wegzudenken sind auch die Spitalschwestern, deren Gemeinschaft heuer ihr 225-Jahr-Jubiläum feiert und die eng mit dem Bürgerspital verbunden war. Heute nehmen die betagten Schwestern keine Spital-Aufgaben mehr wahr. Ausser Schwester Verena Walter, die eine Gruppe von Sterbebegleiterinnen leitet.

Auch bei ihnen haben alle das Pensionsalter längst überschritten. Sie widmen sich vermehrt dem geistigen Leben und ihrer Hausgemeinschaft von 16 Schwestern. Frau Mutter Regula Scheidegger: «Den letzten Eintritt verzeichneten wir vor achtunddreissig Jahren. Früher eröffnete ein Ordensbeitritt Frauen Bildungszugang und die Möglichkeit, sich sozial zu betätigen. Heute braucht es andere Lebensformen, um das Evangelium weiterzutragen.»