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Solothurner Gastro-Präsident: «Es wird tragisch werden für unsere Branche»

Sperrstunde um 23 Uhr, maximal vier Personen an einem Tisch, Essen und Trinken drinnen und draussen nur sitzend – die Restriktionen für das Gastgewerbe sind nicht einfach. Peter Oesch, Präsident von Gastro Solothurn, äussert sich zur Situation.

Balz Bruder
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Peter Oesch ist froh, dass es nicht wieder einen Lockdown gibt.

Peter Oesch ist froh, dass es nicht wieder einen Lockdown gibt.

key/plu

«Man versteht immer weniger, was jetzt wirklich gilt – die Verunsicherung im Publikum ist gross», sagt Peter Oesch. Trotzdem sagt der selber in Olten als Restaurateur tätige Präsident von Gastro Solothurn: «Ich bin froh, dass es nicht zu einem Lockdown gekommen ist.» Die Bedingungen seien zwar schwierig, aber ein Schliessungsbefehl hätte die Branche zerstört.

Rosig sieht es ohnehin nicht aus: «Nun würden die Monate kommen, in denen in den Betrieben Substanz geschaffen werden könnte», sagt Oesch, «doch das wird unter diesen Bedingungen nicht möglich sein.» Er rechnet mit Betriebsschliessungen ebenso wie mit Konkursen. «Es wird tragisch werden in unserer Branche», befürchtet er. Gleichzeitig hat der die Hoffnung nicht aufgegeben, dass möglichst viele trotzdem über die Runden kommen. Was bei sinkenden Umsätzen und bleibenden Fixkosten nicht einfach sei.

Vereinfachtes Bewilligungsverfahren

Deshalb hofft Oesch nicht zuletzt auf die Politik. Nachdem es mit der Streichung der Patentgebühren aus juristischen Gründen nicht klappte, setzt er unter anderem auf die im Bundesparlament diskutierte Mieterlass-Lösung. Und auf vereinfachte Bewilligungsverfahren, beispielsweise bei der Installation von Gas-Heizpilzen oder bei der Einrichtung von provisorischen Ausseneinrichtungen. «Wir brauchen jetzt rasch umsetzbare und pragmatische Lösungen», betont der Gastro-Solothurn-Präsident.

Solche zum Beispiel, wie sie in einem dringlichen fraktionsübergreifenden Vorstoss im Kantonsrat von Erstunterzeichner Matthias Anderegg (SP, Solothurn) gefordert werden: Demnach soll der Regierungsrat beauftragt werden, Ausnahmeregelungen zu verfügen, die es dem Gewerbe – insbesondere dem Gastrogewerbe – ermöglichen, in den Wintermonaten Provisorien zu errichten. Diese sollen maximal sechs Monate ohne ordentliche Baubewilligungen erstellt werden können, «um geschützte Ersatzflächen oder Warteräume zu generieren», wie es im Vorstoss heisst. Wobei diese Provisorien bei Bedarf auch beheizt werden sollen. Ein klarer Appell an die Bewilligungsbehörden in den Gemeinden.

Das wird die Branche nicht retten, aber sie vielleicht über den Winter kommen lassen. Und das wäre schon etwas. Denn über einen Pandemiesommer hinweg hat sich die Gastronomie schon behauptet. Da und dort, vor allem auf dem Land, sogar mehr als dies: Es gibt Restaurateure, die vom besten Sommer, den sie je erlebt haben, schwärmen. Andere, vor allem solche in den Städten, wissen dagegen schon, was Leiden heisst.