Gemäss Verteilschlüssel fallen dem Aargau neu 16, dem Wallis 8 und Zürich 35 Vertretungen in der grossen Kammer zu. Drei Kantone verlieren je einen Sitz: Bern hat noch Anspruch auf 25, Solothurn auf 6 und Neuenburg auf 4 Vertretungen.

Die Gründe für die aktuellen Verschiebungen liegen auf der Hand: Gewinnen werden Kantone, in denen die Zuwanderung wegen des Personenfreizügigkeitsabkommens besonders stark ist. Denn: Zur ständigen Wohnbevölkerung gehören neben allen Schweizern mit einem Wohnsitz in der Schweiz auch ausländische Staatsangehörige mit einer Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung für mindestens zwölf Monate (Ausweis B oder C oder EDA-Ausweis).

Auch Ausländer mit einer Kurzaufenthaltsbewilligung (Ausweis L) für eine kumulierte Aufenthaltsdauer von mindestens zwölf Monaten und Personen im Asylprozess (Ausweis F oder N) mit einer Gesamtaufenthaltsdauer von mindestens zwölf Monaten gehören zur ständigen Wohnbevölkerung.

Definitive Zahlen im Sommer

Die Verteilung der Sitze erfolgt nach einem Proporz-Verfahren, das das Bundesgesetz über die politischen Rechte festlegt (Artikel 17). Beeinflusst wird die Anzahl Sitze durch die variablen Parameter ständige Wohnbevölkerung der Schweiz und ständige Wohnbevölkerung in den 26 Kantonen.

Das Volkszählungsgesetz wiederum bestimmt, dass der Bundesrat auf Basis der Erhebungen des Bundesamtes für Statistik die Wohnbevölkerungszahlen alle vier Jahre verbindlich festlegt und publiziert (Art. 13), und zwar per Stichtag 31. Dezember im ersten Kalenderjahr nach den Gesamterneuerungswahlen des Nationalrates. Die Zahlen des 31. Dezembers 2012 liegen «voraussichtlich Ende Februar provisorisch und im August definitiv vor», sagt Werner Seitz, Chef Sektion Politik, Kultur, Medien beim Bundesamt für Statistik, auf Anfrage. Die Unterschiede der provisorischen und definitiven Zahlen beeinflussen laut Seitz die Sitzverteilung in der Regel nicht.

Die Berechnungen der «Nordwestschweiz» basieren auf den Zahlen des Bundesamtes für Statistik per 30. September 2012. Diese sind zwar provisorisch, wie gesagt unterscheiden sie sich letztlich aber kaum von den definitiven. Und: Die Bevölkerungsunterschiede zwischen den Kantonen sind derart gross, dass sich diese - und damit die Sitzverteilung unter den Kantonen - in drei Monaten nicht entscheidend verändern.

Effekt auf Parteien unklar

Für Bern wäre es der zweite Sitzverlust innert dreier Legislaturen. Bereits 2003 musste der Hauptstadtkanton einen Sitz abgeben. Ebenso Basel-Stadt und Appenzell Ausserrhoden, die heute mit 5 Sitzen respektive einem Sitz im Nationalrat vertreten sind. Schwyz, Freiburg und die Waadt - heute vertreten mit 4, 7 und 18 Sitzen - waren damals die Erben.

Welche Parteien werden mit der Neuverteilung der Sitze in ihren Kantonen gewinnen, welche verlieren? Eine Frage, die schwierig zu beantworten ist, da die Sitzverteilung von vielen Faktoren abhängig ist - beispielsweise, welche überparteiliche Listenverbindungen eingegangen werden. Kommt hinzu, dass solche Listenverbindungen 2015 möglicherweise nicht mehr erlaubt sind - zurzeit ist eine Motion der FDP-Fraktion hängig, die ein entsprechendes Verbot fordert.