Solothurner Kunstpreise
Sie lässt sich von der Natur inspirieren: Für ihr Schaffen wurde Malerin Marie-Theres Amici mit dem Kunstpreis ausgezeichnet

Im Parktheater Grenchen fand die Verleihung der Kunst-, Fach- und Anerkennungspreise statt. Der Kunstpreis ist die höchste kulturelle Auszeichnung, die vom Kanton Solothurn verliehen wird.

Online-Redaktion
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Kunst- und Kulturpreise Kanton Soloturn: erste Reihev.l. Marie-Therese Amici, Susanne Schaffner, Nancy Wälti2. Reihe: v.l. Kathrin Altwegg-von Burg, Flavia Schaub, Regula Portillo, Maria Dundakova,Hintere Reihe: v.l. Fabian Capaldi, Urs Amiet, Anja Gysin, Rainer von Arx.

Kunst- und Kulturpreise Kanton Soloturn: erste Reihev.l. Marie-Therese Amici, Susanne Schaffner, Nancy Wälti2. Reihe: v.l. Kathrin Altwegg-von Burg, Flavia Schaub, Regula Portillo, Maria Dundakova,Hintere Reihe: v.l. Fabian Capaldi, Urs Amiet, Anja Gysin, Rainer von Arx.

Hanspeter Bärtschi / SZ

Grosse Preisverleihung im Parktheater Grenchen: Am Montagabend vergab der Solothurner Regierungsrat die Kunst-, Fach- und Anerkennungspreise. Der Malerin Marie-Theres Amici wurde der Kunstpreis überreicht, neun weitere Persönlichkeiten erhielten Fach- und Anerkennungspreise.

Das sind die Preisträgerinnen und Preisträger:

Marie-Theres Amici, Malerin

Marie-Theres Amici.

Marie-Theres Amici.

Zvg

Marie-Theres Amici, 1943 geboren und in Solothurn aufgewachsen, lässt sich in ihren Arbeiten von der Natur inspirieren: Dabei entstehen jedoch nicht konventionelle Landschaften, heisst es in der Laudatio. Denn es gelinge der Künstlerin, das direkte Erleben der Natur in einer sinnlichen und lebendigen Malerei auszudrücken. Die Künstlerin sucht in verborgenen, stillen Wald- oder Uferbereichen eine changierende Welt von Spiegelung und Transparenz.

«Lange dem ‹Wüsten› nachmalen, denn dahinter versteckt sich das andere, dem unsere Sehnsucht gilt», sagte Marie-Theres Amici einmal. Als Zeichnerin begibt sie sich mitten in die Elemente, um ihr Motiv so genau wie möglich zu erfassen, nimmt alles auf, ohne zu werten. Später, an der Leinwand, stehen nicht die virtuose Wiedergabe, sondern der Ausdruck einer ganz persönlichen Interpretation, die Leichtigkeit und Frische, der Einfallsreichtum einer Improvisation im Vordergrund. Marie-Theres Amici erhielt viele Auszeichnungen und Stipendien, wie zum Beispiel 2006 ein Werksemester der Zuger Kulturstiftung Landis & Gyr in London. Die Künstlerin lebt heute in Luzern.

Für ihr langjähriges künstlerisches Schaffen erhält Marie-Theres Amici den Kunstpreis des Kantons Solothurn 2021.

Urs Amiet, Fotograf

Urs Amiet.

Urs Amiet.

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Der Mathematiker, Optiker und Astronom Ibn al-Haitham entwickelte um 980 nach Christus die Camera Obscura. Er wollte damals eine Sonnenfinsternis beobachten, verdunkelte dafür einen Raum und liess nur ein winzig kleines Loch offen. Über 1000 Jahre später hat sich der Solothurner Fotograf Urs Amiet auf Bilder mit der Camera Obscura spezialisiert. Er geht damit dem Wesen der Fotografie auf den Grund, geht zu ihren Wurzeln zurück. Was ist ihr Geheimnis? Camera-Obscura-Bilder sind gemäss Kanton «fantastische Bilder eines langen Augenblickes, welche die Fantasie des Betrachters und der Betrachterin entfachen.»

