Corona
Solothurner Firmen leiden unter dem Einbruch der Auslandsnachfrage

Die Solothurner Handelskammer hat bei ihren Mitgliederfirmen eine Umfrage zur aktuellen Coronakrise durchgeführt. Diese zeigt: die Unternehmen rechnen erst gegen Ende Jahr mit einer Normalisierung.

Balz Bruder
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Die Uhrenindustrie hat keine grossen Geschäftserwartungen. (Themenbild)

Die Uhrenindustrie hat keine grossen Geschäftserwartungen. (Themenbild)

KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

So klar wie dramatisch: Nicht weniger als 83 Prozent der Betriebe sind durch das Coronavirus beziehungsweise die Massnahmen direkt oder indirekt betroffen. Das sagen die 248 Unternehmen – mehr als die Hälfte der Mitgliederfirmen der Solothurner Handelskammer (SOHK) – die an der Umfrage teilgenommen haben.

Als grösste Herausforderung nennen die Befragten die Absatzeinbussen im In- und Ausland – gefolgt von Liquiditätsproblemen, Schwierigkeiten bei den Vorleistungen und von Personalausfällen. Rund 40 Prozent der Unternehmen geben zudem an, bei den aktuellen Einschränkungen maximal ein halbes Jahr durchhalten zu können. Dabei zeigen sich die grösseren Betriebe widerstandsfähiger als die Klein- und Kleinstbetriebe.

Die Erwartungen sind deutlich eingebrochen

Besorgniserregend: Rund 40 Prozent der Unternehmen schätzen den Geschäftsgang für das erste Halbjahr 2020 als sehr schlecht, schlecht oder zumindest ungenügend ein, 37 Prozent der Firmen geben einen genügenden, 23 Prozent einen guten Geschäftsgang an. In einer schulischen Benotung zeigt die Befragung für den Geschäftsgang den Wert von 3,7 an. Gegenüber der Befragung im letzten Herbst – Note 4,3 – hat sich die Einschätzung demnach deutlich verschlechtert.

Die Geschäftserwartungen fallen allerdings je nach Branche sehr unterschiedlich aus (vgl. Grafik).

Grundsätzlich sind die Erwartungen bei den Bau- und baunahen Branchen (Notenschnitt: 4,4) am optimistischsten, gefolgt von jenen bei den Dienstleistern (3,7) und jenen in der Industrie (3,4). Innerhalb der Industrie zeigen sich die Energieversorger und die chemisch-pharmazeutische am optimistischsten. Sehr zurückhaltend sind hingegen die Unternehmen der Medizinaltechnik sowie der Uhren- und Präzisionsindustrie. Bei den Dienstleistungsbranchen erwarten die Banken und Versicherungen sowie die Logistikbetriebe immerhin weiterhin ansprechende Geschäfte, der Handel und das Autogewerbe sind im Gegensatz dazu sehr pessimistisch.

Interessant dabei: Die Geschäftserwartungen unterscheiden sich auch in Bezug auf die regionalen Absatzmärkte erheblich. Trotz teilweisem Lockdown im Inland werden für das erste Halbjahr 2020 im Binnenmarkt deutlich bessere Absatzchancen gesehen als im Ausland. Bei den ausländischen Absatzmärkten sind die Erwartungen für Asien zwar bescheiden, aber immer noch spürbar besser als jene für Europa und vor allem Nordamerika.

Die Gretchenfrage nach dem Zeitpunkt der Normalisierung

Die Umfrageergebnisse zeigen zudem, dass rund die Hälfte der Befragten von einer Normalisierung in spätestens sechs Monaten ausgeht. Dabei rechnen 11 Prozent mit einer Rückkehr in die Normalität innerhalb der nächsten zwei Monate, 40 Prozent innerhalb von drei bis sechs Monaten. Ein Drittel der Befragten erwartet eine Normalisierung dagegen erst in sieben bis zwölf Monaten. Und 16 Prozent befürchten gar, dass es mehr als 12 Monate dauern wird, bis sich der Geschäftsgang normalisieren wird.

Trotzdem: Bei der Befragung gibt fast die Hälfte der Unternehmen an, dass sie in der Coronakrise auch positive Effekte beobachten beziehungsweise erwarten. Dabei wird der Digitalisierungsschub am häufigsten genannt. Aber auch der gestiegene Wert des «Regionalen» wird häufig erwähnt; ebenso wie die Chancen für neue Geschäftsmodelle.

Kaum überraschend: Die Umfrageergebnisse belegen zudem, dass die Kurzarbeit die wichtigste Brücke über das tiefe Tal der Konjunktur darstellt. Von den Firmen, die an der Umfrage teilgenommen haben, meldeten 57 Prozent Kurzarbeit an. 43 Prozent davon bereits im März, 49 Prozent ab April und 8 Prozent ab Mai. Interessanter als die Anmeldung der Kurzarbeit an sich ist für die SOHK jedoch der erwartete Arbeitsausfall, der als Kurzarbeit gemeldet wird. Dies, weil er einen Rückschluss auf den zu erwartenden Einbruch der Wirtschaftsleistung zulässt. Eine Hochrechnung zeigt, dass die Unternehmen für den März einen durchschnittlichen Arbeitsausfall von gut 11 Prozent erwarten. In den Monaten April und Mai beträgt der durchschnittlich erwartete Arbeitsausfall knapp 20 Prozent. Im Juni sinkt dieser Wert gemäss Umfrageergebnis dann wieder auf unter 17 Prozent.

Unterstützung wird in Anspruch genommen

Das Instrument des Corona-Erwerbsersatzes (EO) haben rund 14 Prozent der Mitgliederfirmen der SOHK genutzt. Dabei wurde vor allem der Erwerbsersatz als Folge von Quarantänefällen sowie jener für Eltern mit wegfallender Kinderdrittbetreuung beantragt. Rund 17 Prozent der antwortenden Unternehmen gaben an, einen Covid-19-Kredit beantragt zu haben. Und das Instrument wird keineswegs nur von grossen Betrieben genutzt. Sämtliche beantragten Kredite seien dabei bewilligt worden. Die Überbrückungshilfe für Selbstständige des Kantons dagegen spielt laut SOHK bei ihren Mitgliederfirmen keine Rolle.

Und wie geht es weiter? In Bezug auf mögliche weitere Unterstützungsmassnahmen äussern sich viele Firmen eher zurückhaltend. Am häufigsten wird der Wunsch nach einer raschen Lockerung der Einschränkungen unter Einhaltung von Distanz- und Hygieneregeln geäussert. Danach folgt bereits die Ansicht, die aktuellen Hilfsmassnahmen reichten aus – es brauche keine weiteren Unterstützungen. Und wenn, dann am ehesten solche in der Art, dass geplante öffentliche Investitionen nicht gestrichen oder verzögert, sondern vorgezogen werden – oder aber dass fiskalische Entlastungsmassnahmen geschaffen werden.

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