Der 1. Platz in der Kategorie Reportage hätte es für Roshan Adhihetty sein sollen. Das hatte die Jury im Januar bekannt gegeben. Doch am Mittwochabend hat sie diesen Entscheid noch kurzfristig geändert. 

Dieses Umdenken sei erforderlich geworden, weil die Arbeit von Adhihetty «in einem grossen Ausmass künstlerischen Manipulationen» unterliege, teilte die Jury am Donnerstag mit. Sie gab an, beim Entscheid im Januar nichts davon gewusst zu haben. Erst bei der Präsentation der Fotos am Mittwoch sei dies klar geworden.

Die «herausragend stimmige, künstlerische Dokumentararbeit» entspreche mit ihren Eingriffen nicht den grundsätzlichen journalistischen Prinzipien für eine Arbeit in der Kategorie Reportage, heisst es weiter.

Der 26-jährige Solothurner hatte bei einem Foto, das die Nacktwanderer beim Baden in einem Bergsee zeigt, eine sich bückende und halb versteckte Person wegretuschiert. 

«Das ist fatal»

Die Jury sei nach wie vor der Meinung, dass dessen Arbeit hervorragend sei, wie Jury-Mitglied Melody Gygax gegenüber dem «Tagesanzeiger» sagt. «Aber wenn er, ohne es auszuweisen, Personen wegretuschiert, eine Pixelveränderung vornimmt, ist das in der Kategorie Reportage fatal.» In diesem Bereich dürften Fotograf nicht manipulieren.

Adhihetty kann den Entscheid nachvollziehen. Er sei sich aber nicht bewusst gewesen, dass solche Regeln bestehen, gibt er gegenüber der Zeitung an. «Das steht nicht im Reglement». Der Solothurner will von Anfang an mit offenen Karten gespielt und im Projektbeschrieb festgehalten haben, dass die Bilder inszeniert seien. 

Beim Swiss Press Award wird man wohl über deutlichere Regeln nachdenken. Die Bildmanipulation jedenfalls wird als absolutes No-Go angesehen.

Mehrere Ausstellungen

Roshan Adhihetty hatte für die Serie zwischen 2014 und 2016 Nacktwanderer in Deutschland, Österreich und der Schweiz begleitet. Seine Serie konnte er bereits in mehreren Ausstellungen in der Schweiz präsentieren. Ende 2014 wurde die Serie an der Jahresausstellung im Kunstmuseum Solothurn gezeigt.

Die im Kunstmuseum Solothurn ausgestellte Serie.

Die im Kunstmuseum Solothurn ausgestellte Serie.

2015 zeigte Adhihetty seine Werke an der JKON (Junge Kunst Olten) und erhielt den Bargeldpreis von 5000 Franken der Hans-und-Beatrice- Maurer-Billeter-Stiftung. 2013 erhielt er den Azeiger Kulturförderpreis.

Adhihetty räumte zwar jetzt beim Swiss Press Award doch nicht ab, die Auszeichnung bleibt aber dennoch quasi im Kanton Solothurn. Die Jury hat den Preis an «Der Fels von Gnor» von Christian Bobst vergeben. Der Fotograf lebt zwar wie Adhihetty in Zürich, ist aber gebürtiger Solothurner. Die ausgezeichneten Fotos zeigen senegalesische Wrestler. (ldu)

Bild aus der Serie «Der Fels von Gnor»

Bild aus der Serie «Der Fels von Gnor»