Onur Dinc
Solothurner Künstler darf als erster Schweizer in den USA Wände bemalen

Der Künstler Onur Dinc aus Solothurn und sein Kollege durften in Virginia an einem der renommiertesten Kunstfestivals für Freiluft-Wandbilder teilnehmen - als erste Schweizer. Hierzulande ist die Wandmalerei aber zum Unmut von Dinc kaum verbreitet.

Lea Schreier
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Projekte Onur Dinc
11 Bilder
Die beiden Künstler ganz zu Beginn ihrer Arbeit.
Stundenlang sind die zwei Schweizer an der Wand in Richmond beschäftigt.
Schritt für Schritt geht es vorwärts.
Gearbeitet wird nach dem detaillierten Entwurf.
Es geht dem Ende zu..
Das Resultat lässt sich sehen.
Ein Mural von Onur und wes21 in Lagos, Portugal.
Dieses Wandbild ist in New York zu finden.
Das Wandbild «Fressen und gefressen werden» hat für Aufsehen gesorgt, sogar «The New York Times » berichtete darüber.
Auch in Budapest ist ein Wandbild von Onur und wes21 anzutreffen.

Projekte Onur Dinc

Zur Verfügung gestellt

In diesem Sommer wurde dem 35-jährigen Künstler Onur Dinc aus Solothurn und seinem Bieler Kollegen Remo Lienhard (Künstlername wes21) eine besondere Ehre erwiesen. Die Organisatoren des «Richmond Mural Project» luden die beiden Künstler als erste Schweizer in die Hauptstadt Virginias in den USA ein. An diesem renommierten Festival verwandeln begabte Maler aus aller Welt - nur neun bis zehn Auserlesene waren dieses Jahr dabei - grosse Wandflächen in faszinierende Kunstwerke.

«Wir arbeiteten zehn Tage, bis wir mit unserem Gemälde fertig waren», erzählt Onur Dinc. «Die Wandbilder sind über die ganze Stadt verteilt, das ist eindrucksvoll und zieht viele Besucher an.»

Künstler unter anderem aus Polen, Australien und Mexiko seien da gewesen. «In diesen Ländern, in Hawaii und natürlich in Amerika sind die Wandbilder - sogenannte Murals - viel verbreiteter und bekannter als in der Schweiz. Dort haben sie als Kunstform einen eigenen Stellenwert», so Dinc.

Kaum Resonanz in der Schweiz

«Es ist krass, wie unbekannt das Thema in der Schweiz ist.» Doch gerade jüngere Leute würden ihre Arbeiten bewusst wahrnehmen und anfragen, ob sie eine Abschlussarbeit über die beiden Künstler machen könnten. «Vielleicht dienen wir ihnen als Vorbilder», meint der 35-jährige.

Wie das Thema «Street Art» in der Schule behandelt wird

«Die jungen Leute haben Interesse an der Street Art und modernen Künstler wie Onur Dinc. Das spricht sie sehr an», bestätigt Fabian Harder, Lehrer für die gestalterische Berufsmaturität an der Berufsschule Olten. «Aber im Lehrplan ist die Gegenwartskunst, also auch Wandbilder und Graffitis nicht vorgesehen.» Auch in den Lektionen zur Kunstgeschichte ist die Street Art kaum Thema. In Projekten sei es den Schülern aber möglich, sich mit modernen Künstlern und ihren Kunstformen auseinanderzusetzen. «Das Schwierige für Schulen ist die Illegalität, die oft mit Street Art - zum Beispiel den Graffitis - verbunden ist», so Harder. «Trotzdem wird es bei der Arbeit mit den Jugendlichen immer ein Thema sein.» (lsc)

Es sei «ignorant», dass man sich in der Schweiz nicht vertieft mit der Kunst auf der Strasse - die Wandbilder sind ein wichtiger Teil davon - auseinandersetze und sie fördere. «In unserem Land wird lieber ein Metallgerüst in einen Kreisel gestellt, das ist dann Kunst», sagt Dinc.

Allgemein sei es in der Schweiz viel zu kompliziert, ein Vorhaben wie das Richmond Mural Project auf die Beine zu stellen. «Bis man eine Bewilligung dafür erhält, ist man schon ausgewandert», so Dinc.

So kann er hier kaum Projekte im öffentlichen Raum verwirklichen. «Die Phase, in der ich darüber jammere, habe ich hinter mir», relativiert der Solothurner Künstler. Schliesslich sei er seit sieben Jahren selbstständig und lebe von seinen Ausstellungen und Aufträgen im In- und Ausland.

Weitere Projekte geplant

Als nächstes werden Dinc und sein Kollege Lienhard im Oktober nach Athen reisen. Auch dorthin sind sie wieder eingeladen worden, zwei Wände zu bemalen. Dann geht es weiter nach Dänemark. Und schliesslich ist nächstes Jahr auch in Los Angeles ein Projekt geplant.

Onur Dinc wird also mit seinen Wandbildern weiterhin sehr beschäftigt und gefragt sein - wenn auch vermehrt international und nicht in der Schweiz.

Onur Dinc und wes21 bei der Arbeit in Budapest

Onur Dinc und wes21 beim Gestalten eines Wandbildes in Lagos, Portugal