Solothurner Schüler zieht es nur selten in andere Regionen der Schweiz oder gar ins Ausland. Umso mehr verreisen indes die Lehrerinnen und Lehrer: Die sogenannten Mobilitätsprojekte werden immer beliebter. So hat zum Beispiel Manuela Stucki, Mathematiklehrerin an der Kantonsschule Solothurn, gleich an zwei Austauschprojekten im englischsprachigen Raum teilgenommen.

Organisation und Durchführung solcher Mobilitätsprojekte sind einfacher als ein Klassenaustausch, an dem Schweizer Schulen dank strategischen Partnerschaften als assoziierte Partner teilnehmen können. Die Mobilitätsprojekte der Schweizer Schulen und anderer Bildungsinstitutionen werden ausschliesslich durch Bundesgelder finanziert.

Die Movetia Agentur, die 2017 die CH-Stiftung abgelöst hat, prüft die Projekte und fördert sie allenfalls. «Die antragstellende Schule trägt die alleinige Verantwortung für die Organisation und die Durchführung des Projekts», erklärt Nadine Habegger, Projektmitarbeiterin für europäische Projekte bei Movetia. Dennoch müssen die Lehrpersonen, wie auch Stucki erklärt, einiges an organisatorischer Leistung aufbringen.

Papierkrieg bleibt in der Kanti

Bei der finanziellen Unterstützung dient die Schule als Hauptkoordinatorin, die Zuschüsse werden an die Schulen übergeben und diese leiten sie an die Lehrer weiter. «Die Schule hat den Lehrpersonen fast den gesamten Papierkrieg abgenommen», sagt Dieter Müller, Konrektor des Gymnasiums Solothurn. Die finanzielle Unterstützung sei erfreulicherweise grosszügig, es werden Beiträge für den Unterhalt, für die Kurs- sowie für die Reisekosten gesprochen. Dies sei eine Erleichterung für die Lehrpersonen, die bereit seien, während der unterrichtsfreien Zeit an einem Austausch teilzunehmen.

Als der bilinguale Lehrgang Deutsch-Englisch an der Kantonsschule eingeführt wurde, mussten die Lehrpersonen befähigt werden, in beiden Sprachen zu unterrichten. Die Grundvoraussetzungen, um auch auf Englisch zu unterrichten, seien mindestens ein Proficiency-Sprachdiplom, also nach europäischem Referenzrahmen ein C2-Sprachniveau, sowie ein Immersionskurs. «Erfreulicherweise haben sich bei der ersten Erhebung rund zwanzig Lehrpersonen angemeldet, die auch auf Englisch unterrichten wollen», sagt Dieter Müller. Von diesen zwanzig haben seit 2014 bereits zehn Lehrpersonen an einem Austauschprojekt teilgenommen.

Eine Klasse lauter Lehrer

«Auf Englisch unterrichten und andere Kulturen kennenlernen waren die Motivationen, um an einem Austausch teilzunehmen», erzählt Manuela Stucki, Mathematiklehrerin an der Kantonsschule Solothurn. Im Juli 2015 ging Stucki während den Sommerferien zwei Wochen nach London, um im «Center of English Studies» Kurse zu besuchen, die speziell auf das zweisprachige Unterrichten fokussiert waren.

In einer internationalen Klasse betreute ein Dozent die vielen Lehrer mit ganz unterschiedlichem Hintergrund, die wiederum in die Schülerrolle schlüpften. «Es war sehr spannend, viele verschiedene Angehensweisen kennenzulernen», betont Stucki.

Schliesslich sei es auch ein gesellschaftlicher Austausch gewesen – gemeinsam nahmen alle nach dem Unterricht an verschieden Aktivitäten teil, um auch in diesem Sinne den Austausch zu geniessen. «Nach diesem sehr intensiven und ertragreichen Projekt merkte ich, dass mir einige fachliche Ausdrücke für das Unterrichten auf Englisch noch fehlten», sagt Stucki.

Einzelunterricht in Irland

Um das Problem der fehlenden Fachlexik anzugehen, entschied sich Stucki für die Teilnahme an einem zweiten Austauschprojekt. Während den Sportferien reiste die Mathematiklehrerin zwei Wochen nach Irland in eine Gastfamilie. Gemeinsam mit der Gastmutter, auch eine Mathematiklehrerin, konnte sie zu Hause im Einzelunterricht wertvollen Wortschatz erarbeiten. «Der Austausch mit erfahrenen Lehrpersonen ist immer sehr produktiv», unterstreicht Stucki.

Zudem konnte sie englische Unterrichtsmaterialen kennenlernen, die auch für den Unterricht an der Kantonsschule geeignet sind. «Passende, gute Unterlagen auf Englisch zu finden, ist eine schwierige Aufgabe», betont Stucki und auch Dieter Müller bestätigt, dass dies in vielen Fächern die grösste Herausforderung des bilingualen Lehrganges sei. Nebst der individuellen Betreuung war im zweiten Austauschprojekt die Einbettung in die Familienstruktur äusserst interessant, «ich konnte in einen ganz anderen Lebensalltag eintauchen», erklärt Manuela Stucki.

Der Aufwand, der vor und während diesen Projekten erbracht werde, sei sehr gross, aber es lohne sich definitiv. Wie Stucki haben auch die anderen Lehrpersonen, die einen Austausch gemacht haben, viele positive Feedbacks an die Schulleitung weitergegeben, wie Müller erfreut beobachtet.

Dieses Jahr werden dennoch keine Austauschprojekte lanciert. «Es wäre momentan wegen einer Umstrukturierung der Stiftungen kompliziert», sagt Dieter Müller, der Zeitrahmen sei zu knapp gewesen und es hätten bereits konkrete Kontakte und genaue Durchführungsmethoden vorgestellt werden müssen.