Solothurner Gewerbeverband
Bundesrat Maurer geleitet Pia Stebler ins Präsidium des Gewerbeverbands

Der Finanzminister war Gast beim Kantonal-Solothurnischen Gewerbeverband, der Pia Stebler als Nachfolgerin von Christian Werner bestimmte.

Balz Bruder
Merken
Drucken
Teilen
Bundesrat Ueli Maurer, Pia Stebler und Christian Werner vor dem Vigier-Sommerhaus in Solothurn.

Bundesrat Ueli Maurer, Pia Stebler und Christian Werner vor dem Vigier-Sommerhaus in Solothurn.

Hanspeter Bärtschi

Stabwechsel beim Kantonal-Solothurnischen Gewerbeverband(kgv) mit prominenter Unterstützung: Am Donnerstagabend wurde Pia Stebler als Nachfolgerin von Christian Werner vorgestellt – und zwar in Anwesenheit von Bundesrat Ueli Maurer. Gewiss, das Ambiente im Vigier-Sommerhaus zu Solothurn stimmte, doch der vierte Gewerbekongress war eben doch eine elektronische Veranstaltung.

Was der Attraktivität derselben keinen Abbruch tat. Und dies war insbesondere dem Finanzminister geschuldet, der mit einem dichten Referat resümierte, was die Corona-Pandemie dem Staat bisher abforderte.

Bund ist gut durch die Krise gekommen

Maurer machte dabei insbesondere darauf aufmerksam, dass es wohl eine Schweizer Eigenheit war und ist, dass Kurzarbeit, Erwerbsersatz für Selbstständige, Härtefallprogramm und weitere Massnahmen erstens in kurzer Zeit und in ausreichendem Umfang auf den Weg gebracht werden konnten. Nicht ohne auszublenden, dass die sozialen Folgen derzeit noch nicht absehbar sind. Maurer sprach dabei vor allem von Betroffenen mit kleinen Einkommen in Branchen, die besonders von den wirtschaftlichen Einschränkungen betroffen sind.

Rund 35 Milliarden Franken neue Bundesschulden: Das ist nach heutigem Stand der Dinge etwa der Preis der Pandemie ist. «Wir werden sparen müssen», sagte Maurer mit Blick auf den Finanzhaushalt. Trotzdem sei der Bund dank viel Stabilität bisher gut gefahren. «Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen, aber es wird fröstelig in der nächsten Zeit», meinte er. Um gleichzeitig auch anzumahnen: Die Krisenorganisation müsse besser werden und den Ausgleiche der Interessen – zum Beispiel zwischen Wirtschaft und Gesundheit – künftig besser berücksichtigen.

Digitalisierung, Innovation, Flexibilität

«Die Pandemie hat unser Bewusstsein für wirtschaftliche, gesellschaftliche und ökologische Zusammenhänge geschärft», spann Volkswirtschaftsdirektorin Brigit Wyss die Ausführungen von Ueli Maurer weiter. Und machte insbesondere darauf aufmerksam, dass die Digitalisierung über den Tag hinaus bestimmend bleiben werde. Vor allem aber: Trotz der Masse von Gesuchen, die zu bearbeiten waren und sind, sei jeder Fall ein einzelnes Schicksal, sagte Wyss mit Blick auf die knappe halbe Milliarde Franken, welche die Pandemie den Kanton an Unterstützungsmassnahmen bisher gekostet hat.

Dass nicht nur der Staat, sondern auch die Banken einiges zur Bewältigung der Krise geleistet haben, führte in der Folge Guy Lachappelle, Präsident des Verwaltungsrats von Raiffeisen Schweiz, aus. Er sprach dabei die Drehscheibenfunktion der Institute im Dreieck mit Bund und Wirtschaft an. Und gab seiner Wachstumshoffnung schon für das laufende Jahr Ausdruck. Nicht ohne die Liquiditätsprobleme der KMU-Wirtschaft beispielsweise unerwähnt zu lassen. Auch von solchen, die bisher mit Innovation und Flexibilität – und mit viel Digitalisierung – durch die Krise gekommen sind.

Der «digitale Präsident»

Mit der Frage schliesslich, was aus der Pandemie zu lernen ist, setzte sich ein von Rolf Schmid moderiertes Podium mit Lachappelle, CVP-Ständerat Pirmin Bischof, Gewerbeverbands-Direktor Hans-Ulrich Bigler und Unternehmerin Tanja Kocher auseinander.

Alles in allem also ein würdiger Rahmen für die Kür der neuen Präsidentin und für den Abschied des bisherigen Vorsitzenden, der als «digitaler Präsident» in die Annalen des Gewerbeverbands eingehen wird. Ein Prädikat, das Pia Stebler Christian Werner nicht streitig machen will. Die Sehnsucht nach Normalität ist gross.