2200 bis 2400 Asylsuchende könnten dem Kanton Solothurn in diesem Jahr vom Bund zugewiesen werden, schätzt David Kummer vom kantonalen Amt für soziale Sicherheit. Das wären fast 1000 mehr als im Vorjahr, als insgesamt 1411 Asylbewerber in den Kanton Solothurn kamen. Ungefähr 60 Prozent davon erhalten im Verlauf ihres Aufenthaltes den Status eines Flüchtlings, wodurch ihnen ein vorläufiger oder auch definitiver Aufenthalt in der Schweiz gewährt wird.

Das wird 2016 vor allem die Gemeinden vor organisatorische Probleme stellen. Denn nach drei- bis fünfmonatiger Unterbringung in einem kantonalen Durchgangszentrum werden die Flüchtlinge und Asylbewerber mit Aussicht auf einen positiven Asylentscheid auf die Solothurner Gemeinden und Sozialregionen verteilt, wo ihnen eine Wohnung zur Verfügung gestellt wird.

Kostenrisiko bereitet Sorgen

Der prognostizierte Anstieg der Asylbewerberzahlen werde eine Herausforderung sein, sagt der Leiter der Sozialregion Oberer Leberberg, Kurt Boner. Genügend Wohnungen zu finden sei je nach Preisniveau und Leerwohnungsbestand in einer Gemeinde ein schwieriges Unterfangen. «In Lommiswil gibt es zum Beispiel fast keine freien Wohnungen», so Boner. Zur Deckung der Wohnkosten stünden zudem etwa 200 bis 250 Franken pro Person und Monat zur Verfügung.

«Man muss somit mehrere Leute gemeinsam in einer Wohnung unterbringen, damit die Rechnung aufgeht.». Dabei achte man jedoch auf passende Kombinationen, indem man beispielsweise keine alleinstehenden Männer gemeinsam mit Frauen oder Familien leben lässt. Anders als im vergangenen Jahr, als sich die Gemeinden alle angefallenen Ausgaben halbjährlich vom Kanton vergüten lassen konnten, besteht seit Anfang Jahr ein neues Pauschalvergütungssystem, das nun vier Monate lang getestet wird. Ein Risiko für die Gemeinden, das dabei entstehe, sei jenes allfälliger Mehrkosten.

«Wenn eine Gemeinde für eine Wohnung mehr Geld als vorgesehen ausgeben muss, weil es einfach keine günstigeren Wohnungen gab, wer trägt dann das Kostenrisiko?», gibt Boner zu bedenken. Die Idee sei, dass die Gemeinden mit den erhaltenen Pauschalen so wirtschaften, dass alle Kosten gedeckt werden können, erklärt David Kummer. Es bestünden jedoch Ausnahmeregelungen für spezielle Unterbringungsmassnahmen, beispielsweise für schutzbedürftige Kinder. Diese Kosten würden weiterhin vollständig vom Kanton übernommen. Wenn sich das Pauschalsystem nach der Testphase aber als ungeeignet erweisen sollte, würde von einer Einführung natürlich abgesehen.

Olten: Ausreichend Wohnungen

Schwierigkeiten bekundet auch Marlies Jeker, Leiterin der zehn Einwohnergemeinden umfassenden Sozialregion Bucheggberg/Biberist/Lohn-Ammannsegg (BBL). Viele der aktuell zugewiesenen Personen seien bei ihnen «alleinstehende Männer, welche für sich eine eigene Wohnung beanspruchen, auf die sie von Gesetzes wegen Anspruch haben». Der dafür in der Pauschale vorgesehene Mietanteil reiche dafür aber nicht aus, da die ortsüblichen Mieten in ihrer Sozialregion viel höher seien, als der vorgesehene Betrag. Zwar sei man darum bemüht, nach Möglichkeit mehrere alleinstehende Personen gemeinsam in einer Wohnung unterzubringen, doch «man kann sie ja nicht dazu zwingen».

Weniger problematisch sei die Wohnungssuche für ganze Familien. Eine zusätzliche Herausforderung könne für sie als Sozialregion die rasche Umwandlung des Asyl- in den Flüchtlingsstatus sein, erklärt Jeker weiter. Tragen sie bei der Verteilung auf die Gemeinden teilweise noch den Status eines Asylsuchenden, könne bald darauf der sogenannte B-Status erteilt werden, der den Flüchtlingen einen definitiven Aufenthalt in der Schweiz erlaubt. Dann ist es ihnen möglich, ihren Wohnsitz innerhalb des Kantons frei zu wählen. Das sorge für erhöhten Koordinationsaufwand.

In der Sozialregion Olten hingegen stünden derzeit noch ausreichend Wohnungen zur Verfügung, wie deren Geschäftsleiter Hans Peter Müller erklärt. «Man weiss aber nicht, wie sich das entwickelt.» Manche Vermieter würden ihre Wohnungen zwar lieber anderweitig nutzen lassen. Doch wenn der Mieter die Sozialregion sei, hätten die Eigentümer eine Garantie, dass der Mietzins bezahlt und allfällige Schäden übernommen werden. Momentan seien es vorwiegend junge Männer aus Syrien, Eritrea und Afghanistan, für die solche Wohnungen gesucht werden. Bis Ende Jahr rechne man mit einer Verdoppelung der Anzahl Asylbewerber, die in der Oltner Sozialregion wohnhaft sind.

Entlastung für Zentren

Allen Sozialregionen und Gemeinden, in denen ein kantonales Durchgangszentrum betrieben wird, werden die dort untergebrachten Asylbewerber und Flüchtlinge übrigens zur Hälfte ans jeweilige Aufnahmesoll angerechnet. «Wenn wir im Durchgangszentrum 100 Asylsuchende beherbergen, müssen wir 50 weniger im ordentlich Verfahren aufnehmen», erklärt Kurt Boner die entlastende Wirkung des neuen Zentrums in Grenchen für die Sozialregion Oberer Leberberg. Auch in den Regionen Olten und BBL stehen solche Zentren, im Oltner Gheidgebiet oder auf dem Balmberg.