Kanton Solothurn / Ukraine
Solothurner mit ukrainischen Wurzeln sorgen sich um das Schicksal der fernen Heimat

Sie leben in der Region Solothurn, haben aber Wurzeln in der Ukraine. So sorgen sich um die Zukunft des Landes aber auch um Familienangehörige und Freunde, welche noch in der alten Heimat leben.

Philipp Eng
Drucken
Teilen
Vermag je nach Entwicklung eine Spaltung der Ukraine nicht völlig auszuschliessen: Marina Ritter.

Vermag je nach Entwicklung eine Spaltung der Ukraine nicht völlig auszuschliessen: Marina Ritter.

peg / ky

Angst, Enttäuschung und Ungewissheit sind Dinge, welche Marina Ritter mit der momentanen Situation in der Ukraine verbindet. Ritter wurde als Tochter einer Ukrainerin in Berlin geboren und kam darauf in die Schweiz.

Nach dem Abschluss der Matura an der Kantonsschule Solothurn begann sie vergangenen September, Rechtswissenschaften an der Universität in Zürich zu studieren. Nicht nur dass ihre Mutter momentan für ein paar Wochen in Kiew weilt, um nach ihrer Familie zu sehen, macht der 20- Jährigen aus Subingen zu schaffen, sie wird auch von grossen Sorgen um Verwandte und Bekannte geplagt, welche teilweise inmitten der ukrainischen Unruhen leben.

Unsicherheit über die Zukunft

Sie berichtet von engem Kontakt mit ukrainischen Verwandten per Skype und von deren Unsicherheit über die Zukunft. Von ihren Verwandten weiss sie zu berichten, dass der öffentliche Verkehr teilweise zum Erliegen gekommen ist, Banken geschlossen und Supermärkte leergekauft wurden und gerade Personen rund um Kiew durch die Aufstände teilweise auch in Lebensgefahr schweben würden.

Die Ukraine sei in ein totales Chaos gestürzt worden. Der Bevölkerung sei völlig ungewiss, wie es mit der Ukraine weitergehen wird. Sicher sei für sie nur, dass, solange es keinen grossen Wandel in der politischen Situation gebe, sich an ihrer aktuell schwierigen Lage auch nichts ändern würde. Die Frustration ihrer Regierung gegenüber sei gross und somit liege die Option eines Anschlusses an Russland sehr nahe.

Ritter meint, die Medien ausserhalb der Ukraine würden vor allem die Seite der hohen Politiker beleuchten und die Bevölkerung ausser Acht lassen. Die Meinungen und Wünsche der Ukrainer, so Ritter, gingen nämlich sehr auseinander.

Der Westen wolle sich stärker der EU annähern, während der Osten sich erfreut zeige über Putins Druck und sich Russland anschliessen wolle. Im Falle einer solchen Spaltung zwischen dem Osten und dem Westen seien bewaffnete Auseinandersetzungen praktisch programmiert, prognostiziert Ritter.

Grosse Trauer und Enttäuschung lösten auch die Bilder aus Kiew in der Schweizerin aus, als sie sehen musste, wie die wunderschöne Stadt, welche genauso einen Platz in ihrem Herzen hat wie die Schweiz, durch Vandalismus und Gewalt zerstört wurde, während Aufständen und Unruhen in Kiew.

Sehr ähnlich erlebt es auch Nataliya Fiechter (40), Übersetzerin und Dolmetscherin für Ukrainisch, Russisch und Deutsch aus Safenwil, ehemals im solothurnischen Walterswil wohnhaft.

Verwandte in Kiew

Fiechter wuchs in der ukrainischen Hauptstadt Kiew auf, heiratete einen Schweizer und zog daraufhin in die Schweiz und lebt hier mit ihrer Familie. Ihre Eltern, ihr Bruder und ein grosser Teil ihres Freundeskreises wohnen noch immer in der Ukraine und nicht wenige davon direkt in Kiew.

Mit all diesen Personen und durch ihre eigene Geschichte hat auch sie, gleich wie Ritter, sehr engen Kontakt und informiert sich immer wieder nach deren Wohlergehen. Gleich wie Ritter plagen auch Fiechter starke Sorgen um die Zukunft ihres Mutterlandes und auch sie sieht ebenfalls eine Spaltung in Ost und West auf das Land zukommen.

Sie betrachtet einen Krieg als weniger wahrscheinlich wie Ritter, doch auch Fiechter weiss um die Gefahr einer Eskalation der Situation und schliesst somit einen Krieg trotzdem nicht ganz aus.

Fiechter berichtet über die starke kulturelle, sprachliche und historische Verbundenheit zu Russland, und diese fühle man auch unter den Menschen in der Ukraine. Jedoch sieht sie einen Anschluss an den Europäischen Wirtschaftsraum als eindeutig zukunftsorientierter als eine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland.

Was die Medienberichte ausserhalb der Ukraine betrifft, äussert sich Fiechter folgendermassen: Die Medienberichte seien viel zu oberflächlich und auch die Schweizer Medien gingen nicht tief genug in das Thema hinein.

Die Ukrainer, welche die ganze Situation «vor ihrer Haustüre zu spüren bekommen», erleben das Ganze viel härter, als es hierzulande berichtet wird. Auch Fiechter selbst fällt es schwer, sich genau in die Situation hineinzufühlen, da sie so weit entfernt von der Ukraine lebt.

Aktuelle Nachrichten