Eigentlich haben die Solothurner Schreinermeister gar nichts zu klagen. «Das Verbandsjahr 2011/2012 war ein starkes Jahr für den Verband Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten VSSM und seine Sektion Solothurn», steht gleich am Anfang des Jahresberichts von Präsident Thomas Ryffel (Solothurn).

Zentralpräsident Ruedi Lustenberger, als Gast an der Generalversammlung der Solothurner vom Freitag im Kernkraftwerk Gösgen, konnte das nur bestätigen: «Die meisten Betriebe sind zufrieden und haben genug Arbeit – unsere Branche hat ein gutes Renommee, unser Werkstoff Holz und unsere Produkte sind in der Bevölkerung beliebt.»

Kein «Ellbögeln» im Verband

Auch in der Sozialpartnerschaft haben die Schreiner ein gutes Händchen: Während andernorts Arbeitgeber und Gewerkschaften auf Konfrontation machen, gelang ihnen ein neuer Gesamtarbeitsvertrag ohne Nebengeräusche. Der Bundesrat werde ihn in den nächsten Tagen allgemeinverbindlich erklären, konnte Lustenberger ankünden.

Passend zur guten Stimmung, feiert der VSSM heuer sein 125-Jahr-Jubiläum: Am 2. September werden sich auf dem Flugplatzgelände in Dübendorf die Schweizer Schreinerfamilien und ihre Mitarbeiter zum grossen Schreiner-Fest versammeln. Auch in den Verbandsgeschäften läuft es rund. «Es herrscht überall gutes Einvernehmen, es gibt kein ‹Ellbögeln›, man hilft sich aus», fasste Thomas Ryffel die Berichte der Gruppenobmänner zusammen. Jahresrechnung und Budget wurden diskussionslos genehmigt.

Schreinerschule hat Erfolg

Die Stiftung Schreinerschule Solothurn, eine schweizweit einmalige Institution zur beruflichen Wiedereingliederung, schloss das Jahr 2011 mit Gewinn, konnte ein Darlehen des Schreinermeisterverbands vorzeitig zurückzahlen und steht jetzt finanziell auf eigenen Füssen, wie Schulleiter Peter Hofmann erfreut feststellte. Mit ihrer aktualisierten Homepage www.schreinerschule.ch will sie ihr Angebot noch besser bekannt machen.

Auch die Berichte zur Berufsbildung von Chefexperte Markus Coray (Lostorf) und Peter Jakob (Mümliswil), Obmann der überbetrieblichen Einführungskurse, klangen positiv. Bei den Abschlussprüfungen 2011 bestanden 32 der 33 angemeldeten Schreinerlehrlinge, einer fiel wegen Unfalls aus. «Erfolgsquote 100 Prozent», bilanzierte Markus Coray.

«Wie wenn wir das nicht könnten»

Allen Grund zum «Holz alänge» also? – Nicht ganz. Unter «Verschiedenes» kam ein schmerzhafter Schnitzer zur Sprache: «Das Herzstück der Solothurner Politik wird von einem ausserkantonalen Schreiner gemacht», stellte Beat Augsburger (Olten) enttäuscht fest. Gemeint war die Möblierung des neuen Kantonsratssaals. Die Kritik richtete sich für einmal weniger an den «bösen» Kanton als an den eigenen Verbandsvorstand, der Fehler gemacht habe.

Aus den Erklärungen von Kantonsrat Walter Gurtner, Mitglied des Wettbewerbsausschusses, und Peter Jakob ging hervor, dass es sich um ein Verfahren auf Einladung gehandelt habe, in dem drei Offerten eingeholt wurden. Das Problem sei vor allem der hohe Termindruck gewesen, da der Kantonsratssaal innert fünf Monaten umgebaut werden müsse. Unter diesen Umständen sei es für Solothurner Betriebe unrealistisch gewesen, diesen grossen und komplexen Auftrag zu erfüllen. Peter Jakob erklärte, seine Firma (Glaeser Mümliswil AG) sei vom Hochbauamt angefragt worden, habe sich aber zurückziehen müssen. Ergebnis: Im neuen Saal werden die Solothurner Kantonsräte an Möbeln der Firma Gehri in Aarberg BE debattieren.

Die Schreiner wurmte das. Augsburger kritisierte, dass die Mitglieder nichts von der Anfrage des Hochbauamts an den Vorstand erfahren hätten. «Nun sieht es so aus, wie wenn die Solothurner Schreiner das nicht könnten», sagte ein Teilnehmer, und ein weiterer fragte: «Was machen wir falsch?» Präsident Ryffel stellte einen Vorschlag für eine bessere Kommunikation in Aussicht.