Grippesaison
Solothurner lassen sich gerne gegen Grippen impfen, das Spitalpersonal weniger

Es gibt immer mehr Impfapotheken, nach wie vor tief ist die Impfrate aber beim Spitalpersonal. Mittlerweile kann man sich auch in 14 Apotheken im Kanton impfen lassen.

Urs Moser
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Am nationalen Impftag am 3. November beteiligen sich rund 60 Solothurner Arztpraxen. Mittlerweile kann man sich auch in 14 Apotheken im Kanton impfen lassen.

Am nationalen Impftag am 3. November beteiligen sich rund 60 Solothurner Arztpraxen. Mittlerweile kann man sich auch in 14 Apotheken im Kanton impfen lassen.

Oliver Menge

Während wir noch die letzten Spätsommertage genossen hatten, zog man auf der Südhalbkugel Bilanz über einen harten Grippewinter. Australien hat die schlimmste Grippesaison seit vielen Jahren hinter sich. Nicht nur die die Zahl der Influenza-Infektionen war deutlich höher als in den vergangenen Jahren, die Krankheit verlief selbst bei einigen zuvor gesunden, jungen Menschen tödlich. Für Aufsehen sorgte etwa der Fall eines 30-jährigen Familienvaters: Vier Tage nach den ersten Grippesymptomen wurde er stationär in einem Spital aufgenommen, zwei Tage später erlag er den Komplikationen. «Die Menschen bekommen nicht einfach nur die Grippe», sagte der Gesundheitsminister des australischen Bundesstaates Victoria, Jill Hennessy. «Sie werden sehr, sehr krank.»

Droht nun auch uns eine besonders heftige, gefährliche Grippewelle? Manche Experten warnen davor, da erfahrungsgemäss die Influenzastämme, die in unseren Sommermonaten auf der Südhalbkugel zirkulieren, im Winter unsere Breitengrade erreichen. Beim kantonsärztlichen Dienst in Solothurn hält man sich allerdings an die vorsichtigere Sprachregelung des Bundesamts für Gesundheit: Welche Virentypen hier in der Grippesaison zirkulieren werden, lasse sich ebenso wenig genau vorhersagen wie zu erwartende Zahl der Ansteckungen.

Beliebte Impfapotheken

Fest steht: Der beste, wenn auch nicht hundertprozentige Schutz ist die Impfung. Es gibt keine verlässlichen Daten zur Impfrate, im Kanton Solothurn dürfte sie aber sicher zugenommen haben, seit hier wie in vielen anderen Kantonen Apotheken die Grippeimpfung rezeptfrei anbieten dürfen. Das ist seit 2015 der Fall, zunächst nahmen sechs Apotheker die Mühe einer Zusatzausbildung und der speziellen räumlichen Einrichtung ihrer Apotheke auf sich, um eine Bewilligung zu erhalten. In der Grippesaison 2016/17 waren es neun, damals liessen sich 418 Personen in den Apotheken impfen. Tendenz steigend. Die Nachfrage nehme kontinuierlich zu, berichtet etwa Barbara Wernli von der Hammer Apotheke in Olten: Im ersten Jahr führte sie 30 Impfungen durch, letztes Jahr waren es bereits doppelt so viele. Eine Erhebung durch die Dachorganisation PharmaSuisse zur Impfaktion 2016/17 auch im Kanton Solothurn ergab: Rund 15 Prozent der Befragten wurden erst durch die Impfkampagne in den Apotheken überhaupt auf die Grippeimpfung aufmerksam, mit dem Angebot dürfte sich die Impfrate demnach eindeutig steigern lassen. Die meisten der heute 14 Impfapotheken bieten das Angebot ab Ende Oktober/Anfang November an, eine Voranmeldung ist oft nicht nötig. Die Impfung kostet in den meisten Apotheken zwischen 30 und 40 Franken. Für den nationalen Impftag am 3. November, an dem sich um die 60 Arztpraxen im ganzen Kanton beteiligen, liegt der vom Kollegium für Hausarztmedizin empfohlene Pauschalpreis bei 30 Franken.

Impffaules Pflegepersonal

Ein Dauerbrenner-Thema, wenn es um die nächste Grippewelle geht: Die Ansteckung im Spital. Es gibt (allerdings umstrittene) Schätzungen, dass in der Schweiz jährlich bis zu 300 Patienten sterben, weil sie im Spital mit der Grippe infiziert wurden – sei es durch das Spitalpersonal, Besucher oder andere Patienten. Und ausgerechnet unter den Angehörigen der Gesundheitsberufe scheint die Impfskepsis weit verbreitet zu sein. Das ist beim Spital der Solothurner Spitäler AG (soH) nicht anders: Lediglich 19 Prozent des Pflegepersonal lassen sich impfen, bestätigt Sprecher Hannes Trionfini. Bei den Ärzten steigerte sich die Impfrate in den letzten beiden Jahren von 40 auf 47 Prozent. Man verfügt bei der soH zwar über keine Daten, wie viele Patienten sich effektiv im Spital anstecken, aber dass sich die Sterblichkeit bei den Patienten durch die Impfung des Personals senken lasse, sei allgemein bekannt, so Trionfini.

Man wolle deshalb die Mitarbeitenden aus dem medizinischen Bereich mittels einer «weitreichenden Informationskampagne auf diversen Kanälen» von der Wichtigkeit einer Grippeimpfung überzeugen. Das Personal kann sich an zwei Daten kostenfrei impfen lassen. Weiter läuft dieses Jahr in den Solothurner Spitälern die Aktion «Jede Impfung zählt»: Pro geimpftem Mitarbeiter spendet die soH einen Franken an «Jeder Rappen zählt», die jährliche Spendenaktion von Schweizer Radio und Fernsehen SRF zusammen mit der Glückskette, dieses Jahr für die Schul- und Ausbildung von Kindern.

Mitarbeitenden ohne Grippeimpfung wird in den Solothurner Spitälern bei Patientenkontakt das Tragen einer Maske empfohlen. Patienten, die mit Fieber und Husten in die Notfallstation kommen, bekommen direkt bei Eintritt ebenfalls eine Gesichtsmaske und werden möglichst schnell isoliert. Besucher macht man mit Plakaten auf Verhaltensmassnahmen aufmerksam.