Urs Amiet wurde 1966 in Solothurn geboren, ging hier zur Schule und besuchte nach der Matura den Vorkurs an der Schule für Gestaltung in Basel. Danach bildete er sich zum Grafiker aus und ist seit 1992 selbstständig und führt ein eigenes Grafikatelier. Seit 22 Jahren arbeitet er mit der Camera Obscura und erschafft «Bildserien von faszinierender Schönheit und Rätselhaftigkeit.» Die Bilder entwickelt Urs Amiet im Studio in der Dunkelkammer durch analoge Technik. Für seine Serie «Wasserfahrten» setzte er vor drei Jahren eine Lochkamera aufs Wasser. Je nach Gewässer ist er mit einem Boot oder mit Wasserstiefeln und Schwimmweste der Lochkamera gefolgt, hat sie wieder eingefangen und ihre Bilder entwickelt.

Als Anerkennung für sein künstlerisches Schaffen verleiht der Kanton Solothurn Urs Amiet den Preis für Fotografie 2021.

Fabian Capaldi, Musiker

Fabian Capaldi.

Fabian Capaldi.

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Fabian Capaldi wurde 1984 in Olten geboren und entdeckte mit sieben Jahren seine Leidenschaft zur Musik. Er begann mit dem Saxophonunterricht in der Jugendmusik Olten und entschied sich nach Abschluss der Rekrutenschule in der Swiss Army Band, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Fabian Capaldi besuchte den Vorkurs der Swiss Jazz School in Bern.

Von 2006 bis 2013 absolvierte er sein Bachelor-Studium sowie die beiden Masterstudiengänge «Master of Arts in Music / Performance Jazz» und «Master of Arts in Musikpädagogik» an der Hochschule Luzern. Beide Masterstudiengänge schloss er mit Bestnote ab. Im Jahre 2010 erhielt Fabian Capaldi den Förderpreis der Friedl Wald Stiftung und im Jahre 2014 den Förderpreis für Musik des Kantons Solothurn.

Schon früh begann Fabian Capaldi mit diversen Bands und Projekten aufzutreten. In seiner Arbeit sucht Capaldi immer wieder neues Terrain. Seine stilistische Bandbreite reicht von Jazz über Soul und Funk bis Pop. Er spielte in den Bands vieler bekannter Musikerinnen und Musiker: Amy Macdonald, Gloria Estefan, Donna Summer, DJ Bobo, Pepe Lienhard, Joy Denalane, Seven, Marc Sway, Stefanie Heinzmann, Fabienne Louves, um nur einige Namen zu nennen.

Aufnahmen für Radio und Fernsehen, Studioproduktionen für Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt und Konzerte über den Globus verteilt, begleiten seinen musikalischen Werdegang. Wie etwa seit letztem Frühling, als Fabian Capaldi im Orchester zu «Sing meinen Song – Das Schweizer Tauschkonzert» spielte und mit Stars wie Beatrice Egli, Dodo, Kunz, Jaël, Adrian Stern, Ta’Shan und Seven auftrat.

Der Kanton Solothurn verleiht Fabian Capaldi für sein «facettenreiches Schaffen», wie er schreibt, den Preis für Musik 2021.

Maria Dundakova, Kunstschaffende

Maria Dundakova.

Maria Dundakova.

Zvg

Der Lebenslauf von Maria Dundakova ist geprägt von Reisen, Leben und Arbeiten in verschiedenen Ländern, von Umbrüchen und dem grossen Willen, immer wieder Neues zu erschaffen. Ein Blick auf die Geschichte Europas lässt erahnen, wie stark die politischen Wirren das Leben der Kunstschaffenden beeinflusst haben.

