«Kanton und Gemeinden fördern die individuelle schöpferische Entfaltung und erleichtern die Teilnahme am kulturellen Leben.» Diesem Absatz des Artikels 102 der Kantonsverfassung wurde am Donnerstag mit der Verleihung der Förderpreise und Atelierstipendien durch das Kantonale Kuratorium für Kulturförderung Rechnung getragen: 12 Kulturschaffende aus den Disziplinen Bildende Kunst, Fotografie, Kulturvermittlung, Musik, Literatur und Schauspiel durften einen mit jeweils 15 000 Franken dotierten Förderpreis entgegennehmen.

Und auch die Vergabe der Atelierstipendien 2015 stand ganz im Zeichen der Förderung: Zwei Kunstschaffende dürfen für jeweils ein halbes Jahr in eine Atelierwohnung in Paris einziehen und sich dort mit ihrer Arbeit auseinandersetzen.

Herzblut und Ernsthaftigkeit

«Heuer wurden im Vergleich zu den Vorjahren deutlich weniger Bewerbungen eingereicht, dafür stimmte die Qualität», so Rainer von Arx, Vizepräsident des Kuratoriums. Doch reicht Qualität alleine, um den Preis oder das Stipendium zu erhalten? Neben dem Bezug zum Kanton würden die Künstler Herzblut und Ernsthaftigkeit in ihrem Schaffen zeigen und signalisieren, dass sie weiter kommen wollen, präzisierte von Arx.

Einer, auf den diese Eigenschaften zutreffen, ist der Komponist und Förderpreisträger Roman Lerch. Er sei froh um diese finanzielle Unterstützung, meinte er. «Etwas Spezielles geplant habe ich damit nicht. Das Geld stellt eine Entlastung dar und ermöglicht es mir, mich auf meine Arbeit – nämlich Filmmusikprojekte – konzentrieren zu können.»

Regierungsrat Remo Ankli äusserte denn auch den Wunsch, dass die Gewinner dies noch lange tun können: «Der Förderpreis steht hoffentlich am Anfang einer lebenslangen Wanderung durch die faszinierende und spannende Landschaft des Kunstgebiets, das die jeweiligen Künstler bevorzugen.» Dabei betonte er, dass alle Preisträger jetzt schon zahlreiche Arbeiten vorweisen könnten.

Genauso überzeugt zeigte er sich vom Sinn und Zweck der Atelierstipendien. Die Begegnung mit der pulsierenden Stadt Paris und der Kontakt zu den dortigen Künstlern werden das zukünftige Schaffen beeinflussen, wie er betonte.

Grossstadtluft schnuppern darf unter anderem Schriftstellerin Isabelle Ryf, die im Atelier ihr Textprojekt mit dem Arbeitstitel «Orion» abschliessen möchte. «Während meines Aufenthalts werde ich Zeit haben, um mich diesem Projekt widmen zu können», freute sich die Solothurnerin.

Förderpreise Bildende Kunst: Lea Fröhlicher (*1986), Bildende Künstlerin, Solothurn; Lorenz Hildebrand (*1984), Bildender Künstler, Olten; Jan Hostettler (*1988), Bildender Künstler, Basel (im Kanton Solothurn aufgewachsen)

Förderpreise Fotografie: Stefanie Daumüller (*1989), Fotografin, Grenchen; Nico Müller (*1983), Fotograf und Kunstschaffender, Bern (von 1983 bis 2007 im Kanton Solothurn wohnhaft)

Förderpreis Kulturvermittlung: Franziska Baschung (*1978), ), Musikerin und Kulturvermittlerin, Solothurn

Förderpreis Literatur: Christian de Simoni (*1979), Schriftsteller, Bern (von 1986 bis 2003 im Kanton Solothurn wohnhaft)

Förderpreise Musik: Fabian Capaldi (*1984), Musiker, Olten; Roman Lerch (*1987), Komponist, Solothurn; Gregor Lisser (*1987), Musiker, Solothurn

Förderpreise Schauspiel: Mario Fuchs (*1985), Theaterschaffender, Frankfurt a/M (von 1988 bis 2012 im Kanton Solothurn wohnhaft); Sophie Hutter (*1990), Schauspielerin, Zürich (im Kanton Solothurn aufgewachsen)

Atelierstipendien: Isabelle Ryf (*1986), Schriftstellerin, Solothurn; Christoph Hess (*1968), Musiker und Kunstschaffender, Bern (von 1968 bis 2007 im Kanton Solothurn wohnhaft)