Nein, dem muss widersprochen werden. Wenn Nils Feigenwinter sagt, «ich bin eigentlich ein sehr klassischer Jugendlicher», glaubt er das wohl selbst nicht. Er argumentiert, er habe eine Vorliebe fürs Snowboard, treffe gerne Freunde, möge Kunst, Literatur, Musik und gute Filme. Doch welcher 18-Jährige hat schon die Gründung eines Webradios (Die Freezer) hinter sich, ein paar Jahre im Jugendprogramm von SRF (Zambo) oder machte als Gründer des Online-Magazins (Tize.ch), mittlerweile dem grössten Schweizer Schülermagazin, auf sich aufmerksam? Okay, das geht ja noch. Nun aber wird der junge Mann aus Büren an der Frankfurter Buchmesse als «Young Talent» geehrt. Das hat er seinem jüngsten Kind zu verdanken, Alas Entertainment, das er als Gründer und CEO anführt.

Sein zehnköpfiges Team bei Alas Entertainment hat sich der Kinder- und Jugendunterhaltung verschrieben. Inzwischen ist Alas Entertainment eingebettet in das Prattler Unternehmen Bergis Medien. Geehrt wird Feigenwinter für die Welten, die er gerade daran ist zu erschaffen. Von Autor Marcel Naas konnten die Rechte an dessen Figuren, den Moun Teens, erworben werden. Die Detektivbande mit Amélie, Lena, Matteo und Sam erlebt Krimigeschichten in den Bergen. Heute erscheint der erste Band unter dem Titel «Berge, Ski und falsche Spuren».

100%-Pensum neben der Schule

Dabei soll es nicht bleiben. «Wir werden ganze Erlebniswelten schaffen», verspricht Feigenwinter, «ein 360-Grad-Universum nenne ich das.» Das Buch kann mit Online-Welten und -Spielen ergänzt werden, mit Hörspielen und Filmen. Vorbild sei ihm das, was aus den «drei ???» gemacht worden ist. Nächstes Jahr sollen die Moun Teens dank einer Partnerschaft mit den Pizolbahnen im Ski- und Wandergebiet Pizol-Bad Ragaz-Wangs am Berg erlebt werden können. «Wir sind der Überzeugung, dass es gerade für den Schweizer Markt neue Ansätze in diesem Bereich geben muss», sagt Nils Feigenwinter.

«Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen», soll der deutsche Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt einem Reporter einst entgegnet haben. Feigenwinter hat bestimmt Visionen. Er sitzt im Café Livro der Kantonsbibliothek in Liestal. Er nippt an seinem Eistee und erzählt. Und erzählt und erzählt. Die Ideen sprudeln. Dabei geht sein Blick immer wieder in die Ferne, als sehe er dort all die Dinge, die er einmal tun will. Das müssten gar nicht eigene Projekte sein. Er könne sich gut vorstellen, im Ausland für ein grösseres Unternehmen tätig zu sein. «Ich liebe die Abwechslung.» Was er heute bewältige, sei ein 100-Prozent-Pensum neben einem 100-Prozent-Pensum. Zur Schule geht Nils Feigenwinter ins Gymnasium Liestal. Den Schwerpunkt hat er auf Wirtschaft gelegt.

Umweltschutz spielerisch vermittelt

«Unterhaltung hat einen enormen Einfluss», sagt Nils Feigenwinter, «was man im Kindesalter am Bildschirm sieht, trägt man ein Leben lang mit sich herum.» Darum stünden er und seine Mitstreiter in der Verantwortung, Werte zu vermitteln. Die Moun Teens vermittelten Themen wie Gletscherschmelze, Umwelt- oder Tierschutz. Jedoch stets auf spielerische, nie auf belehrende Weise. «Das habe ich als Kind immer gehasst.» Das seien dann jene Bücher und Hörspiele geworden, die zuunterst in der Schublade verschwanden. «Es ist sicher hochgegriffen», räumt Feigenwinter ein, «aber wir versuchen, am Ende des Tages die Welt zu einem besseren Ort zu machen.»

Von klassischer Marktforschung halte er nichts, sagt der Jungunternehmer. Vielmehr sei es wichtig, dass er und sein Team sich überlegen, «was hätten wir als Kinder selbst gerne gesehen?». Deshalb werde viel mit Kindern darüber gesprochen, was sie denken, was sie interessiert. Auf dieser Basis entwickelten die Leute von Alas Entertainment ihre Geschichten. «Meine kleine Schwester zu befragen, ist immer die erste Marktforschung, die ich betreibe», illustriert Feigenwinter. Brauche er Ideen, gehe er in den Wald. Er halte zudem sehr viele Telefonkonferenzen im Wald ab. «In Büren ist die Natur sehr nahe. Da kannst du laufen und laufen und irgendwann kommst du halt in Gempen an», erzählt er, «der Wald ist mein Rückzugsgebiet.»

Weiterbildung in Schanghai

Sehr gerne halte er sich auch in Freizeitparks auf. Möglicherweise ist Feigenwinter gerade jetzt im Schanghai Disney Resort. Bevor er am 12. Oktober in Frankfurt geehrt wird, dem Networking seinen Lauf lässt, «möchte ich mir anschauen, wie es die Chinesen machen». Ferien hat der Gym-Schüler ja. Zu den Freizeitparks zählt er auch Zoos. Die seien in der Schweiz der Zeit hinterher. «Ich sehe wahnsinnig grosses Verbesserungs-Potenzial», bemängelt er, «wie wenig dort mit Storytelling gearbeitet wird.» Alles müsse heutzutage eine Geschichte erzählen. Nein, Nils Feigenwinter ist kein klassischer Jugendlicher.