1939 in Sofia geboren, wo sie an der Kunstakademie studiert hat, musste die Kunstschaffende einen Stipendienaufenthalt in Prag 1968 wegen der Niederschlagung des Prager Frühlings abbrechen und in ihr Heimatland zurückkehren. Zwei Jahre später gelang ihr die erneute Ausreise. In Lodz, der ehemaligen polnischen Hochburg der Textilproduktion, zeigte sie im Museum grosse textile Arbeiten.

Später lebte sie in Paris und gewann 1971 die «Médaille d’argent de la Ville de Paris» für ihre Soft-Skulpturen. 1972 zog Maria Dundakova in die Schweiz und wurde Mutter einer Tochter. Es folgte die erste Einzelausstellung ihrer Werke im Kunstmuseum von Lausanne.

Maria Dundakova präsentiert Ihre Arbeiten weltweit: In der umfangreichen Liste von Ausstellungsorten tauchen Namen wie Basel, Bonn, Dublin, Milano, München, Paris, Peking oder Sao Paolo auf. Ebenso vielfältig wie die Liste ihrer Ausstellungen sind die Techniken, der sie sich bedient: Textiles, Malerei, Zeichnung, Skulptur, Video, Fotografie, Experimentieren und Gestalten mit Tönen und Performance gehören zu ihrem Repertoire an Ausdrucksmitteln.

Am Montagabend überreichte ihr der Kanton Solothurn für ihr aussergewöhnliches Werk den Preis für Multimediale Kunst 2021.

Anja Gysin, Tanzschaffende

Anja Gysin.

Anja Gysin.

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Anja Gysin wurde 1979 in Solothurn geboren und begann im Alter von sechs Jahren mit Ballettunterricht. Dem Tanzen blieb sie treu, wenn auch Form und Intention ihres tänzerischen Schaffens sich im Laufe der Zeit änderten. In Freiburg im Breisgau schloss sie ihre Tanzausbildung ab und begann schon währenddessen, eigene Kunstprojekte zu initiieren.

Sie tanzte erfolgreich in Produktionen im In- und Ausland und erschafft seit 2006 ihre eigenen Tanzstücke. Dabei folgt sie konsequent ihrem inneren Ruf sich auszudrücken. Als Choreografin zeigte sie mehrere Produktionen am Theater Orchester Biel Solothurn und gründete 2012 ihre Dance Company «betweenlines».

Seit 2016 inszeniert Anja Gysin ausschliesslich in der Natur. Die Stücke «Die blaue Stunde» und «Einklang» fanden in Solothurn grossen Beifall, wie es in der Laudatio heisst. In ihrer Entwicklung bleibt die Tanzschaffende bei sich und findet im Tanz ihren Lebensausdruck. Sie bewegt sich immer wieder an der Schnittstelle zwischen Kunst, Natur und Körper. Anja Gysin sagt von sich selbst: «Bei meinem Tanz in der Natur kommt es regelmässig zu einem Verschmelzen mit der Umgebung, ich tauche ein als Mensch und Wesen und bin eins mit der Natur und ihren Elementen.»

Der Kanton Solothurn verleiht Anja Gysin für ihr Wirken im zeitgenössischen Tanz den Preis für Tanz 2021.

Regula Portillo, Autorin

Regula Portillo.

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Regula Portillo wurde 1979 in Niederbipp geboren, wuchs in Deitingen auf und besuchte die Kantonsschule in Solothurn. Sie studierte Germanistik und Kunstgeschichte an der Universität Fribourg und Buch- und Medienpraxis an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Mehrere Jahre lebte und arbeitete sie in Nicaragua, Mexiko und Deutschland. Aktuell ist sie mit ihrer Familie in Bern zu Hause und arbeitet als Texterin in einer Kommunikationsagentur. Für ihr Schaffen erhielt sie mehrere Preise, so auch 2013 den Förderpreis für Literatur des Kantons Solothurn.

