Industrie
Solothurner Industrie ist im ersten Halbjahr gut gestartet

«Die Solothurner Industrieunternehmen sind zum allergrössten Teil so effizient und innovativ, dass sie im harten Wettbewerb bestehen können.» Dies erklärte Josef Maushart, Präsident des Industrieverbandes Solothurn (Inveso) kürzlich

Franz Schaible
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Die Funken sprühen, der Werkplatz Solothurn und seine Firmen können sich behaupten. Archiv/AZ

Die Funken sprühen, der Werkplatz Solothurn und seine Firmen können sich behaupten. Archiv/AZ

Eine nun durchgeführte Firmenumfrage bestätigt den Befund. So spricht Rolf Urben, Inhaber und Chef des Präzisionsteileherstellers Urben+Kyburz in Etziken, von «einem guten Geschäftsverlauf im 2012». Man liege umsatzmässig über Vorjahr. «Und 2011 war für unser Unternehmen ein gutes Geschäftsjahr.» Die momentane leichte Abkühlung sei nicht zu dramatisieren. Entscheidend seien auch ertragsmässig positive Zahlen, hält Urben fest. Die Verkaufspreise stünden zwar unter Druck. Aber in direkten Verhandlungen mit den Kunden sei es gelungen, die Wechselkursproblematik zu entspannen. Zudem ermögliche «die erhöhte Automation eine noch effizientere Produktion». Man habe die Lehren aus der Vergangenheit gezogen. In der Boomphase zwischen 2006 und 2008 wurde der Personalbestand bis auf fast 150 Mitarbeitende hochgefahren. Der Auftragseinbruch 2009 führte zu Kurzarbeit und Stellenabbau. Dank der Automation könne man nun den wieder gestiegenen Auftragseingang ohne massiven Personalaufbau bewältigen. Inzwischen sind wieder 135 bis 140 Angestellte beschäftigt.

«Anständige Gewinne» bei Agathon

Auch der Schleifmaschinenhersteller Agathon in Bellach ist 2012 gut unterwegs. Das Budget sieht einen höheren Umsatz und Gewinn als im Vorjahr vor, wie CEO Walter Pfluger erklärt. «Bis jetzt sind wir auf Kurs und wir erwarten, dass die Vorgaben auch bis Ende Jahr eingehalten werden können.» Unsicherheiten prägten allerdings die Märkte für die Schleifmaschinen der Agathon, die 95 Prozent ihrer Anlagen exportiert. «Als Hersteller von Investitionsgütern sind wir von Konjunkturschwankungen rascher und stärker als andere betroffen.» Nach dem Rekordjahr 2008 sind die Umsätze im 2009 um über 60 Prozent eingebrochen und das traditionsreiche Familienunternehmen schrieb rote Zahlen. Es kam auch zu einem Abbau von über 30 Arbeitsplätzen auf rund 170. Heute sind es wieder rund 200 Angestellte. Überraschend schnell hätten sich die Geschäfte 2010 und 2011 erholt. «Wir konnten in beiden Jahren wieder anständige Gewinne erwirtschaften», blickt Pfluger zurück.

Scintilla: «Durchzogener Verlauf»

Zurückhaltender gibt sich Christoph Bärtschi, Mitglied der Geschäftsleitung der Bosch-Tochter Scintilla in Zuchwil. Mit «Durchzogen» umschreibt er den Geschäftsverlauf 2012 des Elektrowerkzeugherstellers. 2011 habe der Umsatz leicht unter dem Vorjahr gelegen. Damals erwirtschaftete Scintilla einen Umsatz von rund 650 Millionen Franken. «Aber wir haben mit schwarzen Zahlen abschliessen können», versichert Bärtschi. Scintilla sei mit einem Exportanteil von 90 Prozent von der Konjunkturentwicklung in den ausländischen Märkten abhängig. «Beispielsweise führt die Immobilienkrise in Spanien zu einer schwachen Bautätigkeit, was direkt auf den Absatz unserer Elektrowerkzeuge durchschlägt.» Hinzu komme der starke Franken, welcher die Wettbewerbsfähigkeit stark beeinträchtige. Eine Prognose für das ganze Geschäftsjahr 2012 wagt er angesichts der vielen Unsicherheiten und des kurzfristigen Geschäftsverlaufs nicht. Um den wechselkursbedingten Margenrückgang zu bremsen, hat Scintilla auf Anfang Jahr die Arbeitszeit von 40 auf 41,5 Wochenstunden für einen Teil der Belegschaft bei gleichem Lohn erhöht. In Zuchwil arbeiten zwischen 650 und 700 Angestellte.

Mondaine ist «gut ausgelastet»

Von der guten Uhrenkonjunktur profitiert die Mondaine Watch mit ihrer Fabrik in Biberist. «2011 konnten wir den Umsatz erneut steigern und das Werk ist gut ausgelastet», sagt Co-Chef Ronnie Bernheim. Man habe sogar den Personalbestand weiter erhöht. In Biberist arbeiten inzwischen über 100 Angestellte. Auch der Start ins 2012 sei geglückt. Zwar seien längerfristige Aussagen nicht möglich, aber er rechnet mit einem weiteren Plus bei Absatz und Umsatz. Die grösste Gefahr für die unabhängigen Uhrenhersteller der mittleren und unteren Preislagen wie für viele KMU allgemein sei die anvisierte Verschärfung der Swiss-Made-Regeln, falls diese vom Parlament tatsächlich umgesetzt werden, warnt Bernheim.

Wechselkurs trifft alle

Die vier befragten Unternehmen weisen Exportquoten zwischen 70 und 95 Prozent aus. Deshalb kann der Wechselkurs matchentscheidend sein. Agathon könne zwar mit der Wechselkursuntergrenze von 1.20 Franken pro Euro «knapp leben», sagt Walter Pfluger. «Wenn der Kurs aber durch die Nationalbank freigegeben würde, dann wäre der Werkplatz Schweiz stark gefährdet.» Für Scintilla-Chef Christoph Bärtschi ist auch diese Untergrenze für die Industrie «dramatisch». Dagegen sieht Ronnie Bernheim darin «eine echte Hilfe».