Olten
Solothurner Komitee sagt «Nein zur zweiten Gotthardröhre!»

Mitten im Wahlkampf lanciert ein Solothurner Komitee bereits den Kampf gegen einen zweiten Strassentunnel am Gotthard. An einer Medienkonferenz erörtern die Gegner ihre wichtigsten Argumente hinsichtlich der eidgenössischen Abstimmung vom Februar.

Christian von Arx
Drucken
Teilen
Nein zur 2. Gotthardröhre (vl.): Co-Präsidenten Barbara Wyss (Grüne), Philipp Hadorn (SP) und Nicole Hirt (GLP).

Nein zur 2. Gotthardröhre (vl.): Co-Präsidenten Barbara Wyss (Grüne), Philipp Hadorn (SP) und Nicole Hirt (GLP).

Bruno Kissling

Dass sie eine grosse Röhre haben, wäre wohl nicht ganz treffend gesagt. Aber mit einem lauten Hornstoss aus einem Gotthard-Posthorn übertönten am Freitag die drei Co-Präsidenten des Solothurner Nein-Komitees den Wahlkampflärm mit Leichtigkeit. Das Signal ihrer Medienkonferenz in Olten galt der nächsten eidgenössischen Abstimmung, die voraussichtlich am 28. Februar 2016 stattfindet. Es lautet: «Wir wollen keine zweite Gotthardröhre.»

Das Hauptargument der Gegner: Ein zweiter Strassentunnel durch den Gotthard würde vor allem dem Lastwagenverkehr dienen. Doch die Güter, so das Komitee, sollen ab Ende 2016 mit der Neat auf die Schiene. Das habe das Schweizervolk schon in vielen Abstimmungen verlangt. «Die 2. Gotthardröhre ist ein Sabotageakt gegen den Alpenschutz», so Anita Wüthrich vom VCS Solothurn, Geschäftsleiterin des Komitees.

«Güter auf die Schiene»

«Vor der Eröffnung des Gotthard-Strassentunnels 1980 wurden 95 Prozent der Güter auf der Schiene durch die Alpen transportiert – heute sind es noch 66 Prozent», sagte Co-Präsidentin Barbara Wyss Flück (Solothurn), Kantonsrätin der Grünen. Und sieben von zehn Lastwagen kämen aus der EU. Eine 2. Gotthardröhre würde für den Gütertransport von Grenze zu Grenze falsche Anreize setzen.

«Wir sind nicht gegen Wachstum, aber es muss auf der Schiene stattfinden», nahm Nicole Hirt (Grenchen), Kantonsrätin der Grünliberalen und Präsidentin von Pro Natura Solothurn, den Ball auf. Mit der Eröffnung der Neat Ende 2016 müsse der Güterverkehr zwingend auf die Schiene verlagert werden – dazu habe die Schweiz 20 Milliarden Franken in den Bau der Neat an Gotthard und Lötschberg investiert. «Durch den Bau einer 2. Röhre wird die Neat konkurrenziert», so Hirt. «Das darf nicht sein.»

Die «Einspurverkehr-Lüge»

Laut der Verkehrsministerin Doris Leuthard würden die beiden Gotthard-Strassentunnel nur einspurig befahren, sodass die Kapazität der Strasse nicht erhöht würde. Doch wer das glaube, sei naiv, sagte Nicole Hirt. Co-Präsident Philipp Hadorn (Gerlafingen), SP-Nationalrat und Mitglied der Neat-Aufsichtsdelegation, sprach gar von der «Lüge des Einspurverkehrs»: «Bis der Bau fertig ist, werden wohl kaum noch die gleichen Parlamentarier/-innen wie am Samstag am Rednerpult stehen. Eine Gesetzesanpassung würde mit grosser Wahrscheinlichkeit im Handstreich das zugesicherte einspurige Verkehrsregime in die Geschichte verbannen.»

Hadorn stellte zudem die Frage in den Raum, ob nicht in letzter Zeit gehäufte Meldungen über geringfügige Staus am Gotthard als Propaganda für die 2. Strassenröhre instrumentalisiert würden: Dass die Gotthard-Staumeldungen zunahmen, stehe fest, nur der Grund sei nicht klar.

Mehr Verkehr Kanton Solothurn

Aus der Sicht des Nein-Komitees sind die Staus am Gotthard weit weniger gravierend als in den Agglomerationen des Mittellandes. Nicole Hirt: «Im Gebiet des Kantons Solothurn sind auf der A 1 täglich 90 000 Fahrzeuge unterwegs, auf der A 2 sind es 60 000, und dies an fünf Tagen pro Woche, das ganze Jahr über. Am Gotthard dagegen sind es ‹nur› 20 000.» Wer die Belastungen der Schweizer Autobahnen auf der Karte ansehe, erkenne sofort: «Im Tessin ist die Situation vergleichsweise entspannt, mit temporären Spitzen und Überlastungen fast nur zu Ferien- und Feiertagszeiten.»

Der VCS hat eine Liste von Agglomerationen erstellt, deren Hauptstrassen mit einer ähnlichen oder gar höheren Verkehrsmenge belastet sind wie der Gotthard. Dazu gehören etwa Schönenwerd mit rund 18 000 Fahrzeugen im Ortszentrum, oder in Olten der Abschnitt südlich des Postplatzes mit täglich gegen 25 000 Fahrzeugen. «Tägliche Überbelastung und lange Stauzeiten sind auf vielen Strassen in den Agglomerationen um ein Vielfaches höher als am Gotthard», schloss Barbara Wyss.

Sanierung der Röhre unbestritten

Das Komitee «Nein zur 2. Gotthardröhre» bestreitet nicht, dass der bestehende Strassentunnel saniert und sicherheitstechnisch aufgerüstet werden muss. Die dazu nötige Sperrung könne jedoch mit dem Autoverlad durch die Eisenbahntunnels bewältigt werden. Auf die «Luxuslösung» einer 2. Röhre mit Zusatzkosten von 1 Milliarde Franken gelte es hingegen zu verzichten: «Verwerfen wir die Zwängerei der Raser-Lobbyisten», sagte Philipp Hadorn.

Aktuelle Nachrichten