Die Autorin überzeuge «mit ihrer einfühlsamen und variationsreichen Art, die Plots packend literarisch in einer klaren, exakten und berührenden Sprache umzusetzen», wie der Kanton mitteilt. 2017 ist mit «Schwirrflug» der Debütroman von Regula Portillo erschienen. Der Autorin gelinge es, Themen wie Gleichberechtigung, gut gemeinten Kolonialismus und den Verlust der Eltern respektvoll zu verhandeln, literarisch umzusetzen und die Möglichkeiten des politischen Romans auszuloten.

Mit «Andersland» erschien 2020 der vielbeachtete zweite Roman von Regula Portillo. Er handelt von der komplizierten Familiengeschichte der Protagonistin Matilda, einer entwurzelten Frau, die ihre Identität sucht. Dabei stösst sie auf Verdrängen und Erinnern, verliert ihre Sprache, um sie wiederzufinden und erfährt die Ungleichstellung von Homosexuellen an ihrem eigenen Schicksal.

Regula Portillo hinterfragt die stereotypen Rollenbilder, widerlegt sie und zeigt exemplarisch auf, wie sie anders, in verschiedenen Familienformen, gelebt werden können. Gerade im Zusammenhang mit der LGBTQ-Bewegung und der sich verändernden Normen ist dieses Buch gemäss des Kantons Solothurn ein aktueller, wertvoller Beitrag.

In Anerkennung ihres literarischen Schaffens erhält Regula Portillo den Preis für Literatur 2021.

Flavia Schaub, Fotografin

Flavia Schaub.

Flavia Schaub.

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Erst das künstlerische Auge einer Fotografin macht aus einem Portraitbild jenes Werk, welches das innere Wesen der abgebildeten Person zeigt. «Flavia Schaub hat die Portraitfotografie zur Kunstform erhoben», heisst es in der Laudatio. Sie habe sich dabei vorwiegend auf Persönlichkeiten der zeitgenössischen Musikszene spezialisiert. Zu Gast bei ihr im Fotostudio waren schon Grössen wie John Legend, Zebra Katz, Patty Smith, Herbert Grönemeyer oder Kyla La Grange, um nur einige zu nennen.

Flavia Schaub, 1983 in Olten geboren, wuchs in Neuendorf auf. Sie besuchte die Kantonsschule in Olten und arbeitete nach der Matura für das Schweizer Fernsehen. Ihr Ziel war schon damals, freischaffende Fotografin zu werden. Dazu suchte sie sich die besten Lehrmeister und Lehrmeisterinnen aus: Franz Gloor, Marco Grob, Sven Germann, Stephanie Dinkel. Seit 2010 arbeitet Flavia Schaub als freischaffende Fotografin in ihrem Fotostudio in Basel. Sie erhielt 2013 einen Förderpreis des Kantons Solothurn.

Flavia Schaub erstellt neben eigenen Fotografien auch Bilder für Fachmagazine, Zeitschriften und Promotionen. Ihre neueste, eigene Arbeit trägt den Titel «Strukturen». Inhaltlich stellt sie ein Element in den Mittelpunkt, das uns begleitet, umfasst, durchdringt und womöglich sogar beherrscht: Plastik. Durch ihre Bilder nimmt Plastik eindrückliche Gestalt an, wird zu einem Organismus, einer Pflanze gleich.

Als Anerkennung für ihr künstlerisches Schaffen verleiht der Kanton Solothurn Flavia Schaub einen Preis für Fotografie 2021.

Rainer von Arx, Kulturvermittler

Rainer von Arx.

Rainer von Arx.

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Rainer von Arx, 1974 in Olten geboren, ist ein passionierter Vermittler des kulturellen Schaffens unterschiedlichster Richtungen. Bereits 1996 übernahm er die Leitung der JugendArt Olten und gründete 1998 den Verein «art.i.g» mit. «Sein Beruf ist geprägt von seiner Berufung, Kunst und Kultur der Region zu fördern, dafür einzustehen und sichtbar zu machen», schreibt der Kanton.

Dabei faszinierten ihn immer auch Nischen: Als einer der ersten in der Schweiz prägte Rainer von Arx die Poetry-Slam-Szene. Er organisierte, experimentierte, vermittelte, führte Slam und Kabarett zusammen. So entstanden im Laufe der Zeit die Poetry Slam Trilogie «laut & deutlich», die Mundartnacht «GägäWärt», «Slam am Turm», «Jazzslam», «Wortklang», «Wortwelten.Kollektiv», das «Wortlaut Literatur Festival» und «Mundgerecht». Und in den Jahren 2010 und 2017 übernahm Rainer von Arx die Projektleitung der Poetry-Slam-Schweizermeisterschaften in Olten.

Rainer von Arx habe ein feines Gespür für Kulturbedürfnisse, Kulturtrends und Talente, heisst es in der Laudatio. Er schaffe Plattformen für junge Künstlerinnen und Künstler wie die «JugendArt», die «Literatur- und Jugendförderung», die «U20 Slam»-Bühne und für Newcomerinnen und Newcomer im Kabarettbereich das «Kabarett Casting». Zudem hat er seit 2018 als Künstlerischer Leiter der Oltner Kabarett-Tage eine neue Mission.

Nicht zu vergessen sind seine Aufgaben als Produktionsleiter des nationalen Theaterprojektes «1918.ch – 100 Jahre Landesstreik», das in Olten erfolgreich aufgeführt wurde, sowie auch seine Mitverantwortung für den kulturellen Auftritt des Kantons Solothurn an der Fête des Vignerons 2019 in Vevey. Nach Hunderten von Anlässen hat er sich fundierte Kenntnisse und ein Netzwerk der Kleinkunstszene erarbeitet und fördert nun als Präsident der sieben schweizerischen Kleinkunstagenturen auch deren Zusammenarbeit.

Als Anerkennung für seine 25-jährige, intensive Kulturarbeit verleiht der Kanton Solothurn Rainer von Arx den Preis für Kulturvermittlung 2021.

Nancy Wälti, Bildhauerin

Nancy Wälti.

Nancy Wälti.

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Das Schaffen von Nancy Wälti, 1977 in Solothurn geboren, ist in den letzten Jahren durch ihre prägnante Haltung aufgefallen. Die ausgebildete Steinbildhauerin wendet sich in ihren Skulpturen vom vertrauten Material des Steins und seiner klassischen Bearbeitung ab. Einfache Materialien und Alltagsgegenstände bilden die Basis ihrer Arbeiten: Schwämme, Aschenbecher, Küchentücher, Abfalleimer oder Fassadenlampen. Aus ihrem täglichen Gebrauch herausgerissen, isoliert, vervielfältigt oder verfremdet, erhalten sie neue Bedeutungen.

Wie wichtig der Künstlerin inhaltliche Bezüge sind, zeigt sich auch in den Titeln, die mit derselben Präzision gewählt und gesetzt sind wie Material, Grösse und Platzierung der Arbeiten. In ihrem Werk spielt Nancy Wälti mit der Einheit von Titel und Objekt.

Neben dreidimensionalen Werken entstehen auch grossformatige Zeichnungen, die sich in ihrer kleinteiligen Ausführung von den schlagenden Skulpturen zu unterscheiden scheinen. Aber auch diese sind gedanklich weit komplexer, als der erste Blick es glauben macht. Nancy Wälti setzt sich in ihren Arbeiten mit grundlegenden, existenziellen Fragestellungen auseinander.

In «Masslos» aus dem Jahr 2019 besticht ein goldener Massstab durch das Fehlen jeglicher Massangaben, was sich durch einen Spiegel verdoppelt. Seiner Funktion enthoben, formuliert Nancy Wälti in diesem Werk eine pointierte Gesellschaftskritik: Ein harmloser Alltagsgegenstand, der in jedem Haushalt vorhanden ist, wird zum Sinnbild für Masslosigkeit. So wie es jeden Massstab treffen kann, kann es auch jeden von uns treffen.

Für das «konsequente Verfolgen ihrer künstlerischen Idee», wie es heisst, verleiht der Kanton Solothurn Nancy Wälti den Preis für Bildhauerei 2021.

Prof. em. Dr. Kathrin Altwegg-von Burg, Astrophysikerin

Kathrin Altwegg-von Burg.

Kathrin Altwegg-von Burg.

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Eigentlich hatte die gebürtige Kluserin und Arzttochter den Berufswunsch Archäologin und lernte deshalb neben Griechisch und Latein im Freifach noch Hebräisch. Kurz vor der Maturität am Gymnasium Solothurn entschloss sich Kathrin Altwegg aber für ein Physikstudium an der Universität Basel – als einzige Frau in ihrem Semester.

Nach dem Doktorat in Basel zog sie mit ihrem späteren Ehemann Laurenz, ebenfalls Physiker, in die USA und beschäftigte sich mit physikalischer Chemie. 1982, nach ihrer Rückkehr in die Schweiz wurde sie Mitglied der Forschungsgruppe von Professor Hans Balsiger im Bereich Weltraumforschung und Planetologie an der Universität Bern, wo sie an der Auswertung der von der Raumsonde Giotto gesammelten Daten zum Kometen Halley mitarbeitete.

1996 erfolgte die Habilitation und gleichzeitig die Ernennung zur Leiterin des Projektes Rosina. Mit Hilfe dieses Massenspektrometers an Bord der Raumsonde Rosetta gelang es, den Kometen «Chury» zu vermessen und zu erforschen, was Kathrin Altwegg hohe wissenschaftliche Anerkennung einbrachte. Schliesslich wurde sie auch erste Direktorin des universitären Kompetenzzentrums Center for Space and Habitability, CSH.

Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit ist ihr die Förderung des Nachwuchses und insbesondere des Frauenanteils in der naturwissenschaftlichen Forschung ein grosses Anliegen. So arbeitete Kathrin Altwegg auf verschiedenen Ebenen daran, den Frauenanteil in der naturwissenschaftlichen Forschung zu steigern. Für die Preisträgerin ist, nach ihren eigenen Worten, das Vermitteln von Wissen und der mit den Naturwissenschaften verbundenen Faszination eine Berufung. Ihr öffentliches Engagement gilt auch der Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, beispielsweise durch vermehrte Angebote für Teilzeitarbeit auch in Führungspositionen.

Der Regierungsrat des Kantons Solothurn verleiht Kathrin Altwegg den Anerkennungspreis 2021 als Pionierin in der Wissenschaft und der Gesellschaft.


Der Kunstpreis ist die höchste kulturelle Auszeichnung, die vom Kanton Solothurn verliehen wird. Er wird an Personen vergeben, «deren schöpferische kulturelle Leistungen im ganzen Kanton wahrnehmbar sind und auch über die Kantonsgrenzen hinaus Anerkennung und Würdigung erfahren».

Mit den Fachpreisen wurden wiederum Kulturschaffende ausgezeichnet, «deren kulturelle Arbeit einen wesentlichen Beitrag im kantonalen Kunstschaffen bildet». Mit dem Anerkennungspreis würdigt der Regierungsrat zudem besondere wissenschaftliche und soziale Leistungen.

Der Regierungsrat vergibt den Kunstpreis und die Fachpreise auf Antrag des Kantonalen Kuratoriums für Kulturförderung, die Vergabe des Anerkennungspreises folgt auf Antrag der Staatskanzlei. Der Kunstpreis ist mit 20‘000 Franken dotiert, die Fachpreise sowie der Anerkennungspreis mit je 10‘000 Franken.

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